Ihr kennt das sicher: manchmal gibt es coole Zufälle bei Konzerten, zu denen man eigentlich wegen einer anderen Band geht und dann von der Vorgruppe überrascht wird. So auch im Fall von BEDNJA, die mich mit ihrer eigenwilligen Black-Metal-Interpretation, durchsetzt von rhythmischen Grooves und atmosphärischen Post-Rock-Einschüben, zuerst live und nun auch auf Tonträger überzeugen.
Typisch schwarzmetallische Hoffnungslosigkeit mit entrücktem Schreigesang trifft auf treibendes Schlagzeug und entspannte, Jam-Session-artige Passagen mit glasklaren Gitarren. Diese Vermengung von schnell/langsam, aufbegehrend/zurückhaltend und desperat/harmonisch bewirkt eine bemerkenswerte Dynamik innerhalb der Songs. Auch der durch die Verwendung der kroatischen Sprache besondere Wechselgesang trägt zu dieser spannungsgeladenen Atmosphäre bei.
Ich picke mir als Beispiel für die Sogwirkung den Song Ledena Palaca heraus, denn hier gelingt es BEDNJA am besten, einen breiten Spannungsbogen zu kreieren. Nach einem Blitzstart inklusive fiesem Gekreische und rhythmisch etwas schleppenderen Parts fügt sich der bedächtige, sphärisch schwebende Mittelteil ungemein wohltuend in das ansonsten pfeilschnelle Songgerüst ein. Die inbrünstigen Schreie gehen zu Herzen, der sich hymnisch aufbäumende Schlusspart betört durch heroische Melodien von Gitarre und Streichern.
Auch beim folgenden Stück Tisina Je Smrt wird die Überfallstaktik angewandt, doch das höllische Trio integriert wiederum finster dahinrollende Takte, um nicht in der Gleichförmigkeit zu versinken. Leicht verdaulich klingt zwar anders, denn die Band benutzt sehr wohl widerspenstige und sperrige Melodien, doch das macht letztendlich auch den Reiz aus, um sich tiefer in die Kompositionen fallen zu lassen. Bei epischen Monstern wie dem abschließenden Titelstück ist das auch lohnenswert, denn hier bietet die Band noch einmal das ganze Repertoire auf, wobei das Geschwindigkeitsspektrum reichhaltig ausgeschöpft wird. Eine von akzentuierten Drums getragene Sequenz übergibt das Kommando an wabernde Gitarrenleads, dann drängen sich unbequeme Motive in den Vordergrund, ehe das Album mit Sturm, Regen und Rabengekrächze scheinbar zu Ende geht - doch BEDNJA spendieren uns noch ein obskures, Folk-lastiges Finale.
Einfache Kost servieren die drei Musiker keineswegs, man sollte sich Zeit nehmen, um in dieses Werk zu versinken. Bei einer guten halben Stunde Spielzeit klappt es auch im Repeat-Modus ohne Probleme und die Details schälen sich mehr und mehr heraus. Doline Su Ostale Iza Nas klingt ungewöhnlich und kann den Hörer nach kurzer Anlaufzeit in einen Mahlstrom der Gefühle reißen.