Wer
auf dem Cover der neuen ASCENSION OF THE WATCHERS CD
den Namen Burton C. Bell liest, und denkt, es gäbe heftigen
Metal á la Bells Zweit- bzw. Erstband, Fear Factory,
dem dürfte alsbald die Kinnlade runter klappen. Mit Metal
hat Numinosum nichts zu tun, mit Schwere schon.
Vor allem aber mit Fear und Factory...
Was mit dem ruhigen, dunklen und ambienten Einstieg Ascendant
sofort offensichtlich wird. Erinnerte Shamrains letzter Output
bereits stark an den Soundtrack des Computerspiels und Films
„Silent Hill“, so gibt Ascendant perfekt
die Stimmung wieder, die in dieser Geisterstadt am Rande eines
industriellen Zusammenbruchs herrscht. Breite Keyboardflächen,
der Sänger eher als Erzähler auftretend, der langsam
fließende Rhythmus, gepaart mit Bells sonorer Stimme ergeben
den perfekten Reisebegleiter in einen wohligen Alptraum. Im
Folgenden nehmen die perkussiven Elemente zu, auch die ein oder
andere Gitarre schaltet sich – meist dezent im Hintergrund
– ein, und Bell geht von der Erzähl- zur Singstimme
über. Doch die Stimmung bleibt. Noir als Sehnsucht betrachtet.
Repetitive Elemente, Liedzeilen wie Beschwörungen vorgetragen,
Wolfsgeheul, Mantras und Geschichten von der dunklen Seite des
Mondes. Musikalischer Wohlklang von seiner herzzerreißenden
Seite, von Ferne grüßen die Cocteau Twins (allerdings
erdiger), Dead Can Dance ohne orientalische Einflüsse und
vor allem die unvergessene 4AD All-Star-Band This Mortal Coil.
Höhepunkt des Albums ist eine Coverversion des Simon &
Garfunkel Klassikers Sounds Of Silence. Nicht, dass andere
Songs des Albums musikalisch weit dahinter bleiben – besonders
Canon For My Beloved und Mars Becoming sind kleine
Meisterwerke, die die eine oder andere Träne im Knopfloch
hinterlassen. Aber Sounds Of Silence kommt derart unerwartet
und mehr als passabel bearbeitet daher, dass ein kleiner Kniefall
nicht ausbleiben kann. Denn nichts ist schwerer, als einem dieser
Gassenhauer, die jedes Lagerfeuer sangesfreudiger Pfadfinder
bereichern, eine neue oder zumindest andere Nuance zu entlocken.
ASCENSION OF THE WATCHERS gelingt dies auf überzeugende
Weise.
What I don’t like in my Wardrobe: Numinosum
ist über 70 Minuten lang. Theoretisch. Denn, wenn der letzte
Track Quintessence mit sechzehneinhalb Minuten zu Buche
schlägt, schwant einem erfahrenen Hörer Übles.
Und richtig, fünf Minuten des Stückes bestehen aus
den knackenden Klicks einer auslaufenden LP. Das schunkelnde
Stammtisch-Ensemble, welches die letzte Minute einläutet
ist ebenfalls nicht essentiell. Schnell abhaken, denn dem steht
mehr als eine Stunde verdammt guter Musik gegenüber. Killing
Me Softly…