Manchmal
ist man ja richtig froh, wenn einem von einer schon lange im
Geschäft befindlichen Band, bewährte Kost vorgesetzt wird. Und
zwar ist dies immer dann der Fall, wenn dabei ein hohes Qualitätsniveau
gehalten wird.
Erfreulicherweise
kann ich dies auch vom neuen Album der Bayreuther DAS ICH
vermelden. Mit ihrer Mischung aus EBM, Klassik und ein wenig
Industrial, sowie den interessant gestalteten Texten, sind sie
immer noch gut genug, um auch ohne großartige Neuerungen quasi
der gesamten deutschen Konkurrenz weiterhin eine Nasenlänge
voraus zu sein. Das liegt zum einen daran, weil die Mischung
einfach perfekt umgesetzt wird, zum andern an der erzeugten
Atmosphäre, die halt doch eine größere Dichte und Tiefe erreicht,
als man das normalerweise erlebt.
So
denn auch auf dem neuen Album anti'christ. Los
geht's mit dem ziemlich harschen und rhythmischen Opener Engel,
der, wie auch die nächsten drei Stücke, eher an die älteren
DAS ICH-Zeiten erinnert. Vor allem bei Keimzeit fühlte
ich mich angenehm in die Staub-Periode zurück versetzt. Nach
dem musikalisch wie auch textlich sehr vielschichtigen Vater
gibt es dann quasi einen kleinen Bruch, sind die folgenden Stücke
doch etwas straighter in Szene gesetzt und besitzen nicht so
offensichtlich diese typische verschachtelte Struktur, die den
Kramm'schen Kompositionen sonst häufig zu eigen ist.
Das
damit aber kein Nachteil verbunden sein muß, beweist gleich
das fünfte Stück Krieg im Paradies, welches sich unnachgiebig
ins Hirn fräst und fast dem Titelsong zum Weltuntergang gleichkommt.
Meiner Meinung nach die potentielle Single, wenn man denn eine
gewollt hätte... (siehe Interview). Die folgenden Stücke Tor
zur Hölle, Garten Eden und Das dunkle Land bewegen
sich ebenfalls mit den genannten Charakteristiken im Spannungsfeld
zwischen Staub, Morgue und Egodram, ohne dabei zum Plagiat zu
verkommen. Vielmehr gelingt es hier, sowohl härter und finsterer,
als auch melodiöser zu klingen, ohne dabei an Intensität einzubüssen.
Dazu ergänzt Stefan Ackermann einmal mehr mit seinem variablen
Gesang und Texten, bei denen auch ein Blick zwischen die Zeilen
lohnenswert ist, auf ideale Weise das Gesamtkonzept. Was wieder
einmal beweist, daß es auch ohne billige deutsche Todeslyrik
geht...
Mit
dem alten Demo-Track Sodom und Gomorra und dem eher ruhigen,
aber epischen Der achte Tag (inkl. Hidden Track) endet schließlich
ein Album, an dem man als Anhänger anspruchsvoller Electro-Sounds
einfach nicht vorbeigehen kann. Punkt!!!