ANNIHILATOR – Schizo Deluxe

 
Label: AFM
Release: 14.11.2005
Von: Stormlord
Punkte: 8/10
Time: 49:51
Stil: Thrash Metal
URL: Annihilator
 

Wie würden sich die beständigen Kanadier rund um den Gitarrenwahnsinnigen Jeff Waters auf ihrem 11.Studioalbum in 16 Jahren wohl schlagen? Schon mit dem Opener Maximum Satan gelingt ein riffbetonter und grooviger Einstieg, der mit Akustikgitarreneinlagen glänzt und sich den Weg durch die Gehörgänge mit stampfenden Rhythmen und durchdringender Lyrik frei schlägt. Schade nur, dass auf der vorliegenden Promo-CD nicht die ganze Klasse des Songs genossen werden kann, da sich Mr. Waters hier wie auch in jedem anderen Track mit freundlichen Worten dafür bedankt, seinem neuen Werk Gehör zu schenken. Auch mit dem zweiten Song Drive geht es dem Titel entsprechend flott zur Sache. "I'm alright, I'm okay" schreit Sänger David trotzig allen entgegen, die noch keine oder nicht gebührend Notiz von ANNIHILATOR genommen haben. Und wahrlich wird ANNIHILATOR wohl niemand aufhalten können, wie auch der Meister im beiliegenden Infoblatt behauptet. Jeffs Stil ist auch auf Schizo Deluxe unverkennbar, riffbetont und mit schönen Leads versehen. Nur die Gesangsleistung kann mich nicht immer 100%-ig überzeugen, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Das Eröffnungsriff von Warbird ist live sicherlich gut für den einen oder anderen Kopfschüttler geeignet und so blitzen im weiteren Verlauf viele gelungene Riffs am Thrash-Horizont auf, technische Kabinettstückchen sind auf jeden Fall zuhauf auf diesem Silberdeckel zu finden. Das an siebenter Stelle stehende Pride überrascht durch punkige Attitüde und wirre Gitarrenläufe, Something Witchy wiederum atmet modernere Luft. Auch die Bassläufe sind durchgehend auf virtuosem Niveau. Too Far Gone fesselt mich mit netter Melodie-Riffgeschrubbe-Abwechslung.
Trotzdem ist diese CD nicht die beste im Repertoire der kontinuierlichen Band, ob das nun am Sänger liegt oder ob einfach zu viele nostalgische Gefühle an Alice In Hell oder Never, Neverland hängen? Ich weiß es nicht, doch eine Handvoll wirklich herausragender Titel (z.B. Maximum Satan, Warbird, Clare und das abschließende Something Witchy) und die ausgezeichnete Gitarrenarbeit auf Schizo Deluxe sind zu wenig, um die Intensität und Frische der Frühwerke zu erreichen; die spielerische Leistung ist wie gewohnt bemerkenswert, doch diese CD packt mich nicht und rüttelt nicht an meinem Herz, dass ich am liebsten laut jubelnd die Wände hochgehen würde…. Ja klar, die Flitzefinger sind schnell wie eh und je, das Maschinengewehrdrumming sorgt für erhöhte Herzfrequenz, doch der ganz große Wurf ist ANNIHILATOR mit diesem Album nicht gelungen. Der etwas zwiespältige Eindruck bleibt bis zum Schluss und so kann ich nicht (durchgehend) in Begeisterungsstürme ausbrechen, mich beeindruckt aber immer noch die Beständigkeit und Linientreue der Band. Vielleicht brauchen die Stücke noch ein paar Durchläufe, um ihre wahre Klasse zu offenbaren? So blieb es vorerst von meiner Seite bei positiver, aber nicht enthusiastischer Resonanz: „ein gutes, aber nicht herausragendes Album. Was ihr auf alle Fälle erwarten könnt (Zitat Jeff Waters): ein Energie geladenes Album, das von Null auf Hundert geht und jedermanns Herzschlag wie durch einen Schuss Adrenalin erhöht. 100 % PURE METAL!“
Nach dem fünften, sechsten Durchlauf zünden die wirklich explosiven Songs erst richtig und es kristallisieren sich weitere Perlen wie Plasma Zombies oder Invite It heraus. Auch das etwas verschleppte Like Father, Like Gun muss eine Eingewöhnungsphase überstehen, doch vor allem das variierende Tempo steht dem Track sehr gut zu Gesicht. Schlussendlich bin ich doch wieder mal ganz angetan vom kanadischen Urgestein!