Da
es rund um AVA INFERI einen gewissen Hype gibt, was wohl
in der Hauptsache daran liegen mag, dass sich hier der ehemalige
Mayhem Gitarrist Rune 'Blasphemer' Eriksen ganz „artfremd“
austobt, packte mich dann doch die Neugier und so beschäftigte
ich mich eingehender mit Onyx, dem bereits vierten
Album in der knapp 6-jährigen Historie der Band.
Im Vordergrund steht die Portugiesische Sängerin Carmen
Susana Simões, die dankenswerterweise nicht im diskanten
Bereich singt und generell eine sehr schöne Stimme hat,
auch wenn es das eine oder andere Mal dann doch ein paar schräge
Töne gibt, wie z.B. bei The Living End.
Musikalisch hat man sich auf eine düster-melancholische
und sehr atmosphärische Dark/Gothic Metal Mischung festgelegt.
Alte The Sins Of Thy Beloved, das erste Nighwish Album und auch
Therion kommen mir an der einen oder anderen Stelle in den Sinn.
Allerdings wird die sonst übliche skandinavische Härte
durch mediterrane Sinnlichkeit und Mystik ersetzt.
Gerade zu Beginn von Onyx (Onyx, The Living
End, A Portal) gibt es verdammt schöne wie packende
Melodieläufe, tolle Basslinien und aus kompositorischer
Sicht interessante Tricks und Wendungen in den Songs. Darüber
schwebt der wunderbare, meist geschichtete Gesang von Carmen.
Letztendlich fehlt es mir dann aber doch an der nötigen
Härte und Durchschlagskraft bzw. einen weiterreichenden
experimentellen oder avantgardistischen Einfluss, um das Album
deutlich aus der Masse herausragen zu lassen. Zudem wird Onyx
nach Majesty furchtbar langatmig, gelingt es AVA INFERI
zum Ende hin nicht mehr Spannungsbögen aufzubauen und die
Aufmerksamkeit des Hörers an das Album zu binden.
Onyx ist nun keineswegs ein schlechtes Album,
aber vielmehr beeindruckt das Potential, die Möglichkeiten,
die sich hier noch eröffnen könnten. Rune Eriksen
hat noch lange nicht seine Möglichkeiten ausgeschöpft.