ATROCITY – Let War Rage

 
Label: Mad Lion Records
Release: 31.07.2009
Von: the.wangacopta
Punkte: 6.5/10
Time: 48:01
Stil: Death Metal
URL: Atrocity
 
Die Amis von ATROCITY hatte ich in den Anfangstagen des Death Metal nie so richtig im Visier, geschweige denn in den Gehörgängen. Wenn ich mich recht erinnere, wurde die deutsche Ausgabe schlichtweg vorgezogen, weil die 1. gut waren und 2. die damalige Mund- und Pressepropaganda den Amis nie wirklich eine Chance gab. Infected (der erste full-length Release 1990) habe ich also bis heute nicht gehört – und angesichts des Reunion Releases Let War Rage könnte ich nach damaligen Standard was verpasst haben.
Ich bin schlichtweg hin und hergerissen von dem was wir hier geboten bekommen. Zum einen sind die Songs in der Struktur, im Riffing, im ganzheitlichen Auftritt fast ausnahmslos simple gehalten. Zum anderen versprühen die Tracks u.a. durch die knarzende, basslastige Produktion einen ungehobelten Charme, der sich früher auf jedem Maxell Tape noch tonnenfach vervielfältig hätte. Ich unterstelle mal, dass die technischen Fertigkeiten nach 25 Jahren Bandhistory weit über dem liegen, was uns ATROCITY hier um die Ohren knallen. Denn so straight wie ATROCITY die Old School Schiene fahren, kümmern sie sich konsequenterweise auch einen Scheiß um exaktes Timing und einen blitzsauberen Auftritt. Das macht’s vom Grunde her nicht einfacher den Brocken Let War Rage einzusortieren. Die musikalische Direktive entscheidet also zuguterletzt die Platzierung im Nocturnal Hall Ranking. Righteous Pigs donnern im Opener Born In Pain, Unseen Terror wüten in The Purging Of Humanity, das Sore Throat Cover Horrendous Cut Throat System hat Gänsehautfaktor, aber die Old School Death Metal Basis mit Grind und Punk Ausschlägen rumpelt überwiegend zu monoton vor sich hin. Dann killt das wiederum schleppende Apocalypse mit einem Thrash Riff (ganz klar: auch Old School), aber die ein oder andere Double-Bass Attacke hätte ich mir dann doch gewünscht. Aber ich sagte es ja schon, ATROCITY kümmern sich einen Scheiß um die Denke im Jahr 2010.
Hätte Let War Rage schon Ende der 80 in den Regalen gestanden, ich hätte die Scheibe gekauft. Heutzutage ist mir die Scheibe allerdings zu durchwachsen. Alle anderen Old-School Death/Grind-Puristen sollten sich den Stoff auf jeden Fall mal reinziehen!