AHAB – The Call Of The Wretched Sea

 
Label: Napalm Records
Release: 29.09.2006
Von: Stormlord
Punkte: 7/10
Time: 67:41
Stil: Doom Metal
URL: Ahab
 
Zwei Aspekte in Verbindung mit AHAB erweckten mein Interesse: zum einen die vorher gehörte Umschreibung der Musik, zum anderen die Tatsache, dass zwei Musiker von Midnattsol auch hier ihre Finger im Spiel haben. Wer die musikalische Ausrichtung von Midnattsol kennt, wird allerdings genauso überrascht reagieren wie ich, denn der Sound von The Call Of The Wretched Sea hat gar nichts mit Folk Melodien, angenehmen Stimmungen oder beschwingten Songs zu tun; nur depressive, dunkle, langsame Lieder, die ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit entstehen lassen. Oder kurz gesagt: Funeral Doom Metal!
Die Band hat sich Hermann Melvilles Roman Moby Dick als lyrische Inspirationsquelle ausgesucht und vermag auch mit den kreierten Klängen eine unheilvolle Atmosphäre zu erschaffen, die der Vorlage laut Gitarrist Hector auch innewohnt. AHAB hieß der tyrannische Kapitän, der Moby Dick verfolgte und The Call Of The Wretched Sea könnte der Soundtrack zu dessen gnadenlosen und besessenen Leben sein. AHAB schaffen es dabei ohne die Hilfe von Bombast, nur mit langsamen Riffs und einer eindringlichen Stimme eine bedrohliche Klangwelt herauf zu beschwören. So zieht das eine oder andere Bild vor dem geistigen Auge herauf: die Unendlichkeit der See, das grausame Wesen des Kapitäns oder die endlose Jagd nach dem Meeresriesen. Dieses Album braucht eine Menge Zeit bevor man sich damit anfreunden kann. Beim Erstkontakt wird kaum jemand von The Call Of The Wretched Sea fasziniert oder begeistert sein, der Ruf mag möglicherweise sogar ungehört bleiben, aber nach fünfmaligem Hören wird vielleicht eine tief greifende Spannung geweckt. Es gibt keine großartigen Refrains, keine Single Hits oder einfach zu konsumierende Songstrukturen.
Alle Lieder sind um die 10 Minuten lang (mit Ausnahme eines Zwischenspiels) und besitzen allesamt eine dunkle Stimmung, also seid auf der Hut wenn ihr gerade in depressiver Gemütsverfassung schwelgt, denn dieses Album wird euch weiter hinunter ziehen. Ich mag ja diese Teile am besten in denen AHAB ruhige Gitarrentöne anschlagen wie beim Beginn von Old Thunder. Während dieser 9 Minuten überzeugt die Gruppe mit zermalmenden Riffs und beängstigender Vokaldarbietung sodass Langweile trotz der Länge keine Chance hat. Diese Abwechslung vermisse ich bei den anderen Kompositionen schon ein wenig, doch die Intention von AHAB ist es nicht, einfache Musik zu komponieren. Sie wollen Anspruchsvolles bieten, fordern den Hörer und stellen ihn auf die Probe, damit er nach einiger Zeit von der langsam dahinrollenden Kraft mitgerissen wird. Es bleibt am Ende der Eindruck eines intensiven Werkes, bei dem man sich aber kaum an einzelne eindrucksvolle Songs erinnern kann. The Call Of The Wretched Sea braucht eine passende Umgebung, um in vollen Zügen genossen werden zu können – am besten am Tagesende in der Dämmerung oder an einem regnerischen Herbstabend. Gebt dem Album eine Chance wenn ihr Funeral Doom Metal etwas abgewinnen könnt, auch wenn es ein wenig Zeit braucht!