ALCEST – Souvenirs d’un autre monde

 
Label: Prophecy Productions
Release: 03.08.2007
Von: Joking
Punkte: 8.5/10
Time: 41:24
Stil: Post New Wave Rock Dream Pop
URL: Alcest
 
Das ALCEST ihre Ursprünge in der Black Metal Szene haben, löst beim Hören von Souvenirs d’un autre monde ziemliche Verwunderung aus. Denn mit vielem hat das Album etwas zu tun, aber vom Metallischen finden sich nur Elementarteilchen. Andere Einflüsse sind da viel offensichtlicher. Angefangen bei melancholischen Wave Bands der 80er wie This Mortal Coil, Slowdive – letztere werden auch im aberwitzigen Pressetext erwähnt (dazu am Ende mehr) -, den vortrefflichen aber leider fast vergessenen Felt, bis hin zu aktuellen Post-Rock Größen á la Mogwai oder Godspeed! You Black Emperor, allerdings ohne deren Faible ausgeprägte Gitarrrenflächen ab und an in Kakophonien enden zu lassen. Zwar wird die eine oder andere Gitarre etwas heftiger traktiert, aber die Schmerzgrenze wird nie überschritten, nicht mal annähernd erreicht. Muss auch nicht. Denn Multiinstrumentalist und Sänger Neige, der Souvenirs d’un autre monde im Alleingang eingespielt hat, besitzt ein wunderbares Gespür für fein austarierte Melodien und Spannungsbögen. Das geht ins Ohr und ins Herz – ohne vor zu viel Süßlichkeit den Magen zum Revoltieren zu bringen.
So ist das knapp eine Dreiviertelstunde lange Album ein Genuss, bevorzugt an einem lauen Abend, noch bevorzugter mit etwas oder jemand Liebenswertem an seiner Seite. Ausfälle gibt es keine, wenn man mäkeln möchte, dann vielleicht, dass der ein oder andere Song zu hymnisch ist (Les Iris), und die Souvenirs stimmungsmäßig zu sehr aus einem Guss. Aber das wäre Erbsenzählerei im Angesicht einer Prinzessin…
Wohl etwas zu mäkeln gibt es am schauerlichen Presse-Info. Schwierig, es aus dem Kopf zu bekommen, um ein wohl geratenes Werk nicht zu verreißen. Entweder war der verantwortliche Redakteur zugedröhnt bis unter die Haarspitzen, oder die schlechteste Übersetzungsmaschine der computerisierten Welt wurde eingesetzt. Da ist doch tatsächlich die Rede davon, dass mit „der Anwendung von Slowdive und Yann Tiersen auf Burzum [dreimal täglich vermutlich. Nur wie? Oral, rektal oder als Salbe?] hat sich Multiinstrumentalist Neige ein musikalisches Konzept erschlossen, das tatsächlich nichts weniger als revolutionär ist [aber nur, wenn wir die 80er Jahre aus dem letzten Jahrhundert streichen] und dessen konkrete Umsetzung auf Souvenirs d’un autre monde als beispiellos und richtungsweisend bezeichnet werden kann“. Beispiellos wohl kaum, richtungsweisend okay, mit Karacho der unter- oder aufgehenden Sonne entgegen. Und das gerne. Zum Schluss noch ein weiterer Fauxpas; wird der Albumtitel zwar nicht verkehrt, aber einseitig mit „Souvenirs aus einer anderen Welt“ übersetzt. Dass die Alternative „Erinnerungen an eine andere Welt“ viel näher liegt, wird natürlich verschwiegen. Eine Welt, in der die Toten tanzen können, in der Cocteaus Zwillinge sich im Haus der Liebe tief in die Augen schauen und sogar die Bäume singen: „Gone but not forgotten…“ Wir denken gerne dran und genießen ALCEST’s Soundtrack dazu. Was mit dem Infoblatt passiert, bleibt der schmutzigen Phantasie überlassen.