Wahnsinn
- der helle Wahnsinn, sowohl im wörtlichen wie auch im
musikalischen Sinne, ist es, was einem auf ANAAL NATHRAKHs
neuem Album In The Constellation Of The Black Widow
erwartet. Wie auch auf den Vorgängern erwartet den Hörer
quasi die Vertonung des Besuchs einer Irrenanstalt an dem Grenzübergang
in die Hölle. Das bewährte musikalische Rezept, die
Vermischung von Death Metal, Black Metal, Grindcore und den
in dieser Kombination einzigartigen und schon Heavy/True Metal
artigen klaren Gesangspassagen, ist nach wie vor in der Metalwelt
ziemlich einzigartig und weiß extrem zu gefallen. Da ich
persönlich zwar Black Metal Hörer, aber nun wirklich
kein Freund von Grindcore und auch nur bedingt von Death Metal
bin, hier schon direkt mal die Empfehlung an Leute, denen es
ähnlich geht – stellt ANAAL NATHRAKH nicht
vorab in die Grind Ecke und gebt ihnen eine Chance bzw. ein
Ohr.
Schon nach wenigen Introsekunden wird man in einen wahren Mahlstrom
musikalischen Wahnwitzes gezogen, und zumindest mir ging es
so, dass man einfach ungläubig da sitzt und sich fragt,
was zum Henker sich da in die Gehörgänge prügelt.
Kurze Zeit später ertappt man sich dabei, wie sich ein
breites Grinsen auf dem Gesicht ausbreitet und man freudig in
die Gemeinschaft der Anstaltinsassen aufgenommen wird.
Der hoch kreative Multi-Instrumentalist Mick Kenney tobt sich
hier erneut richtig aus. Technisch brillantes Drumming, dann
und wann gar maschinell noch verstärkt, sägende Riffs,
die im genau richtigen Moment mit dem passenden Maß an
Melodie daherkommen – das ist es, was ANAAL NATHRAKH
auszeichnet und auf The Constellation Of The Black Widow
wieder bis zur Perfektion hin geboten wird und durch den höllisch
variablen Gesang von Dave Hunt den letzten Schliff bekommt.
Ein Großteil der Songs auf The Constellation Of
The Black Widow weist dieses Mal stärker denn je
Schweden Tod Einflüsse der alten Schule (wie Dismember,
Grave und Konsorten in ihren Glanzzeiten) auf. Der Grindfaktor
ist eher niedrig gehalten und trotz der vorhandenen Black Metal
Versatzstücke, kommt auch dieser so richtig erst bei den
beiden infernalisch prügelnden Schlusstracks zum Einsatz.
Speziell der Gesang soll an dieser Stelle besonders erwähnt
werden. Sänger Dave Hunt kreischt, schreit, grunzt, brüllt
und singt sich durch die Songs, wie man es selten zu Gehör
bekommen hat. Vor allem die anfangs erwähnten und wirklich
gut dargebotenen cleanen Gesangspassagen heben sich deutlich
vom restlichen Sound ab und geben den Songs den letzten Kick.
Dazu gesellt sich immer wieder in den Hintergrund gemischtes
verrückt klingendes Gelächter. Ich kann mir nicht
helfen – vor meinem geistigen Auge entsteht das Bild des
Sängers in einer zerfetzten Zwangsjacke, gegen Gummizellenwände
springend und hysterisch geifernd.
Einzelne Songs von The Constellation Of The Black Widow
herauszunehmen ist in diesem Fall wirklich mehr als schwer.
Mann findet kaum Zeit, Luft zu holen und stürzt, mittlerweile
selbst hysterisch lachend und sabbernd, immer weiter ins Chaos.
Herrlich! Nach einigen Durchläufen kristallisieren sich
zwar das mit einem fantastischen, melodischen Break im Schlussteil
versehene Terror In The Mind Of God und die fast schon
als Hymnen zu bezeichnenden Songs More Of Fire Than Blood
und das mit einem lässig mitsingbaren Refrain ausgestattete
sowie in zwei Minuten Spielzeit alle ANAAL NATHRAKH Trademarks
beinhaltende So Be It als Highlights heraus, doch auch
der Rest des Albums ist schlicht und ergreifend halt auch einfach
nur genial und großartig. Ein herausragendes Album!