Ungewöhnliches
Cover für eine Death Metal Band, muss ich schon sagen,
kommt daher wie ein Comic und lässt nie und nimmer auf
die enthaltene Musik schließen, die sich als Death’n’Roll
mit charakteristisch-charismatischem Gesang entpuppt. Kein Wunder,
steht hier doch der selige Martin van Drunen am Mikro (ehemals
z.B. Pestilence). Doch DEATH BY DAWN sollten
keinesfalls auf die Mitwirkung des prominenten Sangeskünstlers
reduziert werden, denn auch die instrumentale Seite weist allerhand
Stärken auf, so finden sich einige nette Gitarrenharmonien
und Soli.
Vor allem steht aber der Spaß im Vordergrund, technische
Spielereien sind den Jungs nicht wichtig, geradeaus nach vorne,
ohne Schnörkel oder viele komplizierte Taktwechsel! Der
etwas verwaschene Sound hat einen Vor- sowie Nachteil: auf der
einen Seite vermittelt er ein authentisches Klangbild der Ursprünglichkeit,
und siehe da, One Hand, One Foot… And A Lot
Of Teeth wurde an nur 5 Tagen im Tanztee Studio
(Rheine) eingespielt und brachte so die spielfreudige Kraft
der Songs mit einem rauen Feeling auf Band. Andrerseits fehlt
die nötige Klarheit, aber das ist sicher so gewollt, um
die Stücke dreckig-roh klingen zu lassen. Mich überrascht
für eine Death'n'Roll Truppe die überdurchschnittlich
lange Spielzeit der einzelnen Stücke, die teilweise jenseits
der 8 (!) Minuten Marke liegt. Die erwähnte Spielfreude
gepaart mit räudigem Charme wird durch die streckenweise
fehlende Abwechslung relativiert und so beschleicht mich nach
der Hälfte der CD ein Gefühl der Unzufriedenheit.
Soll nicht heißen, dass die Lieder dann schlecht werden,
doch herausragende Melodien, sich im Ohr festsetzende Refrains
oder die eine oder andere außergewöhnliche Songidee
fehlen leider. So tönt die Scheibe zwar gut, groovig, aber
dennoch zu gleichförmig und unspektakulär vor sich
hin. Wohltuend hebt sich da das vom Bass gespielte Intermezzo
in The Nicotine Lobby ab. Auch der längste und
abschließende Song Not Afraid To Die bricht ein
wenig mit der Tradition der Gleichförmigkeit und verschleppt
hie und da das Tempo – und siehe da, die schnelleren Parts
wirken als Kontrast umso mehr. Nach etwa 7 Minuten wird’s
dann richtig lustig: eine Melodie zum Mitpfeifen beendet die
CD mit einem Augenzwinkern!
Wenn diese Vorgangsweise so gut funktioniert, dann frage ich
mich schon, warum diese Taktik nicht öfters angewendet
wird... Erinnerungen an Pestilence kommen nicht nur wegen des
einzigartigen Gesangs auf, sondern auch musikalisch verweist
etwa Parliament Of Decadence auf die Kultband.
Für ein Debütalbum finde ich One Hand,
One Foot…And A Lot Of Teeth gelungen, die
Band sollte bei der nächsten Veröffentlichung aber
mehr Wert auf Tempovariation legen, da sonst die Musik uninteressant
werden könnte und alles in einem gleichförmigen (wenn
auch guten) Midtempo-Level stecken zu bleiben droht.