Die
finnischen Teufelscellisten haben sich im Verlauf der Jahre
zu einer reifen und ausgereiften Gruppe entwickelt. Einst als
Exoten belächelt, ist es heutzutage eine Ehre für
Sänger wie Corey Taylor oder Till Lindemann, mit den streichfähigen
Ausnahmekönnern zu kooperieren. Doch genau in diesem Punkt
liegt meiner Meinung nach die Gefahr: der auf diesem Album überstrapazierte
Einsatz von Gastmusikern. Dadurch könnte der Kern der Sache,
das Cellospiel an sich, in den Hintergrund gedrängt und
zugunsten von Single-Hits als Aushängeschild geopfert werden.
I’m Not Jesus (auch auf der vorab erschienenen
Maxi zusammen mit 3 anderen Songs & dem Video ebendieses
Liedes vertreten) klingt zu sehr auf Hitparade getrimmt. Viel
besser gefallen mir die rein akustischen Stücke wie das
traurige, nahezu herzzerreißende Burn, das vor
Kraft strotzende und Virtuosität schier explodierende Last
Hope oder das ruhig beginnende und dann schnell lossägende
Worlds Collide, das durch seine Dynamik besticht. Der
Wechsel von einfühlsamen Melodiebögen und mitreißender
Intensität gelingt perfekt. Eine gezupfte Einlage lockert
und wertet diese Komposition zusätzlich auf. Bei Grace
greifen die Herren auf härtere Strukturen zurück,
lassen den Melodiefluss aber dennoch nicht leiden. Das erwähnte
I’m Not Jesus hat kommerzielles Potential, ebenso
wie Helden, welches eine eingedeutschte Version des
David Bowie Klassikers darstellt und bei dem Till Lindemann
gesanglich nicht vollauf überzeugen kann. Mich berührt
einzig Christina Scabbia (Lacuna Coil) bei ihrem Gastvortrag
S.O.S. (Anything But Love), das einen wunderschönen
Refrain besitzt.
Ich bevorzuge allerdings die rein vom Cello dominierten Stücke,
das sind einfach APOCALYPTICA pur! Wer braucht
schon Gesang, wenn Weltklasse-Cellisten die Trommelfelle zum
Glühen bringen und das Gemüt berühren können?
Eben – also bitte weniger Stimmen und mehr ursprüngliches
Gefühl!