ARBOR IRA – …und krankt mein Selbst vor Leidenschaft

 
Label: Redtogrey
Release: 2006
Von: Joking
Punkte: 6/10
Time: 71:35
Stil: Doom Death Metal
URL: Arbor Ira
 
Psycho-Doom nennen ARBOR IRA ihre Musik, und das trifft den Kern der Sache eigentlich ganz gut. Denn Und Krankt Mein Selbst Vor Leidenschaft kann ganz schön an den Nerven zehren.
Da ist zum einen der Gesang (Herr Blum, Herr Stör – beide?): in den frühen, aggressiv kreischenden Sequenzen hört sich das noch leidlich an, aber sobald es dunkel und halbwegs sauber klingen soll, wird es äußerst wackelig, und die englische Intonation erinnert sehr an frühe Krautrock-Tage („quwosses“… and so on). Musikalisch ist der Beginn auch nicht das Gelbe vom Ei. Zu belanglos die musikalischen Figuren, zu schmalbrüstig der Klang. Mittleres Tempo, unterbrochen von gesprochenen Texteinspielungen und kurzen Intermezzos zur akustischen Gitarre. Die sind ganz nett, obwohl auch hier der Gesang keine Pluspunkte einheimsen kann. Textlich wird gerne die ganz große Schippe ausgepackt. Da werden die „Steine des Lebens bis auf den stinkenden Kern“ zermahlen, „Totendreck gefressen“ und aus der „Wüstenerde wächst eine trübe Erkenntnis des Seins“. Das klingt weihevoll, düster und gefährlich und ist doch nicht mehr, als das mitternächtliche Phantasieren eines schwer an seiner Pubertät leidenden Pennälers.
Im letzten Drittel werden die schleppenden Instrumentalpassagen länger und interessanter, immer dann, wenn die Band scheinbar gelassen, aber nicht gelangweilt vor sich hin spielt, all das Elend vergisst, dass die Seele drückt wie Deckels Last, ironisch Kinderliedchen zitiert, gewinnt das Album an Format, wird endlich ansatzweise jene Tiefe erreicht, die der hohle Gestus vorher verspricht – und verfehlt. Besonders die Richtung, die das 14minütige Why We Do Not Fly 2006 vorgibt, ist ausbaufähig.
Ein rein instrumentales Opus, irgendwo zwischen schwerblütigem Doom und staubtrockenem, ausuferndem Post-Rock könnte das Feld sein, auf dem man ARBOR IRA gerne beim Beackern zuschauen und vor allem –hören möchte. Im Moment krankt mein Selbst noch nicht genug, um wirklich Gefallen an dem kompletten Longplayer mit seinen herben Aussetzern zu finden.

PS.: Richtig heißt es natürlich: „crosses“.