AYREON – The Human Equation
 
Label: InsideOut Music
Release: 24.05.2004
Von: Medion
Punkte: 7.5/10
Time: 102:08
Stil: Prog Metal
URL: Ayreon
 
Nachdem mir Arjen Lucassen bislang nur durch sein Star One-Projekt zu Ohren gekommen war, welches bei mir aber nachhaltigen Eindruck hinterließ, war ich gespannt, wie sein Hauptprojekt AYREON klingen würde, von dem ich bislang fast nur Gutes zu lesen bekam.
Hat man erst mal das Cover verdaut, das ebenso von einer drittklassigen Death-Metal-Combo hätte stammen können, taucht man ein in die Welt der Human Equation. Ein Arsenal an illustren (Metal-)Persönlichkeiten lässt viel von dem mehr als hundertminütigen Konzeptalbum erwarten. Eric Clayton (Saviour Machine), Mikael Akerfeldt (Opeth), Devin Townsend sowie niemand geringerer als James LaBrie (Dream Theater) wirken hier mit, um eine monströse Rock-Oper zum Leben zu erwecken, die es in sich hat. The Human Equation ist - vorweggenommen – ein mehr als sperriges Album. Komplexe Strukturen, teilweise überlange Songs und wenig offensichtlicher Ohrwurmcharakter machen diesen Release sehr gewöhnungsbedürftig. Selbst nach 30maligem Durchhören entdeckt man immer wieder Teile, die man anscheinend aus seinem Gedächtnis verbannt hatte, weil die Eindrücke einen erschlagen. Und so ist es auch sehr schwer, ein Urteil über The Human Equation zu sprechen. Geniale Rock- und Metalanteile wechseln zu Folklore und Musical-Passagen, Screams und (seltene) Growls münden in bombastische Chöre. Doch umgekehrt bleiben nur sporadisch Riffs wirklich hängen - so wie in der Single-Auskopplung Love oder dem von einem tollen Refrain getragenen Pain. Dazwischen versinkt The Human Equation in unspektakulären Akustik-Passagen und dem an manchen Stellen doch arg nervenden Gesang James LaBrie's.
AYREONs neues Konzeptalbum mag ein Ausnahmewerk sein, das von Ideenreichtum und perfekter Technik nur so strotzt. Im Handumdrehen ist man aber genauso enttäuscht von den vielen scheinbaren Lückenfüllern, die man gerne skippen würde. Ich werde dieses Album wohl weitere 30 Male durchlaufen lassen, weil ich mich irgendwie nicht davon lösen kann. Gleichzeitig werde ich aber immer wieder Teile entdecken, die Arjen Lucassen auf Star One eindeutig besser gemacht hat. Vielleicht wäre ja eine 80minütige CD auch ausreichend gewesen…