Nachdem
mir Arjen Lucassen bislang nur durch sein Star One-Projekt zu
Ohren gekommen war, welches bei mir aber nachhaltigen Eindruck
hinterließ, war ich gespannt, wie sein Hauptprojekt AYREON
klingen würde, von dem ich bislang fast nur Gutes zu lesen
bekam.
Hat man erst mal das Cover verdaut, das ebenso von einer drittklassigen
Death-Metal-Combo hätte stammen können, taucht man ein
in die Welt der Human Equation. Ein
Arsenal an illustren (Metal-)Persönlichkeiten lässt
viel von dem mehr als hundertminütigen Konzeptalbum erwarten.
Eric Clayton (Saviour Machine), Mikael Akerfeldt (Opeth), Devin
Townsend sowie niemand geringerer als James LaBrie (Dream Theater)
wirken hier mit, um eine monströse Rock-Oper zum Leben zu
erwecken, die es in sich hat. The Human Equation
ist - vorweggenommen – ein mehr als sperriges Album. Komplexe
Strukturen, teilweise überlange Songs und wenig offensichtlicher
Ohrwurmcharakter machen diesen Release sehr gewöhnungsbedürftig.
Selbst nach 30maligem Durchhören entdeckt man immer wieder
Teile, die man anscheinend aus seinem Gedächtnis verbannt
hatte, weil die Eindrücke einen erschlagen. Und so ist es
auch sehr schwer, ein Urteil über The Human Equation
zu sprechen. Geniale Rock- und Metalanteile wechseln zu Folklore
und Musical-Passagen, Screams und (seltene) Growls münden
in bombastische Chöre. Doch umgekehrt bleiben nur sporadisch
Riffs wirklich hängen - so wie in der Single-Auskopplung
Love oder dem von einem tollen Refrain getragenen
Pain. Dazwischen versinkt The Human Equation
in unspektakulären Akustik-Passagen und dem an manchen Stellen
doch arg nervenden Gesang James LaBrie's.
AYREONs neues Konzeptalbum mag ein Ausnahmewerk
sein, das von Ideenreichtum und perfekter Technik nur so strotzt.
Im Handumdrehen ist man aber genauso enttäuscht von den vielen
scheinbaren Lückenfüllern, die man gerne skippen würde.
Ich werde dieses Album wohl weitere 30 Male durchlaufen lassen,
weil ich mich irgendwie nicht davon lösen kann. Gleichzeitig
werde ich aber immer wieder Teile entdecken, die Arjen Lucassen
auf Star One eindeutig besser gemacht hat. Vielleicht wäre
ja eine 80minütige CD auch ausreichend gewesen…
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