ANIMA NAIVE – Promo 2005

 
Label: Demo
Release: 2005
Von: Psycho
Punkte: -/-
Time: 35:29
Stil: Death/Gothic Rock/Metal
URL: Anima Naive
 
Die italienische Formation ANIMA NAIVE macht es einem wirklich nicht leicht. Das fängt schon damit an, dass man uns um eine Review bittet (sehr nett und natürlich lobenswert), dann aber nur Infomaterial in Italienisch anzubieten hat. Ganz ehrlich: damit konnte ich überhaupt nichts anfangen…
Wenigstens auf der Homepage finden sich dann aber auch Angaben in Englisch, denen ich entnehmen konnte, dass man derzeit zu fünft, der hier zu hörende Sänger aber nicht mehr in der Band ist.

Musikalisch fängt das Demo mit Black Crows zunächst wie eine Mischung aus Gothic und Neofolk an, um dann urplötzlich in sehr harten Gothic Metal umzuschwenken, bevor wieder etwas ruhigere Töne das Stück ausklingen lassen. Unterlegt ist die Musik dabei mit einem durchaus dichten elektronischen Klangteppich, der allerdings etwas zu leise abgemischt wurde. In dieser Hinsicht ist der Song trotzdem ganz ok, aber bereits hier habe ich Probleme mit dem Gesang, besonders wenn er Extreme auszuloten versucht. Diese bewegen sich zwischen krassen, an moderner Klassik orientierten Einlagen und weinerlichem Gewimmer, wie man es in den 80ern häufig von irgendwelchen Gothic Rock-Combos geboten bekam. Und ehrlich gesagt, konnte ich mit beiden Varianten noch nie etwas anfangen…
Der zweite Track Niobe ist dann mit Sicherheit das zugänglichste Stück der CD, hier wird nur ziemlich straighter Gothic Metal inkl. Keyboards und normaler weiblicher Vokals geboten. Nicht spektakulär, aber kann man sich gut anhören. Das folgende Kiss Of Death ist dagegen schon wieder deutlich extremer ausgefallen; einmal durch einen musikalisch breiteren Rahmen (inkl. einiger recht abgedrehter Passagen), andererseits auch wieder beim Gesang. Denn hier versuchen sich anscheinend alle Beteiligten an klassischen Stilistiken, was aber in meinen Augen einfach nicht gelingen will. Vielleicht handelt es sich ja weniger um eine reguläre Band, sondern eher um eine Art Musiktheater-Truppe; da würde das eher passen…

Wer allerdings gedacht hat, dass damit die Grenzen der ANIMA NAIVEschen Schaffenskraft erreicht sind, sieht sich beim fast achtzehnminütigem Abschlusstrack Not Angels (allerdings inkl. einer kleineren Schaffenspause in der Mitte) schnell eines besseren belehrt. Musikalisch werden in munterer, uninspirierter Reihenfolge die bisher genannten Stile plus einer Kelle Black Metal verbraten, und gesanglich gibt es nun ebenfalls kein Halten mehr, wodurch eine ganze Menge Passagen des Stückes wirklich unkonsumierbar werden. Dabei sind die beteiligten SängerInnen an sich gar nicht mal schlecht, aber das Interpretieren stimmlicher Grenzfälle kann ganz einfach nicht jedermanns Sache sein.
Eine zwiespältige Sache also, die es da zu beurteilen gilt. Wer keine Angst vor Sangesexperimenten hat und gerne melodische Musik mit starken Bezügen zum Gothic (Metal) hört, könnte evtl. schwach werden. Alle anderen sollten darauf warten, bis die Band sich sangestechnisch ausgetobt hat und insgesamt mehr songdienlich zu Werke geht. Denn dass hier durchaus Potential vorhanden ist, lässt sich auch nicht abstreiten.