Psycho-Doom
nennen ARBOR IRA ihre Musik, und das trifft den Kern
der Sache eigentlich ganz gut. Denn Und Krankt Mein Selbst
Vor Leidenschaft kann ganz schön an den Nerven
zehren.
Da ist zum einen der Gesang (Herr Blum, Herr Stör –
beide?): in den frühen, aggressiv kreischenden Sequenzen
hört sich das noch leidlich an, aber sobald es dunkel und
halbwegs sauber klingen soll, wird es äußerst wackelig,
und die englische Intonation erinnert sehr an frühe Krautrock-Tage
(„quwosses“… and so on). Musikalisch ist der
Beginn auch nicht das Gelbe vom Ei. Zu belanglos die musikalischen
Figuren, zu schmalbrüstig der Klang. Mittleres Tempo, unterbrochen
von gesprochenen Texteinspielungen und kurzen Intermezzos zur
akustischen Gitarre. Die sind ganz nett, obwohl auch hier der
Gesang keine Pluspunkte einheimsen kann. Textlich wird gerne
die ganz große Schippe ausgepackt. Da werden die „Steine
des Lebens bis auf den stinkenden Kern“ zermahlen, „Totendreck
gefressen“ und aus der „Wüstenerde wächst
eine trübe Erkenntnis des Seins“. Das klingt weihevoll,
düster und gefährlich und ist doch nicht mehr, als
das mitternächtliche Phantasieren eines schwer an seiner
Pubertät leidenden Pennälers.
Im letzten Drittel werden die schleppenden Instrumentalpassagen
länger und interessanter, immer dann, wenn die Band scheinbar
gelassen, aber nicht gelangweilt vor sich hin spielt, all das
Elend vergisst, dass die Seele drückt wie Deckels Last,
ironisch Kinderliedchen zitiert, gewinnt das Album an Format,
wird endlich ansatzweise jene Tiefe erreicht, die der hohle
Gestus vorher verspricht – und verfehlt. Besonders die
Richtung, die das 14minütige Why We Do Not Fly 2006
vorgibt, ist ausbaufähig.
Ein rein instrumentales Opus, irgendwo zwischen schwerblütigem
Doom und staubtrockenem, ausuferndem Post-Rock könnte das
Feld sein, auf dem man ARBOR IRA gerne beim Beackern
zuschauen und vor allem –hören möchte. Im Moment
krankt mein Selbst noch nicht genug, um wirklich Gefallen an
dem kompletten Longplayer mit seinen herben Aussetzern zu finden.
PS.: Richtig heißt
es natürlich: „crosses“.
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