Ich
sag’s wirklich nur ungern, aber: selten hab ich so einen
Unsinn gehört! D.h., vielleicht bin ich auch einfach nur
zu alt für AMATRIS und ihr aktuelles Album
Before The Final Journey?! Damit höhlen
sie nämlich m.E. auch nur die uralte Kerbe aus, die Bands
wie Theatre Of Tragedy Mitte der Neunziger mal zu schlagen angefangen
haben. Und mehr als totschlagen kann man das Genre nun wirklich
nicht!
Angefangen beim Gut-Böse-Frontcover und dem Kriegsheimkehrer-Rücken
über die 96er Synthie-Sounds bis zur einfallslosen Weltuntergangs-Thematik
der Songs finden wir nichts als eine Litanei der Klischees.
Machen wir uns nichts vor: Der männliche Gesang ist nicht
„variabel“, weil er sowohl clean singt als auch
grunzt, nein: Er ist schlicht und ergreifend schlecht! Jeder
halbprofessionelle Sänger schlägt angesichts so einer
gruselig-holzigen Intonation die Hände über dem Kopf
zusammen. Der weibliche Gesang nimmt sich daneben zwar nicht
ganz so aufdringlich aus. Andererseits kommt er bei mir über
das Urteil „gefällig“ auch nicht hinweg, da
sich sein Ambitus selten über eine Quinte hinaus bewegt
(und wenn, dann wird’s auch leicht atonal).
Mit ihren Oberstufen-Gruftie-Texten postulieren sie so naiv-pessimistische
Vorstellungen wie die der Menschheit als Marionetten (Stupid
Puppets) oder dem Warten auf die letzte Reise. - Huuuh!
Und wenn’s im Sound mal etwas doomiger daher kommt, dann
denkt man an die still verzweifelten Momente von My Dying Bride
und beißt angesichts so einer Presslufthammer-Theatralik
in die Schreibtischkante! Melodieführung, Akkordfolgen
– alles schon mal dagewesen, filigranes Songwriting geht
irgendwie auch anders...
Schon gut, ich hör besser auf. Wer sowas mag, dem will
ich’s nicht vergällen, schließlich soll sich
jeder sein eigenes Urteil bilden. Aber in meinem Alter soll
man sich nicht auch mehr so aufregen...