ANATHEMA – Distant Satellites

 
Label: KScope
Release: 04.06.2014
Von: Dajana
Punkte: 8.5/10
Time: 56:40
Stil: Rock
URL: Anathema
 

Die Britischen Klangmagier ANATHEMA kehren nach nur zwei Jahren mit Distant Satellites zurück und eröffnen dem Hörer ein neues musikalisches Universum, welches den Vorgänger zur Übung verblassen läßt. Die überbordende Gefühlsduselei von Weather Systems wurde auf ein „weniger ist mehr“ reduziert, macht Distant Satellites aber keineswegs weniger emotional, ganz im Gegenteil.
Distant Satellites ist noch vielschichtiger und facettenreicher, aber die Songs wesentlich stringenter, ohne sich in epischen Weiten zu verlieren. Eine Weiterentwicklung in kleinen Schritten aber mit enormen Auswirkungen, was das Klangerlebnis angeht. Die Orchestrierung ist tatsächlich noch opulenter und symphonischer aber darauf ausgerichtet, der Atmosphäre zum Vorteil zu gereichen, anstatt sie zu dominieren. Die Produktion ist druckvoller und ausgewogener, die Gitarren wuchtiger, wenn sie denn dürfen. Und auch der Wechselgesang von Lee Douglas und Vincent Cavanagh hat auf Distant Satellites sein Optimum gefunden, wobei Lee sich generell zu einer Wahnsinns-Sängerin entwickelt hat und auch ohne Vincent brilliert.  
Das Album beginnt mit Part 1 der The Lost Song Trilogie, welcher in seinen ersten Momenten an Dead Can Dance erinnert, bevor Melodien und Gesang sich auftürmen, um sich dann in einem emotionalen Finale aus Gitarren und Piano zu entladen. Zugegeben, eine Rezeptur die sich bei vielen Songs wiederholt, wie bei der Fortführung in Part 2 - ein erstes, Gänsehaut verursachendes Highlight, oder bei Ariel, das - weitgehend Piano-getragen - wohl der emotional ergreifendste auf dem Album ist und mit einem tollen Gitarrensolo von Danny Cavanagh endet. Bereits zur Hymne erhoben wurde Anathema, welches am Ende mit seinen wuchtigen Gitarren definitiv Stadion-tauglich ist.
In der zweiten Hälfte des Albums lassen ANATHEMA der experimentellen/elektronischen Note mehr Raum, sei es beim hektischen You're Not Alone oder beim Titeltrack, bevor Distant Satellites mit dem ätherisch schönen Sigur Rós-angehauchten Take Shelter schließt.
Distant Satellites ist noch immer nicht das eine Album und wird der Band auch nicht den längst verdienten kommerziellen Erfolg bescheren. Aber ANATHEMA finden zurück zu der Großartigkeit vergangener Werke wie Judgement und stehen mehr denn je kurz vor dem endgültigen Durchbruch.