Fünf Jahre hat es gedauert, bis BENEDICTION dem 2020er Album Scriptures mit Ravage Of Empires einen lang erwarteten Nachfolger folgen ließen. Das ist zwar eine lange Zeit, allerdings gab es da ja durchaus einige unschöne Jahre, die man am liebsten vergessen möchte und zum anderen waren die Briten ziemlich viel auf Achse: Wieder mit dem (ohne Dave Hunt nahe treten zu wollen) einzig wahren BENEDICTION-Frontmann Dave Ingram an Bord, war die Band erfolgreich und ausgiebig auf Tour und zudem auf etlichen Festivals zu sehen.
Natürlich (und das meine ich ausdrücklich positiv) gibt es bei BENEDICTION keine großen Überraschungen: Angetrieben von Schlagzeuger Giovanni Durst, der zusammen mit seinem Omicida-Kollegen und Bassist Dan 2020 zur Band gestoßen ist, beweisen die beiden Gründungsmitglieder und Gitarristen Peter und Darren, dass sie auch nach nunmehr 36 Jahren Bandgeschichte keinesfalls zum alten Eisen gehören. Man füge die Stimme von Dave Ingram (der seit Jugendtagen für mich den Status als bester Death Metal Vocalist einnimmt) hinzu und es ist quasi unmöglich, dass am Ende kein gutes Album herauskommt.
Auf Ravage Of Empires bietet sich dem Hörer überwiegendder gewohnte Sound mit brachial donnernden Riffs, groovigen Headbang-Passagen und den mit Maß hier und da eingestreuten Thrash und Hardcore-Punk-Anleihen, aber die einzelnen Stücke sind trotz des in sich geschlossenen Sounds auch dieses Mal (in den Grenzen des Genres) ziemlich abwechslungsreich geraten. Nachdem das Album relativ geradlinig und schnörkellos eröffnet, wird auf Genesis Chamber und Deviant Spine ein bisschen die Bremse gezogen und statt donnernden Blast Beats werden großartige Midtempo-Riffs zelebriert. Insbesondre diese beiden Stücke erinnerten mich sofort an mein liebstes Album der Band (Transcend The Rubicon). Crawling Over Corpses und Psychosister hingegen sind der Beweis, dass BENEDICTION es nach wie vor verstehen, subtile Melodien und Hooklines sowie krachende Gitarren nahtlos in eine dichte Wand aus druckvollem Sound zu verweben. Engines Of War und In The Dread Of The Night (letzteres mit einer kleinen Verbeugung in Richtung Slayer) hingehen lassen wieder Liebhaber der schnelleren Gangart auf ihre Kosten kommen, ohne dabei in stumpfes, ödes Geknüppel abzugleiten.
Kompliment auch an Scott Atkins, der bereits Scriptures produziert hatte. Ich wüsste nicht, was ich an dem Sound verbessern wollen würde.
Mit BENEDICTION ist es im Grunde genommen wie mit einem alten Freund, den man schon seit vielen Jahrzehnten kennt und der inzwischen in einem anderen Teil des Landes wohnt: Man sieht sich nicht mehr besonders oft, aber wenn es denn klappt, dann macht man nahtlos da weiter wo man zuletzt aufgehört hat und versteht sich ohne Weiteres wie eh und je – selbst wenn natürlich nicht mehr alles ganz so „aufregend“ ist wie noch in (viel) jüngeren Jahren. Mit anderen Worten: Die „Magie“, die die Musik Anfang der 1990er (zumindest für mich) hatte, lässt sich natürlich nie wieder genauso einfangen. Aber bei aller Nostalgie ist Ravage Of Empires so nah dran wie es irgend geht. Ich höre außerhalb von Konzerten und Festivals so gut wie kaum noch Death Metal, und wenn, dann sind es ganz überwiegend sehr alte und nun (seit dem Quasi-Comeback) zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren auch wieder sehr neue Alben von BENEDICTION.
Nicht nur für jeden Fan der Band ist Ravage Of Empires ein Muss, sondern auch – wie immer – ausgezeichneter Old School Death Metal, der auch nach fast vier Jahrzehnten keinen Vergleich mit „jüngeren“ Bands scheuen muss – ganz im Gegenteil sind BENEDICTION immer noch ganz weit oben anzusiedeln.