ASCENSION OF THE WATCHERS – Numinosum

 
Label: 13th Planet Records
Release: 22.02.2008
Von: Joking
Punkte: 8.5/10 (S.O.S 10/10)
Time: 72:21
Stil: Dark Ambient Soundscapes Rock
URL: Ascension Of The Watchers
 
Wer auf dem Cover der neuen ASCENSION OF THE WATCHERS CD den Namen Burton C. Bell liest, und denkt, es gäbe heftigen Metal á la Bells Zweit- bzw. Erstband, Fear Factory, dem dürfte alsbald die Kinnlade runter klappen. Mit Metal hat Numinosum nichts zu tun, mit Schwere schon. Vor allem aber mit Fear und Factory...
Was mit dem ruhigen, dunklen und ambienten Einstieg Ascendant sofort offensichtlich wird. Erinnerte Shamrains letzter Output bereits stark an den Soundtrack des Computerspiels und Films „Silent Hill“, so gibt Ascendant perfekt die Stimmung wieder, die in dieser Geisterstadt am Rande eines industriellen Zusammenbruchs herrscht. Breite Keyboardflächen, der Sänger eher als Erzähler auftretend, der langsam fließende Rhythmus, gepaart mit Bells sonorer Stimme ergeben den perfekten Reisebegleiter in einen wohligen Alptraum. Im Folgenden nehmen die perkussiven Elemente zu, auch die ein oder andere Gitarre schaltet sich – meist dezent im Hintergrund – ein, und Bell geht von der Erzähl- zur Singstimme über. Doch die Stimmung bleibt. Noir als Sehnsucht betrachtet. Repetitive Elemente, Liedzeilen wie Beschwörungen vorgetragen, Wolfsgeheul, Mantras und Geschichten von der dunklen Seite des Mondes. Musikalischer Wohlklang von seiner herzzerreißenden Seite, von Ferne grüßen die Cocteau Twins (allerdings erdiger), Dead Can Dance ohne orientalische Einflüsse und vor allem die unvergessene 4AD All-Star-Band This Mortal Coil.
Höhepunkt des Albums ist eine Coverversion des Simon & Garfunkel Klassikers Sounds Of Silence. Nicht, dass andere Songs des Albums musikalisch weit dahinter bleiben – besonders Canon For My Beloved und Mars Becoming sind kleine Meisterwerke, die die eine oder andere Träne im Knopfloch hinterlassen. Aber Sounds Of Silence kommt derart unerwartet und mehr als passabel bearbeitet daher, dass ein kleiner Kniefall nicht ausbleiben kann. Denn nichts ist schwerer, als einem dieser Gassenhauer, die jedes Lagerfeuer sangesfreudiger Pfadfinder bereichern, eine neue oder zumindest andere Nuance zu entlocken. ASCENSION OF THE WATCHERS gelingt dies auf überzeugende Weise.
What I don’t like in my Wardrobe: Numinosum ist über 70 Minuten lang. Theoretisch. Denn, wenn der letzte Track Quintessence mit sechzehneinhalb Minuten zu Buche schlägt, schwant einem erfahrenen Hörer Übles. Und richtig, fünf Minuten des Stückes bestehen aus den knackenden Klicks einer auslaufenden LP. Das schunkelnde Stammtisch-Ensemble, welches die letzte Minute einläutet ist ebenfalls nicht essentiell. Schnell abhaken, denn dem steht mehr als eine Stunde verdammt guter Musik gegenüber. Killing Me Softly…