Beim
Erschaffen epischer Stimmungen sind AGRYPNIE wahre Meister
ihres Fachs, und auch das vorliegende Mammutwerk legt wiederholt
Zeugnis dafür ab, daß man sich der hypnotischen Wirkung
keinesfalls entziehen kann.
Der Gesang variiert
zwischen zurückhaltendem Flüstern und anklagender
Hysterie, die Musik spannt sich von kalt dahinratternden Rhythmen
über mittelschnelle Teile bis hin zu stillen, reservierten
Sequenzen, die unglaublich natürlich und fließend
ineinander übergehen. Durchaus bedient sich die Band
des Stilmittels der Wiederholung, doch die Dosis macht’s
und da beweisen AGRYPNIE trotz der ausladenden Komponierweise
ein sehr feines Gespür.
Als herrliches Beispiel der Durchmischung hinsichtlich Tempo
und Emotion sei hier das packende Stück Dezember
angeführt: ein getragener Beginn, dann die aufbrausende
Steigerung, eingestreute Doublebasspassagen und schwebende
Leichtigkeit, die intensiver Härte gegenüber steht.
An Überraschungen sparen die Künstler hier auch
nicht, denn auf einen berührenden Akustikteil, der fälschlicherweise
das Ende andeutet, folgt eine urplötzliche Tempoattacke.
Der Hörer kann sich niemals sicher sein, wohin die Reise
geht und das ist wirklich gut so.
Die Taktik ändert sich auch beim anschließenden
Stück namens Zurück nicht, einen Zacken schneller
präsentieren sich die eingeflochtenen Ausbrüche
und die Stakkato-Riffs rütteln an deiner Seele sowie
deinen Nackenmuskeln. Hintergründig zieht eine Gitarrenlinie
ihre Bahn, als abrupt die Stimmung kippt und ein träumerischer
Teil die Lautstärke fast bis auf den Nullpunkt zurückfährt.
Unmerklich aufbrausend und doch höchst dynamisch stampfen
AGRYPNIE dann dem Finale entgegen.
Andere Wege beschreitet die Klangcollage Kosmos [Alpha],
die zum entspannten Zurücklehnen einlädt, doch trotz
der spartanischen Instrumentierung und der Überlänge
stimmungsvoll ihren Platz findet. Auf jeden Fall kommt die
Doublebass nach über sechs Minuten unerwartet und entfaltet
deshalb eine wuchtige Intensität. Diese Wirkung setzt
das harte Gnosis fort, hymnische Keyboards im Verbund
mit gezogenen Gitarrenleads auffahrend. Herrlich fließende
Taktwechsel und ein verträumter Mittelteil sind selbstverständlich
neuerlich inbegriffen. Gegen Ende legen sich gekonnt mehrere
Klangschichten übereinander, so daß du in einen
reichhaltigen Klangkosmos unweigerlich hineingezogen und regelrecht
vereinnahmt wirst. Auch weiterhin bestimmen dynamische Strukturen
das Bild. Hinzu kommen akustische Ausrufezeichen wie eine
versteckt Reiz ausströmende Pianomelodie während
des nachdenklich stimmenden Stücks Erwachen. Was
passiert, je näher es dem Ende des Liedes zugeht? Richtig,
der Klang wird voller, stampfend, wie gemacht um die Fäuste
in die Luft zu recken!
Noch ausladender gehen AGRYPNIE bei den beiden Abschlußnummern
von Aetas Cineris, nämlich Sinnflut
und Asche zu Werke. Klangteppiche werden gewoben, Zurückhaltung
und Aggression miteinander verbunden, Spannungsbögen
gebaut sowie von Stille zerfetzt; das gewohnte Szenario, das
zwar bei wiederholtem Einsatz ein wenig vorhersehbar aber
um so geschätzter wird. Einfach toll, wenn herzliche
Akustikparts den Puls extrem entspannen, um im Nachhinein
mit einem Aha-Effekt aufgerüttelt zu werden. Das fulminant
eingeleitete Opus Asche setzt einen würdigen Schlußpunkt.
Wunderschöne Gitarrenarrangements dominieren, ehe zum
großen Finale eine letzte Eruption aus der Zurückhaltung
herausbricht…
Aetas Cineris ist mit Tiefgang, Dynamik und
Überraschungen gesegnet und somit ein variantenreiches
Stimmungsalbum, dem man nur allzu leicht verfallen kann, denn
spannender kann Musik bzw. Black Metal nicht gespielt werden!
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