ARBOR IRA nehmen sich Zeit für ihre Veröffentlichungen. Sie feilen mit Hingabe an ihrem Material, widersetzen sich Trends und Hypes... und bleiben so eigenwillig wie einzigartig.
Seit drei Jahren sind die Träume vergangen, folgt nun der Zerfall in drei Akten, und dem famosen Epilog in Form eines großartigen Covers von Karats Albatros, die zwar recht dicht am Original liegt (wenn man die Klassikversion zugrunde legt), nichtsdestotrotz aber einen ungemein magischen Reiz ausübt.
Stilistisch bleibt man sich treu, das Label Psycho Doom paßt noch immer perfekt. Nur klingen ARBOR IRA anno 2013 deutlich homogener, ausgefeilter, stringenter, nicht so bemüht dissonant und weniger experimentell. Der Wahnsinn agiert hier im Subtilen.
Die drei Eigenkompositionen sind von epischer Länge, ohne jedoch langatmig zu sein und offerieren ein ums andere Mal unerwartete Wendungen. Nein, langweilig wird es nie, vielleicht ein bißchen kitschig am Ende von When Dark Arises, beim (einzigen) Zwiegesang mit Cellistin Frau Zimmer. ARBOR IRA versprühen den Spirit der großen „Drei des Dooms“. In erster Linie verneigt man sich einmal mehr vor My Dying Bride, insbesondere beim Gesang. Was Herr bLUM da an emotionaler Bandbreite abliefert ist schon enorm, und das weitestgehend ohne schräge Töne. Er singt klar, er wispert, er kreischt, klagt, growlt und rockt - ein kontrastreicher und intensiver Wechselgesang. Allerdings bin ich mir nicht sicher, wer hier immer genau wann die Stimme erhebt, da auch Drummer Pille Gesang beisteuert. Man hört - natürlich - viel Aaron Stainthorpe heraus, gelegentlich auch Dani Filth oder Daniel Brennare (When Dark Arises).
Die Gitarren erinnern zuweilen an alte Paradise Lost, mit wundervoll melancholischen Melodiebögen und Solis, begleitet von unheilvollen Geigen- und Cello-Klängen. Ich mag den wuchtigen erdigen Sound und die hart angeschlagenen Bässe. Die Geige zupft beim Titeltrack Zerfall und bei #2132 (mein Lieblingsstück auf der EP) schon mal an den Nerven, was durchaus beabsichtigt ist, um dezent dissonante Kontrastpunkte zu setzen.
Zerfall ist eine großartige EP und das bis dato ausgereifteste Werk der Band. Das Warten hat sich gelohnt. Und Zerfall wächst noch, mit jedem erneuten Hören.