AGALLOCH – Marrow Of The Spirit

 
Label: Viva Hate Records
Release: 19.11.2010
Von: Dajana
Punkte: 8/10
Time: 65:33
Stil: Black Metal
URL: Agalloch
 
Es bedurfte ganze vier Jahre um das nunmehr vierte Album Marrow Of The Spirit passend zum ersten Frost den Fans ans Herz zu legen. Dabei scheint es, dass insbesondere der diesjährige Abstecher in die frühlingshaften transsilvanischen Karpaten Marrow Of The Spirit erst den finalen Schliff verpasst hat.
Natürlich ist auch das neue Album anders, vielleicht ein bißchen sperriger als noch die Vorgänger, in jedem Falle aber deutlich rauher. Die Natur-/Folkelementen gibt es nur noch vereinzelt (Intro, das Ende von The Watcher’s Monolith und die letzten Töne von To Drown) und sind nicht mehr so sehr mit der Musik an sich verwoben. Auch verzichtet John Haughm diesmal komplett auf seinen warmen cleanen Gesang, was dem harschen Ansatz noch mehr Wirkung verleiht. Was man bei The Watcher’s Monolith vernimmt, sind die Gastvocals von Steven Wray Lobdell.
Es gibt weniger Songs aber diese ergießen sich allesamt in epischer Länge und das ohne auch nur eine Spur langatmig zu werden. Weite Instrumentalpassagen bieten Raum für Variationen und Experimente, wie zum Beispiel mit Moog Synthesizern und verschiedenen Percussions. Finde ich sehr gelungen.
Marrow Of The Spirit startet nahezu lieblich Vogelgezwitscher und Wasserplätschern mit dem Intro They Escaped The Weight Of Darkness, dem sich allerdings ein schwer melancholisches Cello entgegenstellt. Mit Erfolg, denn bereits beim schnellen Into The Painted Grey dominiert klirrende Kälte in bester Black Metal Manier. Das folgende The Watcher’s Monolith mit seinen fantastischen Hooks und Melodien, und das 17 minütige Black Lake Niðstång bilden für mich Herzstück und Highlight von Marrow Of The Spirit. Diese beiden Tracks sind einfach atemberaubend schön, fantastisch, episch, lassen einen nicht mehr los und offenbaren die ganze Faszination, die AGALLOCH ausmacht.
Am Ende des finalen Tracks To Drown wird das Thema des Cellos aus dem Intro wieder aufgenommen, nicht vom Cello selbst, sondern von verzerrten Gitarren und Percussions, die den Kreis der musikalischen Magie wieder schließen.
So, wie jedes Album von AGALLOCH irgendwie stimmungsabhängig ist, entwickelt sich auch Marrow Of The Spirit je nach Befindlichkeit ganz unterschiedlich. So kam mir eben der zweite Track Into The Painted Grey gar nicht mehr so kalt und blackmetallisch vor, wie oben beschrieben, sondern warm und erdig ;) Ich schätze, das ist, als wenn man tief in den Karpaten bei klirrenden Minustemperaturen und meterhohen Schneewällen den Frühling trotzdem schon fühlen kann…