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Nach
langer Zeit widme ich mich nun endlich wieder einmal dem Schreiben
einer CD-Kritik. Der Anlaß hiezu ist eine Promo-Auskoppelung
aus der neuen CD der vielleicht nicht jedermann bekannten Band
ANGIZIA aus Österreich. Soweit ich weiß,
handelt es sich bei 39 Jahre für den Leierkastenmann,
dies ist der Titel des neuen Outputs, um das 4. reguläre
Album der Band, 2 der 3 Vorgängerwerke habe ich in meiner
Sammlung, also denke ich, daß ich doch ein wenig über
die Entwicklung und die musikalischen Belange der Band zu berichten
mag.
Zuerst vielleicht
einige Worte, um die Band einzuordnen oder besser gesagt um selbiges
zu verhindern - ANGIZIA ist eine Band die sich
nicht limitieren lässt, sich nicht limitieren lassen will.
Schon auf dem Erstlingswerk Die Kemnaten scharlachroter
Lichter war zu erkennen, daß es sich bei ANGIZIA
um eine Formation handelt, die nicht mit tausend mal gehörtem
Geld machen will, sondern versucht, sich selbst zu finden, einen
musikalisch eigenständigen Stil zu kreieren. Und diesen scheinen
sie nun auf 39 Jahre für den Leierkastenmann
gefunden und perfektioniert zu haben. Hatte mich schon der Vorgänger
Das Schachbrett des Trommelbuben Zacharias
vollends überzeugt, stößt nun die neue Kreation
aus dem Hause ANGIZIA Türen zu musikalischen
Klangwelten auf, die dem Hörer bislang praktisch gänzlich
verborgen blieben. Nun gut, die Idee Instrumente wie Geigen in
metallische Songs zu packen ist natürlich nicht neu, allerdings
muß man darauf achten, wie dieses Instrument eingesetzt
wird. Es gibt doch zahllose Bands in denen etwa die Geige nur
eine Krücke ist, eine Krücke für etwas was dann
angeblich avantgardistisch und neuartig ist. MITNICHTEN! Ich habe
wirklich die Nase voll von Bands, die mit belanglosem Gefiedel
und 3-Tasten-Klaviergeklimpere meine Ohren quälen. Von all
dem heben sich Angizia meilenweit ab. Das Klanggewand, in das
sich die Herren (und Dame) hüllen, ist von tiefstem schwarz
und doch voller leuchtender Farben. Es ist gewebt mit großer
handwerklicher Qualität und kann getrost als avantgardistisch
bezeichnet werden.
Nun will ich etwas genauer auf die Klangwelten von ANGIZIA
eingehen, indem ich die Instrumente, die in dem Stück, daß
in 3 Akte unterteilt ist, auftauchen, aufzähle und ihre Funktion,
wie ich sie sehe, erläutere:
Das Klavier
- praktisch das Kernstück der Songs, um das Klavier herum
reihen sich die anderen Instrumente - es ist wie eine Basis, ein
Fundament, doch teilweise drängt es auch in den Vordergrund,
wird zur Fassade.
Die Geige - fegt wie ein vom Wind getriebenes Feuer durch die
Stücke - mal nur friedlich lodernd, doch jäh wieder
aufzüngelnd und emporsteigend, um seine unbändige Kraft
zu demonstrieren. Die Geige wird wahrhaft virtuos gespielt von
Roland Bentz, Mitglied des "K&K String Quartett".
Sein geniales Spiel hebt den musikalischen Wert der Stücke
um so mehr.
Die Gitarre - reiht sich, eher mit rhythmischen Aufgaben beschäftigt,
hinter die zuvor genannten Instrumente, ist jedoch immer präsent
und rockt teilweise sogar gehörig.
Der Baß - dient traditionell als Rhythmusinstrument.
Das Schlagzeug - Hier kommt diesmal ein Drummer aus dem Jazz-Umfeld
zum Einsatz, was meines Erachtens nach auch richtig ist, da er
durch das dynamische Spiel die entstehenden Klangbögen fördert,
ausbaut, was besser ist als ein typischer Metal-Schlagwerker,
der alles in Grund und Boden knüppelt (ja, normal stehe ich
ja auf dergleichen, aber hiezu passt es halt absolut nicht).
Der Gesang - während sich die weibliche Stimme noch am ehesten
mit "klassischem Gesang" beschreiben lässt, was
jedoch auch nicht hundertprozentig zutrifft, wird die männliche
sehr unterschiedlich eingesetzt - von "normalem" Gesang,
über schräge Gesangslagen, bis hin zu teilweisem Sprechgesang
sind viele Facetten zu entdecken.
Weiters tauchen noch diverse andere Instrumente wie etwa, Klarinette,
Tuba und Akkordeon auf, die aber teilweise erst auf dem vollen
Album zu hören sein werden. Die Klarinette war phasenweise
schon auf der Promo zu hören und sie stellt einfach eine
weitere musikalische Bereicherung für das Gesamtwerk dar.
Abschließend
ist noch anzumerken, daß es sich nicht nur um ein musikalisch
interessantes Werk handelt, auch lyrisch darf man sich auf eine
ausgefallene Geschichte, natürlich wieder mit Russland-Bezug,
freuen.
Ich denke
das war nun ein eher unübliches Review, hingegen sind ANGIZIA
aber auch keine alltägliche Band, was das ganze, denke ich,
wiederum rechtfertigt. Nun will ich jedenfalls zur Endabrechnung
kommen - die Produktion könnte zwar eine Spur besser sein
(das schreibe ich eigentlich immer...), ist aber durchwegs gut
und man muß auch darauf verweisen, daß ANGIZIA
zur Zeit der Aufnahme ohne Label waren (ob sie jetzt schon einen
Deal haben entzieht sich meiner Kenntnis) und dadurch das Budget
sicherlich sehr beschränkt war. Alles in allem kann ich,
auch wenn ich nur 6 Stücke eines Gesamtkunstwerkes gehört
habe, sagen, daß es sich um eine große musikalische
Leistung handelt, die ich in der Endabrechnung mit einer fetten
10 honoriere.
Angizia
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