AND HARMONY DIES – Flames Everywhere

 
Label: My Kingdom Comes
Release: 21.09.2007
Von: Joking
Punkte: 8.5/10
Time: 76:24
Stil: Black Very Progressive Metal
URL: And Harmony Dies
 
Hell is coming to town, zumindest erwecken die Italiener AND HARMONY DIES diesen Eindruck. Das ist exzessives, entfesseltes Theater, eine schwarze Messe um Mitternacht, wollüstig und abgedreht, Grand Guignol fürs Herz der Finsternis. Und hat mit herkömmlichen Black Metal wenig am Hut, trotz des 20-minütigen Venom-Covers At War With Satan. AND HARMONY DIES torkeln, schwanken und kämpfen sich durch diverse Musikstile, es findet sich Chansonesques, Metallisches wird zerhackt, progressive Artistik vorgeführt, ein wenig Jazz versucht und zwischendurch ungeniert rumgekaspert. Avantgardistisch ist das zwar alles nicht mehr, aber wild, emotional und in seinen besten Momenten mitreißend. Sänger Black kreischt, singt, flüstert, wispert als wäre er des Satans Alleinunterhalter, eine vokale One-Man-Show, die auch kein Problem damit hätte, Macbeth aufzuführen und alle Rollen selbst zu spielen. Instrumental kommt diversen Keyboards eine wichtige Rolle zu, aber auch Gitarrero Rob darf brillieren. Der Sound könnte voller und sauberer sein, ein Manko vor allem in den leisen, akustischen und in den orchestralen Passagen. Man darf nicht den Fehler begehen, auf Flames Everywhere nach Chorussen und Refrains zu suchen, nach einzelnen Songs, die losgelöst die Hitparade des hartrockenden Herzens anführen könnten. Hier ist alles ein Fluss, aber einer mit Stromschnellen, Strudeln und Wasserfällen, die eine schnell gebuchte Raftingfahrt zu einer Reise ohne Wiederkehr machen.
Kein Wunder, dass das durchschnittliche Metal-Magazin abwinkt, spätestens beim fünften Stück Hurts, wenn Black zu schunkelndem Kirmestechno Fieses von sich gibt, schmeißt der verzweifelte Headbanger das Album aus dem Player. Der Choral danach würde ihn dann auch endgültig aus der Bahn werfen. Wir lieben das Album deswegen. Natürlich ist es vermessen, großkotzig, überkandidelt und in Teilen billig klingend, aber es ist auch wild, wagemutig und von einer Attitüde beseelt, die sich um Limitierungen und Entgleisungen wenig schert.
Und natürlich ist Flames Everywhere eine Hommage an den „Doctor“, an Devil Doll, vielleicht das Größte, was Italien an halsbrecherischer Musik im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts hervorgebracht hat. Leider steht ein neues Album seit Jahren aus; AND HARMONY DIES gelingt es, mit Flames Everywhere die mögliche weitere Wartezeit angemessen zu überbrücken. Was ihnen bei allem Mut zum Experimentieren noch fehlt, machen sie durch traumhafte melodische Eskapaden wett, wecken so die Erinnerung an die große Teufelspuppe und bleiben doch etwas eigenes.
Der Krieg mit Satan – als solcher und als Coverversion – wird übrigens über die komplette Distanz gewonnen.