Ich
muss zugeben, dass ich vom Appetizer zum neuen ARCH
ENEMY-Album Rise Of The Tyrants
doch etwas enttäuscht bin. Nachdem die Band diesmal tatsächlich
mehr Zeit für das Songwriting hatte, die Amott-Brüder
wieder vereint waren und man wohl selber zu der Überzeugung
gekommen ist, dass das letzte Album nur in Teilen wirklich zu
überzeugen vermochte, hätte ich doch ein bisschen
mehr erwartet.
Revolution Begins startet mit zwei
Tracks, die auch auf dem neuen Album sein werden. Der Titeltrack
ist sehr melodiös, dafür aber beim Härtegrad
recht zurückhaltend ausgefallen. Zum Ende hin gibt es mittels
einiger Chöre noch mal eine Wende zum Hymnenhaften, jedoch
ohne dass man wirklich mitgerissen wird. Blood On Your Hands
ist wesentlich härter und vertrackter und lebt von der
sehr agilen Rhythmusarbeit und den verschachtelten Gitarren.
Hier ist auch der Refrain stärker ausgefallen, trotzdem
gibt es in meinen Augen deutlich bessere ARCH ENEMY-Tracks.
Danach gibt es mit Walk In The Shadows die E.P.-typische
Coverversion zu bewundern; diesmal von Queensryche. Was man
aber wirklich nur an den Credits bemerkt, denn die 2-3 kurzen
Stellen, an denen noch die ursprünglichen Melodien aufblitzen,
gehen im Rest der Neuarrangierung komplett unter. So kommt das
Stück als relativ straighter Midtempo-Banger daher; nicht
schlecht, aber es hätte sicherlich nicht geschadet, mehr
von der tollen Atmosphäre des Originals einzufangen.
Zum Schluss gibt es noch eine ziemlich fulminante und brutale
Live-Version von I Am Legend/Out For Blood, was hauptsächlich
an Angela Gossow liegt, die sich hier wirklich die Lungenflügel
nach außen stülpt.
Insgesamt also eine ganz nette Angelegenheit, aber trotzdem
keimt in mir die Sorge auf, dass das neue Album etwas zu verspielt
ausfallen und härtetechnisch leicht enttäuschen könnte.
Diese für ARCH ENEMY so charakteristische
(und gelungene) Gradwanderung zwischen Death Metal und Melodie,
Progressivität und Eingängigkeit scheint diesmal evtl.
nicht wie sonst aufgegangen zu sein. Technisch ist natürlich
wieder alles erste Sahne, vor allem die Gitarrenfront kann hier
nicht oft genug gelobt werden, während man es beim Sound
anscheinend wieder ein wenig rauer und natürlicher mag;
der beinah schon mechanische und leicht überproduzierte
Sound der letzten Jahre wurde deutlich zurückgefahren.
Wie auch immer: meine Erwartungshaltung ist erstmal ein wenig
gedämpft, aber natürlich besteht bei dem Potential
der Band im noch eine ziemlich hohe Wahrscheinlichkeit, dass
die neue CD sich doch noch als Knaller entpuppt. Warten wir's
ab, in Kürze sind wir schlauer…