Wie würden
sich die beständigen Kanadier rund um den Gitarrenwahnsinnigen
Jeff Waters auf ihrem 11.Studioalbum in 16 Jahren wohl schlagen?
Schon mit dem Opener Maximum Satan gelingt ein riffbetonter
und grooviger Einstieg, der mit Akustikgitarreneinlagen glänzt
und sich den Weg durch die Gehörgänge mit stampfenden
Rhythmen und durchdringender Lyrik frei schlägt. Schade
nur, dass auf der vorliegenden Promo-CD nicht die ganze Klasse
des Songs genossen werden kann, da sich Mr. Waters hier wie
auch in jedem anderen Track mit freundlichen Worten dafür
bedankt, seinem neuen Werk Gehör zu schenken. Auch mit
dem zweiten Song Drive geht es dem Titel entsprechend
flott zur Sache. "I'm alright, I'm okay" schreit Sänger
David trotzig allen entgegen, die noch keine oder nicht gebührend
Notiz von ANNIHILATOR genommen haben. Und wahrlich
wird ANNIHILATOR wohl niemand aufhalten können,
wie auch der Meister im beiliegenden Infoblatt behauptet. Jeffs
Stil ist auch auf Schizo Deluxe unverkennbar,
riffbetont und mit schönen Leads versehen. Nur die Gesangsleistung
kann mich nicht immer 100%-ig überzeugen, aber das ist
sicherlich Geschmackssache. Das Eröffnungsriff von Warbird
ist live sicherlich gut für den einen oder anderen Kopfschüttler
geeignet und so blitzen im weiteren Verlauf viele gelungene
Riffs am Thrash-Horizont auf, technische Kabinettstückchen
sind auf jeden Fall zuhauf auf diesem Silberdeckel zu finden.
Das an siebenter Stelle stehende Pride überrascht
durch punkige Attitüde und wirre Gitarrenläufe, Something
Witchy wiederum atmet modernere Luft. Auch die Bassläufe
sind durchgehend auf virtuosem Niveau. Too Far Gone
fesselt mich mit netter Melodie-Riffgeschrubbe-Abwechslung.
Trotzdem ist diese CD nicht die beste im Repertoire der kontinuierlichen
Band, ob das nun am Sänger liegt oder ob einfach zu viele
nostalgische Gefühle an Alice In Hell
oder Never, Neverland hängen?
Ich weiß es nicht, doch eine Handvoll wirklich herausragender
Titel (z.B. Maximum Satan, Warbird, Clare
und das abschließende Something Witchy) und die
ausgezeichnete Gitarrenarbeit auf Schizo Deluxe
sind zu wenig, um die Intensität und Frische der Frühwerke
zu erreichen; die spielerische Leistung ist wie gewohnt bemerkenswert,
doch diese CD packt mich nicht und rüttelt nicht an meinem
Herz, dass ich am liebsten laut jubelnd die Wände hochgehen
würde…. Ja klar, die Flitzefinger sind schnell wie
eh und je, das Maschinengewehrdrumming sorgt für erhöhte
Herzfrequenz, doch der ganz große Wurf ist ANNIHILATOR
mit diesem Album nicht gelungen. Der etwas zwiespältige
Eindruck bleibt bis zum Schluss und so kann ich nicht (durchgehend)
in Begeisterungsstürme ausbrechen, mich beeindruckt aber
immer noch die Beständigkeit und Linientreue der Band.
Vielleicht brauchen die Stücke noch ein paar Durchläufe,
um ihre wahre Klasse zu offenbaren? So blieb es vorerst von
meiner Seite bei positiver, aber nicht enthusiastischer Resonanz:
„ein gutes, aber nicht herausragendes Album. Was ihr auf
alle Fälle erwarten könnt (Zitat Jeff Waters): ein
Energie geladenes Album, das von Null auf Hundert geht und jedermanns
Herzschlag wie durch einen Schuss Adrenalin erhöht. 100
% PURE METAL!“
Nach dem fünften, sechsten Durchlauf zünden die wirklich
explosiven Songs erst richtig und es kristallisieren sich weitere
Perlen wie Plasma Zombies oder Invite It heraus.
Auch das etwas verschleppte Like Father, Like Gun muss
eine Eingewöhnungsphase überstehen, doch vor allem
das variierende Tempo steht dem Track sehr gut zu Gesicht. Schlussendlich
bin ich doch wieder mal ganz angetan vom kanadischen Urgestein!