Jaja, ich
weiss, ich mach mich mal wieder unbeliebt, aber es hilft ja
alles nix: ATREYU aus Kalifornien werden zwar
gerne in die Metalcore-Ecke gesteckt, aber sie klingen trotzdem
wie härtere Papa Roach.
Dies liegt zum einen an den melodischen Vocals von Drummer Brandon
Saller, der einem Jacoby Shaddix zum Verwechseln ähnlich
klingt, zum anderen an den höchst melodischen, einprägsamen
Refrains, die sich von den harten, von Alex Varkatzas eingebrüllten
Strophen absetzen.
Das war es dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten mit den Megasellern,
denn ATREYU verzichten auf The
Curse auf massenkompatibles Hüpfgedöns
á la Last Resort oder Broken Home.
Bleeding Mascara, der Opener von The Curse
täuscht mit seiner Härte - die sonst nur noch beim
brachialeren My Sanity On The Funeral Pyre erreicht
wird - eigentlich über die wahre musikalische Ausrichtung
dieses Albums hinweg. Hier geht es nämlich wesentlich gemäßigter,
melodischer und vor allem rockiger zu. Right Side On The
Bed könnte - mit einem zwinkernden Auge - glatt als
Hommage an hannoveranische Stacheltiere durchgehen.
Erstes Highlight des Silberlings ist das vierminütige The
Crimson, ein Ohrwurm oberster Güteklasse, versehen
mit einem Refrain, der einen nicht mehr loslässt.
Das folgende The Remembrance Ballad zieht da wunderbar
nach, eine langsame, gefühlvolle Rocknummer, die ihren
Höhepunkt ebenfalls im bittersüßen Chorus findet.
Bei Demonology And Heartache schauen dann kurz Steve
Harris & co vorbei, wahrscheinlich blass vor Neid. Würden
Maiden so klingen wie in diesem Lied, würde ich die Band
sogar endlich mal gut finden.
Eigentlich komisch, dass die Band in Deutschland noch nicht
den Status wie in den US of A haben, denn dort sind ATREYU
mittlerweile ziemlich erfolgreich. Vielleicht liegt es am Namen,
bei dem man unweigerlich an diesen großen, weissen Teddyhundhasendrachen
denken muss, vielleicht ist The Curse
trotz aller Eingängigkeit aber einfach nicht radiotauglich
genug.