Moderne Einflüsse im Metal-Bereich können sehr bereichernd sein, doch genauso gut kann eine Band den Bogen schnell überspannen und die Geschmacksnerven irre strapazieren. Im Falle von ATROX schlägt das Pendel eindeutig in Richtung “interessante Einbindung von Industrialsounds” aus.
Da gibt es jede Menge Klargesang, mit dezent wahnsinniger Note, leicht überdreht, der sich mit tanzbaren Beats und eingängigen Hooks mischt. Dann kehren die Musiker eine Musical-ähnliche Attitüde hervor, auch eine latent irre Zirkusstimmung kommt beim etwas wirren Stück Vacuum zum Tragen, als würde jeden Moment eine Fratze hinter dem nächsten Notenständer hervorspringen. Ein paar Tastentöne verdichten die Horroratmosphäre, die mich etwas desorientiert und nach dem roten Faden suchend zurücklässt.
Etwas geradliniger, aber auch industrial-affiner startet man ins nächste akustische Abenteuer namens Heat, doch auch hier kommen entrückt wirkende Elemente wie sphärischer Gesang oder interessantes Drumming nicht zu kurz. Anschließend strecken ATROX symbolisch die Hand aus und laden mit dem Stück Finger zu einer epischen, schwerfällig schleppenden, düsteren Achterbahnfahrt, die nur sehr dezent von modernen Sounds durchdrungen wird. Suicide Days wirkt recht fröhlich und eingängig, doch die futuristischen Einsprengsel sind für meinen Geschmack zu übertrieben, jedoch glücklicherweise nur von kurzer Dauer. Eine freakige, Mike Patton von Faith No More in ihrer Extravaganz nicht unähnliche Stimme, prägt die Komposition For We Are Many. Ein ausgedehnter, ruhig schwebender Part mit David Bowie Gesangs-Ähnlichkeiten findet Platz im Songgerüst, ehe das Tempo angezogen wird und die Band einem zackigen Finale entgegensteuert. Locker-flockig und gleichzeitig ein wenig verrückt gestaltet sich dann der Movie-Aufenthalt, wobei der futuristische Mittelteil ein wenig an den Nerven zerrt. Dieses Manko merzen die leichtfüßigen Tanzflächenfeger-Rhythmen wieder aus. Der Abschluss Target trifft mit seiner härteren Vortragsweise mitten ins Schwarze und setzt somit einen markanten Schlusspunkt.
Im Allgemeinen wirken die Kompositionen zu zerfranst und zerrissen, mit einem gewissen Hang zur verrückten Performance. Das Gute daran ist allerdings, dass man als Hörer nie genau weiß, was in der nächsten Sekunde passieren wird – und diesen Mut zu risikoreichen Arrangements muss ich ATROX hoch anrechnen. Demzufolge kann ich Monocle eine gewisse Anziehungskraft nicht absprechen, obwohl ich mit modernisiertem Metal sonst wenig anfangen kann.