BATTLELORE – Evernight

 
Label: Napalm Records
Release: 23.02.2007
Von: Stormlord
Punkte: 7.5/10
Time: 42:50
Stil: Epic Fantasy Metal
URL: Battlelore
 
Auch auf ihrem vierten Werk Evernight entführen uns die Tolkien-Inspirierten auf eine Reise durch die lyrische Welt von Mittelerde. Das tun sie über weite Strecken in einem sanfteren Ton als bisher, soll heißen, dass dieses Mal die entspannte Atmosphäre noch mehr im Vordergrund steht.
BATTLELORE beschreiben ihre Musik selbst als Epic Fantasy Metal (oder zumindest ihre Plattenfirma Napalm Records :)) und das trifft die Sache schon recht gut. Ausladende Arrangements und erhabene Stimmungen dominieren diese knappe Dreiviertelstunde. Die charakteristische und lieb gewonnene Stimme von Kaisa Jouhki überzeugt auch diesmal. Ihr männlicher Gesangspartner Tomi Mykkänen steuert den Death-Metal artigen Grunzgesang bei. Die beiden teilen sich die Stimmarbeit von Evernight gut auf. Hierbei wäre es wünschenswert, dass Tomi mehr Variation in seine etwas ausdruckslose und gleichförmige Darbietung bringen würde. Die geflüsterten Strophen in Mask Of Flies oder Beneath The Waves überraschen in dieser Hinsicht. Diesen Aha-Effekt bietet Evernight jedoch leider zu selten.
Wie gestaltet sich nun die Musik an sich? Tja, da wird viel mit dem Wechsel von getragenen Parts und nach vorne losrockenden Passagen gespielt. Der Keyboardeinsatz zur Intensivierung der epischen Ausrichtung wirkt unaufdringlich und deshalb sehr passend, nur selten übernimmt das Tasteninstrument die Melodieführung. Auf jeden Fall sind die Kompositionen von Evernight angenehm zu hören. So richtig entspannt und genießerisch träumen kann ich dann als Zuhörer auch wieder nicht, denn Summon The Wolves etwa besitzt einen gesteigerten Härtegrad und so kommt auch der heftige Einsatz von Gitarren und Drums keinesfalls zu kurz. We Are The Legions klingt noch um eine Ecke kämpferischer wie es schon der Titel vermuten lässt. Nach zackigem Beginn und Death Metal Grunts übernimmt aber die elfenhafte Stimme Kaisas wieder die Führung, bevor sich die beiden ein wechselseitiges Duell liefern.
Alles in Allem sind BATTLELORE bestens wieder zu erkennen. Das wird alle Fans freuen, doch die Frage ist nur, ob nicht die kreative Weiterentwicklung dabei auf der Stecke bleibt. Vielleicht wäre es an der Zeit, das eine oder andere Experiment zu wagen. Klar sollte die Band jetzt nicht den totalen Kurswechsel anpeilen, doch mehr Variation hieße das Zauberwort. Ein sehr guter Ansatz wäre da z.B. das schleppend beginnende und sich steigernde Into The New World (könnte der Titel denn zukunftsweisend sein?). Die erste Minute schlängelt sich schwerfällig durch Mittelerde, bis die Gitarrenriffs - einem Schwarm kriegerischer Orks gleich - die Landschaft zum Erzittern bringen. Dann beginnt das abwechselnde Singspiel wieder, immer durchbrochen von härteren Gitarren/Keyboard Elementen. Der letzte Biss, um wirklich vollends vor Spannung die Wände hochzugehen, fehlt der Mischung dennoch. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Musik live intensiver rüberkommt, vor allem weil manche Tracks zum Headbangen bestens geeignet sind, wie u.a. der zwingende Rhythmus in The Cloak And The Dagger.
Zusammenfassend kann ich BATTLELORE trotzdem auch zum vierten Album gratulieren, die neun vertretenen Lieder sind gut komponiert und arrangiert, die weibliche Stimme unverwechselbar und einfach schön; der heftigere Gesangsstil könnte einen Schuss Variation vertragen. Im Allgemeinen könnte die Schublade namens Risiko zwischendurch geöffnet werden, um Überraschungen einzubauen. Dadurch schafft es Evernight für mich nur zu einem „gut“ - ich erwarte mir ganz schlicht und einfach beim nächsten Mal mehr Wandlungsfähigkeit, sonst besteht die Gefahr, dass die Songs einfach nur an mir vorbei plätschern.