ALCEST – Shelter

 
Label: Prophecy Productions
Release: 17.01.2014
Von: Dajana
Punkte: 7/10
Time: 45:36
Stil: xShoegaze
URL: Alcest
 

Einst als Black Metal Projekt gestartet, hat sich der Stil von ALCEST schnell und grundlegend in Richtung Shoegaze-beeinflußten Post Rock geändert. Obwohl nicht unerwartet, überrascht das nunmehr vierte Album Shelter der Franzosen dann doch durch seine musikalische Konsequenz. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Alben haben sich ALCEST nun komplett von den (black)metallischen Wurzeln freigemacht.
Da wundert es kaum, das sich ALCEST für die Albumproduktion in das Studio von Sigur Rós Sänger und Gitarrist Birgir Jón Birgisson nach Island (die perfekte Umgebung) begeben haben, sich bei der Gelegenheit die Dienste des Amiina Streichquartetts zunutze machten (die Sigur Rós üblicherweise auf CD und live begleiten) und niemand geringeren als Shoegaze-Ikone Neil Halstead (Slowdive) und Billie Lindahl (Promise And The Monster) für Gastbeiträge verpflichten konnten.
Und genauso klingt das Album auch: Shelter ist eine wild-romantische und verträumte Mischung aus ganz viel Cocteau Twins und Slowdive, mit einer Prise Jesus & Mary Chain, den typisch flirrenden Post Rock Gitarren (die nur noch bei Voix Sereines mal ein bißchen heftiger werden) und der ätherisch schönen Atmosphäre eines Sigur Rós Albums.
Am großartigsten klingt Shelter, wenn ALCEST zu ihren epischen, unglaublich schönen Post Rock Melodien ausholen. Man möchte sich darin einhüllen, mit ihnen verschmelzen, während wohlige Gänsehautschauer den Rücken hoch und runter laufen. Paradebeispiel hierfür ist L'Eveil Des Muses.
Was sich für mich dann doch als Schwäche erweist, ist der Gesang von Neige, der nicht charismatisch und ausdrucksstark genug ist, um wirklich Akzente zu setzen und Shelter oftmals einen verwaschenen, zu gleichförmigen Aspekt verleiht. Zuviel Gesäusel, zuwenig Biss. Auch Neil Halstead kann mich nicht wirklich überzeugen, der Song Away wirkt seltsam deplatziert.
Es scheint, dass Neige und Winterhalter ihre musikalische Bestimmung gefunden haben. Aber ob sie ohne den recht einzigartigen Metal-Part in der Musik ausreichend Akzente setzen und sich behaupten können, wird sich zeigen. Shelter hat sicherlich großartige Momente, vollends überzeugen können ALCEST hier jedoch (noch) nicht.