DAS ICH Anti'christ
 
Label: Massacre Records
Release: 27.05.2002
Von: Psycho
Punkte: 9
Time: 65:17
Stil: Electro
URL: Das Ich
 

Manchmal ist man ja richtig froh, wenn einem von einer schon lange im Geschäft befindlichen Band, bewährte Kost vorgesetzt wird. Und zwar ist dies immer dann der Fall, wenn dabei ein hohes Qualitätsniveau gehalten wird.

Erfreulicherweise kann ich dies auch vom neuen Album der Bayreuther DAS ICH vermelden. Mit ihrer Mischung aus EBM, Klassik und ein wenig Industrial, sowie den interessant gestalteten Texten, sind sie immer noch gut genug, um auch ohne großartige Neuerungen quasi der gesamten deutschen Konkurrenz weiterhin eine Nasenlänge voraus zu sein. Das liegt zum einen daran, weil die Mischung einfach perfekt umgesetzt wird, zum andern an der erzeugten Atmosphäre, die halt doch eine größere Dichte und Tiefe erreicht, als man das normalerweise erlebt.

So denn auch auf dem neuen Album anti'christ. Los geht's mit dem ziemlich harschen und rhythmischen Opener Engel, der, wie auch die nächsten drei Stücke, eher an die älteren DAS ICH-Zeiten erinnert. Vor allem bei Keimzeit fühlte ich mich angenehm in die Staub-Periode zurück versetzt. Nach dem musikalisch wie auch textlich sehr vielschichtigen Vater gibt es dann quasi einen kleinen Bruch, sind die folgenden Stücke doch etwas straighter in Szene gesetzt und besitzen nicht so offensichtlich diese typische verschachtelte Struktur, die den Kramm'schen Kompositionen sonst häufig zu eigen ist.

Das damit aber kein Nachteil verbunden sein muß, beweist gleich das fünfte Stück Krieg im Paradies, welches sich unnachgiebig ins Hirn fräst und fast dem Titelsong zum Weltuntergang gleichkommt. Meiner Meinung nach die potentielle Single, wenn man denn eine gewollt hätte... (siehe Interview). Die folgenden Stücke Tor zur Hölle, Garten Eden und Das dunkle Land bewegen sich ebenfalls mit den genannten Charakteristiken im Spannungsfeld zwischen Staub, Morgue und Egodram, ohne dabei zum Plagiat zu verkommen. Vielmehr gelingt es hier, sowohl härter und finsterer, als auch melodiöser zu klingen, ohne dabei an Intensität einzubüssen. Dazu ergänzt Stefan Ackermann einmal mehr mit seinem variablen Gesang und Texten, bei denen auch ein Blick zwischen die Zeilen lohnenswert ist, auf ideale Weise das Gesamtkonzept. Was wieder einmal beweist, daß es auch ohne billige deutsche Todeslyrik geht...

Mit dem alten Demo-Track Sodom und Gomorra und dem eher ruhigen, aber epischen Der achte Tag (inkl. Hidden Track) endet schließlich ein Album, an dem man als Anhänger anspruchsvoller Electro-Sounds einfach nicht vorbeigehen kann. Punkt!!!