Ein unüberschaubarer Ozean von Post-Black-Metal-Bands will vom geneigten Hörer erschlossen werden, und solange es Gruppen von derart hoher Qualität wie eben AVAST gibt, wird es wohl in einem Metallerleben nicht zu bewerkstelligen sein, sie alle zu kennen.
AVAST überzeugen auf Mother Culture mit knackiger Härte, Kreischvocals und höchst atmosphärischen, verträumten Melodien, die ungemein natürlich und ungezwungen in die epischen, aber nicht vollends ausufernden Kompositionen eingewoben werden. Im Titelstück fügen die Musiker noch eine doomige, elegant fließende Note hinzu und verzaubern mit verdammt schönen Melodien.
Diese Musik braucht nicht unbedingt Worte, um viel auszudrücken, denn beim instrumentalen The Myth sorgen eine aufbegehrende Dynamik und ein dezent rockiger Vibe für ein erhebend leichtes Hörerlebnis mit zeitlos schönen Harmonien. Danach wirkt das heftig losbretternde Birth Of Man umso aggressiver und beweist das feine Händchen für packende Kontraste, die den Genießer zwischen entspannter Stimmung und beißender Härte hin- und herreißen.
Innerhalb der Songs lotet das Quartett das gesamte Geschwindigkeitsspektrum aus und senkt den Puls mit extrem ruhigen Sequenzen, die sich den fies geschrieenen Passagen kontrastreich entgegenstellen. Ein schwerer Groove wird auch noch eingestreut und macht blastenden Parts unvermittelt Platz. All diese Zutaten bringen die Künstler in einen sinnvollen Kontext und erfreuen sowohl mit Abwechslungsreichtum als auch Nachvollziehbarkeit. Besonders gut gelingt die Gegenüberstellung von nahezu kontemplativer Stille und intensiv in die Welt getragener Verzweiflung beim abschließenden Man Belongs To The World, das zudem mit einem opulenten, erhabenen Breitwandfinale besticht.
Mother Culture besticht durch schlichte Schönheit, schillernde Kontraste und intensive Tempowechsel, die dieses Album wie einen Fluss wirken lassen, der sich manchmal gemächlich breit, dann wieder rasant tosend seine Bahn bricht.