AGRYPNIE – Aetas Cineris

 
Label: Supreme Chaos Records
Release: 22.02.2013
Von: Stormlord
Punkte: 9.5/10
Time: 77:08
Stil: Black Metal
URL: Agrypnie
 
Beim Erschaffen epischer Stimmungen sind AGRYPNIE wahre Meister ihres Fachs, und auch das vorliegende Mammutwerk legt wiederholt Zeugnis dafür ab, daß man sich der hypnotischen Wirkung keinesfalls entziehen kann.

Der Gesang variiert zwischen zurückhaltendem Flüstern und anklagender Hysterie, die Musik spannt sich von kalt dahinratternden Rhythmen über mittelschnelle Teile bis hin zu stillen, reservierten Sequenzen, die unglaublich natürlich und fließend ineinander übergehen. Durchaus bedient sich die Band des Stilmittels der Wiederholung, doch die Dosis macht’s und da beweisen AGRYPNIE trotz der ausladenden Komponierweise ein sehr feines Gespür.
Als herrliches Beispiel der Durchmischung hinsichtlich Tempo und Emotion sei hier das packende Stück Dezember angeführt: ein getragener Beginn, dann die aufbrausende Steigerung, eingestreute Doublebasspassagen und schwebende Leichtigkeit, die intensiver Härte gegenüber steht. An Überraschungen sparen die Künstler hier auch nicht, denn auf einen berührenden Akustikteil, der fälschlicherweise das Ende andeutet, folgt eine urplötzliche Tempoattacke. Der Hörer kann sich niemals sicher sein, wohin die Reise geht und das ist wirklich gut so.
Die Taktik ändert sich auch beim anschließenden Stück namens Zurück nicht, einen Zacken schneller präsentieren sich die eingeflochtenen Ausbrüche und die Stakkato-Riffs rütteln an deiner Seele sowie deinen Nackenmuskeln. Hintergründig zieht eine Gitarrenlinie ihre Bahn, als abrupt die Stimmung kippt und ein träumerischer Teil die Lautstärke fast bis auf den Nullpunkt zurückfährt. Unmerklich aufbrausend und doch höchst dynamisch stampfen AGRYPNIE dann dem Finale entgegen.
Andere Wege beschreitet die Klangcollage Kosmos [Alpha], die zum entspannten Zurücklehnen einlädt, doch trotz der spartanischen Instrumentierung und der Überlänge stimmungsvoll ihren Platz findet. Auf jeden Fall kommt die Doublebass nach über sechs Minuten unerwartet und entfaltet deshalb eine wuchtige Intensität. Diese Wirkung setzt das harte Gnosis fort, hymnische Keyboards im Verbund mit gezogenen Gitarrenleads auffahrend. Herrlich fließende Taktwechsel und ein verträumter Mittelteil sind selbstverständlich neuerlich inbegriffen. Gegen Ende legen sich gekonnt mehrere Klangschichten übereinander, so daß du in einen reichhaltigen Klangkosmos unweigerlich hineingezogen und regelrecht vereinnahmt wirst. Auch weiterhin bestimmen dynamische Strukturen das Bild. Hinzu kommen akustische Ausrufezeichen wie eine versteckt Reiz ausströmende Pianomelodie während des nachdenklich stimmenden Stücks Erwachen. Was passiert, je näher es dem Ende des Liedes zugeht? Richtig, der Klang wird voller, stampfend, wie gemacht um die Fäuste in die Luft zu recken!
Noch ausladender gehen AGRYPNIE bei den beiden Abschlußnummern von Aetas Cineris, nämlich Sinnflut und Asche zu Werke. Klangteppiche werden gewoben, Zurückhaltung und Aggression miteinander verbunden, Spannungsbögen gebaut sowie von Stille zerfetzt; das gewohnte Szenario, das zwar bei wiederholtem Einsatz ein wenig vorhersehbar aber um so geschätzter wird. Einfach toll, wenn herzliche Akustikparts den Puls extrem entspannen, um im Nachhinein mit einem Aha-Effekt aufgerüttelt zu werden. Das fulminant eingeleitete Opus Asche setzt einen würdigen Schlußpunkt. Wunderschöne Gitarrenarrangements dominieren, ehe zum großen Finale eine letzte Eruption aus der Zurückhaltung herausbricht…
Aetas Cineris ist mit Tiefgang, Dynamik und Überraschungen gesegnet und somit ein variantenreiches Stimmungsalbum, dem man nur allzu leicht verfallen kann, denn spannender kann Musik bzw. Black Metal nicht gespielt werden!