Auch
auf ihrem vierten Werk Evernight entführen
uns die Tolkien-Inspirierten auf eine Reise durch die lyrische
Welt von Mittelerde. Das tun sie über weite Strecken in
einem sanfteren Ton als bisher, soll heißen, dass dieses
Mal die entspannte Atmosphäre noch mehr im Vordergrund
steht.
BATTLELORE beschreiben ihre Musik selbst als
Epic Fantasy Metal (oder zumindest ihre Plattenfirma Napalm
Records :)) und das trifft die Sache schon recht gut. Ausladende
Arrangements und erhabene Stimmungen dominieren diese knappe
Dreiviertelstunde. Die charakteristische und lieb gewonnene
Stimme von Kaisa Jouhki überzeugt auch diesmal. Ihr männlicher
Gesangspartner Tomi Mykkänen steuert den Death-Metal artigen
Grunzgesang bei. Die beiden teilen sich die Stimmarbeit von
Evernight gut auf. Hierbei wäre
es wünschenswert, dass Tomi mehr Variation in seine etwas
ausdruckslose und gleichförmige Darbietung bringen würde.
Die geflüsterten Strophen in Mask Of Flies oder
Beneath The Waves überraschen in dieser Hinsicht.
Diesen Aha-Effekt bietet Evernight
jedoch leider zu selten.
Wie gestaltet sich nun die Musik an sich? Tja, da wird viel
mit dem Wechsel von getragenen Parts und nach vorne losrockenden
Passagen gespielt. Der Keyboardeinsatz zur Intensivierung der
epischen Ausrichtung wirkt unaufdringlich und deshalb sehr passend,
nur selten übernimmt das Tasteninstrument die Melodieführung.
Auf jeden Fall sind die Kompositionen von Evernight
angenehm zu hören. So richtig entspannt und genießerisch
träumen kann ich dann als Zuhörer auch wieder nicht,
denn Summon The Wolves etwa besitzt einen gesteigerten
Härtegrad und so kommt auch der heftige Einsatz von Gitarren
und Drums keinesfalls zu kurz. We Are The Legions klingt
noch um eine Ecke kämpferischer wie es schon der Titel
vermuten lässt. Nach zackigem Beginn und Death Metal Grunts
übernimmt aber die elfenhafte Stimme Kaisas wieder die
Führung, bevor sich die beiden ein wechselseitiges Duell
liefern.
Alles in Allem sind BATTLELORE bestens wieder
zu erkennen. Das wird alle Fans freuen, doch die Frage ist nur,
ob nicht die kreative Weiterentwicklung dabei auf der Stecke
bleibt. Vielleicht wäre es an der Zeit, das eine oder andere
Experiment zu wagen. Klar sollte die Band jetzt nicht den totalen
Kurswechsel anpeilen, doch mehr Variation hieße das Zauberwort.
Ein sehr guter Ansatz wäre da z.B. das schleppend beginnende
und sich steigernde Into The New World (könnte
der Titel denn zukunftsweisend sein?). Die erste Minute schlängelt
sich schwerfällig durch Mittelerde, bis die Gitarrenriffs
- einem Schwarm kriegerischer Orks gleich - die Landschaft zum
Erzittern bringen. Dann beginnt das abwechselnde Singspiel wieder,
immer durchbrochen von härteren Gitarren/Keyboard Elementen.
Der letzte Biss, um wirklich vollends vor Spannung die Wände
hochzugehen, fehlt der Mischung dennoch. Ich kann mir gut vorstellen,
dass die Musik live intensiver rüberkommt, vor allem weil
manche Tracks zum Headbangen bestens geeignet sind, wie u.a.
der zwingende Rhythmus in The Cloak And The Dagger.
Zusammenfassend kann ich BATTLELORE trotzdem
auch zum vierten Album gratulieren, die neun vertretenen Lieder
sind gut komponiert und arrangiert, die weibliche Stimme unverwechselbar
und einfach schön; der heftigere Gesangsstil könnte
einen Schuss Variation vertragen. Im Allgemeinen könnte
die Schublade namens Risiko zwischendurch geöffnet werden,
um Überraschungen einzubauen. Dadurch schafft es Evernight
für mich nur zu einem „gut“ - ich erwarte mir
ganz schlicht und einfach beim nächsten Mal mehr Wandlungsfähigkeit,
sonst besteht die Gefahr, dass die Songs einfach nur an mir
vorbei plätschern.