Die
italienische Formation ANIMA NAIVE macht es
einem wirklich nicht leicht. Das fängt schon damit an,
dass man uns um eine Review bittet (sehr nett und natürlich
lobenswert), dann aber nur Infomaterial in Italienisch anzubieten
hat. Ganz ehrlich: damit konnte ich überhaupt nichts anfangen…
Wenigstens auf der Homepage finden sich dann aber auch Angaben
in Englisch, denen ich entnehmen konnte, dass man derzeit zu
fünft, der hier zu hörende Sänger aber nicht
mehr in der Band ist.
Musikalisch fängt
das Demo mit Black Crows zunächst wie eine Mischung
aus Gothic und Neofolk an, um dann urplötzlich in sehr
harten Gothic Metal umzuschwenken, bevor wieder etwas ruhigere
Töne das Stück ausklingen lassen. Unterlegt ist
die Musik dabei mit einem durchaus dichten elektronischen
Klangteppich, der allerdings etwas zu leise abgemischt wurde.
In dieser Hinsicht ist der Song trotzdem ganz ok, aber bereits
hier habe ich Probleme mit dem Gesang, besonders wenn er Extreme
auszuloten versucht. Diese bewegen sich zwischen krassen,
an moderner Klassik orientierten Einlagen und weinerlichem
Gewimmer, wie man es in den 80ern häufig von irgendwelchen
Gothic Rock-Combos geboten bekam. Und ehrlich gesagt, konnte
ich mit beiden Varianten noch nie etwas anfangen…
Der zweite Track Niobe ist dann mit Sicherheit das
zugänglichste Stück der CD, hier wird nur ziemlich
straighter Gothic Metal inkl. Keyboards und normaler weiblicher
Vokals geboten. Nicht spektakulär, aber kann man sich
gut anhören. Das folgende Kiss Of Death ist
dagegen schon wieder deutlich extremer ausgefallen; einmal
durch einen musikalisch breiteren Rahmen (inkl. einiger recht
abgedrehter Passagen), andererseits auch wieder beim Gesang.
Denn hier versuchen sich anscheinend alle Beteiligten an klassischen
Stilistiken, was aber in meinen Augen einfach nicht gelingen
will. Vielleicht handelt es sich ja weniger um eine reguläre
Band, sondern eher um eine Art Musiktheater-Truppe; da würde
das eher passen…
Wer allerdings
gedacht hat, dass damit die Grenzen der ANIMA NAIVEschen
Schaffenskraft erreicht sind, sieht sich beim fast achtzehnminütigem
Abschlusstrack Not Angels (allerdings inkl. einer
kleineren Schaffenspause in der Mitte) schnell eines besseren
belehrt. Musikalisch werden in munterer, uninspirierter Reihenfolge
die bisher genannten Stile plus einer Kelle Black Metal verbraten,
und gesanglich gibt es nun ebenfalls kein Halten mehr, wodurch
eine ganze Menge Passagen des Stückes wirklich unkonsumierbar
werden. Dabei sind die beteiligten SängerInnen an sich
gar nicht mal schlecht, aber das Interpretieren stimmlicher
Grenzfälle kann ganz einfach nicht jedermanns Sache sein.
Eine zwiespältige Sache also, die es da zu beurteilen
gilt. Wer keine Angst vor Sangesexperimenten hat und gerne
melodische Musik mit starken Bezügen zum Gothic (Metal)
hört, könnte evtl. schwach werden. Alle anderen
sollten darauf warten, bis die Band sich sangestechnisch ausgetobt
hat und insgesamt mehr songdienlich zu Werke geht. Denn dass
hier durchaus Potential vorhanden ist, lässt sich auch
nicht abstreiten.
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