Black Metal und Island, dass passt irgendwie ganz gut zusammen. Scheint ja doch den einen oder anderen Schwarzwurzel-Fanatiker in dem kleinen Land in der Nähe des nördlichen Polarkreises zu geben. Kommen mit Bands wie Svartidauði oder Misþyrming vor allem die eher chaotischen-experimentellen, finsteren und/oder orthodoxen Vertreter aus dem Land im hohen Norden ist AUÐNs Zweitling Farvegir Fyrndar dann doch aus einem eher filigraneren und wesentlich atmosphärischen Holz geschnitzt. AUÐNs Songs sind melodisch, melancholisch, emotional und erzeugen eine fast cineastische Atmosphäre. Dabei verzichtet das Quintett aus dem kleinen Ort Hveragerði südlich von Reykjavík völlig auf jeglichen Post-/Avantgarde-/Hipster-/War-/Bestial- Schnickschnack-Mumpitz, stattdessen lassen sie (meist recht gradlinig) klirrende Gitarren, harsches Geschrei und dynamisches Songwriting regieren. Denn Obacht: auch wenn auf Farvegir Fyrndar Melodie und Atmosphäre großgeschrieben werden, geht es durchaus harsch und ruppig zur Sache, dürfen Blastbeats neben verträumten Melodien stehen und das garstige Geschrei von äh … Sänger Hjalti Sveinsson über allem thronen. Klar, keine Frage – auch AUÐN erfinden das Rad des atmosphärischen Black Metals nicht neu, wirken aber trotzdem frisch und dabei sehr direkt. Der Sound auf Farvegir Fyrndar ist rauh und natürlich und trotzdem klar, was im heutigen Kampf zwischen klinischen Computersounds und krampfhaft-untergrundigem Gerumpel eine sehr angenehme Sache ist. Erinnert mich eher an die englischen Bands wie Wodensthrone oder Fen, aber auch an frühe norwegische Bands, wie Satyricon zu The Shadowthrone-Zeiten.
Tolle Platte, irgendwie perfekt für klirrend kalte aber trotzdem sonnige Wintertage.