ANAAL NATHRAKH – The Constellation Of The Black Widow
 
Label: Candlelight Records
Release: 26.06.2009
Von: Bulletrider
Punkte: 9/10
Time: 34:35
Stil: Death/Black Metal/Grindcore
URL: Anaal Nathrakh
 
Wahnsinn - der helle Wahnsinn, sowohl im wörtlichen wie auch im musikalischen Sinne, ist es, was einem auf ANAAL NATHRAKHs neuem Album In The Constellation Of The Black Widow erwartet. Wie auch auf den Vorgängern erwartet den Hörer quasi die Vertonung des Besuchs einer Irrenanstalt an dem Grenzübergang in die Hölle. Das bewährte musikalische Rezept, die Vermischung von Death Metal, Black Metal, Grindcore und den in dieser Kombination einzigartigen und schon Heavy/True Metal artigen klaren Gesangspassagen, ist nach wie vor in der Metalwelt ziemlich einzigartig und weiß extrem zu gefallen. Da ich persönlich zwar Black Metal Hörer, aber nun wirklich kein Freund von Grindcore und auch nur bedingt von Death Metal bin, hier schon direkt mal die Empfehlung an Leute, denen es ähnlich geht – stellt ANAAL NATHRAKH nicht vorab in die Grind Ecke und gebt ihnen eine Chance bzw. ein Ohr.
Schon nach wenigen Introsekunden wird man in einen wahren Mahlstrom musikalischen Wahnwitzes gezogen, und zumindest mir ging es so, dass man einfach ungläubig da sitzt und sich fragt, was zum Henker sich da in die Gehörgänge prügelt. Kurze Zeit später ertappt man sich dabei, wie sich ein breites Grinsen auf dem Gesicht ausbreitet und man freudig in die Gemeinschaft der Anstaltinsassen aufgenommen wird.
Der hoch kreative Multi-Instrumentalist Mick Kenney tobt sich hier erneut richtig aus. Technisch brillantes Drumming, dann und wann gar maschinell noch verstärkt, sägende Riffs, die im genau richtigen Moment mit dem passenden Maß an Melodie daherkommen – das ist es, was ANAAL NATHRAKH auszeichnet und auf The Constellation Of The Black Widow wieder bis zur Perfektion hin geboten wird und durch den höllisch variablen Gesang von Dave Hunt den letzten Schliff bekommt.
Ein Großteil der Songs auf The Constellation Of The Black Widow weist dieses Mal stärker denn je Schweden Tod Einflüsse der alten Schule (wie Dismember, Grave und Konsorten in ihren Glanzzeiten) auf. Der Grindfaktor ist eher niedrig gehalten und trotz der vorhandenen Black Metal Versatzstücke, kommt auch dieser so richtig erst bei den beiden infernalisch prügelnden Schlusstracks zum Einsatz.
Speziell der Gesang soll an dieser Stelle besonders erwähnt werden. Sänger Dave Hunt kreischt, schreit, grunzt, brüllt und singt sich durch die Songs, wie man es selten zu Gehör bekommen hat. Vor allem die anfangs erwähnten und wirklich gut dargebotenen cleanen Gesangspassagen heben sich deutlich vom restlichen Sound ab und geben den Songs den letzten Kick. Dazu gesellt sich immer wieder in den Hintergrund gemischtes verrückt klingendes Gelächter. Ich kann mir nicht helfen – vor meinem geistigen Auge entsteht das Bild des Sängers in einer zerfetzten Zwangsjacke, gegen Gummizellenwände springend und hysterisch geifernd.
Einzelne Songs von The Constellation Of The Black Widow herauszunehmen ist in diesem Fall wirklich mehr als schwer. Mann findet kaum Zeit, Luft zu holen und stürzt, mittlerweile selbst hysterisch lachend und sabbernd, immer weiter ins Chaos. Herrlich! Nach einigen Durchläufen kristallisieren sich zwar das mit einem fantastischen, melodischen Break im Schlussteil versehene Terror In The Mind Of God und die fast schon als Hymnen zu bezeichnenden Songs More Of Fire Than Blood und das mit einem lässig mitsingbaren Refrain ausgestattete sowie in zwei Minuten Spielzeit alle ANAAL NATHRAKH Trademarks beinhaltende So Be It als Highlights heraus, doch auch der Rest des Albums ist schlicht und ergreifend halt auch einfach nur genial und großartig. Ein herausragendes Album!