ALLOCHIRIA – Throes

 
Label: Art Of Propaganda
Release: 17.03.2017
Von: Stormlord
Punkte: 7.5/10
Time: 45:44
Stil: Post Metal
URL: Allochiria
 

Es ist nicht einfach, die Musik von ALLOCHIRIA zu beschreiben. Schwerfällige Disharmonie und bleierne Rhythmik erzeugen bedrohliche Stimmungen, wogegen relaxte Zurückhaltung und schöne Melodiebögen für den harmonischen Aspekt zuständig sind. Fauchende Vocals thronen über schwebenden Hintergrundmelodien und der Wechsel zwischen doomigen Sequenzen sowie verspieltem Post Metal sorgt für sanft oszillierende Dynamik.
Diese Stimmungsmusik verzichtet auf lineare Arrangements oder eingängige Refrains und animiert zum Wegdriften, zum Fallenlassen mit baumelnder Seele. Bisweilen erinnert der spannend in Szene gesetzte Aufbau der Songs an Anathema, auch die dezente Verwendung von Klangspielereien erinnert an die britischen Soundmagier. Ausgedehnte Instrumentalpassagen charakterisieren die weitläufigen Stücke auf diesem Album, die aus unmerklichen Steigerungen Kraft und Energie schöpfen. Auch die finsteren Growls am Ende von Cracking Fractals passen perfekt zur abgründigen Atmosphäre. Teils trippig und leichtfüßig, dann wieder langsam und schwerfällig, erzielen ALLOCHIRIA eine gewisse Sogwirkung, die von den aufbegehrenden Gitarrenwänden verstärkt und ausgebaut wird. Erstklassig gelingt dieses Unterfangen mit dem intensiv gesungenen Stück  Lifespotting, das interessante Phrasierungen bereithält. Ruhige Zwischenspiele und aufbrausende Akkorde liefern sich während Counting Fives ein kontrastreiches Duell. Das Abschlussmonster  Denouement walzt alle Merkmale bis zum Exzess aus: zurückhaltende Percussions, schwebende Gitarrenmotive, aggressivere Zwischentöne und bösartige Vocals bauen epische Spannungsbögen, nur der unspektakuläre Schlusspart ist etwas zu lange geraten.
ALLOCHIRIA musizieren abseits der Norm und bieten keineswegs altbekannte und einfach zu durchblickende Strukturen. Vielmehr wird der Hörer auf eine stimmungsvolle Reise mitgenommen, die vom Auf und Ab der Intensität lebt, angefangen von ganz leise und sanft bis hin zu aufbegehrender, aber niemals blinder Aggression. Hören, entspannen, fallenlassen...