Es
bedurfte ganze vier Jahre um das nunmehr vierte Album Marrow
Of The Spirit passend zum ersten Frost den Fans ans
Herz zu legen. Dabei scheint es, dass insbesondere der diesjährige
Abstecher in die frühlingshaften transsilvanischen Karpaten
Marrow Of The Spirit erst den finalen Schliff
verpasst hat.
Natürlich ist auch das neue Album anders, vielleicht ein
bißchen sperriger als noch die Vorgänger, in jedem
Falle aber deutlich rauher. Die Natur-/Folkelementen gibt es
nur noch vereinzelt (Intro, das Ende von The Watcher’s
Monolith und die letzten Töne von To Drown)
und sind nicht mehr so sehr mit der Musik an sich verwoben.
Auch verzichtet John Haughm diesmal komplett auf seinen warmen
cleanen Gesang, was dem harschen Ansatz noch mehr Wirkung verleiht.
Was man bei The Watcher’s Monolith vernimmt, sind
die Gastvocals von Steven Wray Lobdell.
Es gibt weniger Songs aber diese ergießen sich allesamt
in epischer Länge und das ohne auch nur eine Spur langatmig
zu werden. Weite Instrumentalpassagen bieten Raum für Variationen
und Experimente, wie zum Beispiel mit Moog Synthesizern und
verschiedenen Percussions. Finde ich sehr gelungen.
Marrow Of The Spirit startet nahezu lieblich Vogelgezwitscher
und Wasserplätschern mit dem Intro They Escaped The
Weight Of Darkness, dem sich allerdings ein schwer melancholisches
Cello entgegenstellt. Mit Erfolg, denn bereits beim schnellen
Into The Painted Grey dominiert klirrende Kälte
in bester Black Metal Manier. Das folgende The Watcher’s
Monolith mit seinen fantastischen Hooks und Melodien, und
das 17 minütige Black Lake Niðstång bilden
für mich Herzstück und Highlight von Marrow
Of The Spirit. Diese beiden Tracks sind einfach atemberaubend
schön, fantastisch, episch, lassen einen nicht mehr los
und offenbaren die ganze Faszination, die AGALLOCH ausmacht.
Am Ende des finalen Tracks To Drown wird das Thema des
Cellos aus dem Intro wieder aufgenommen, nicht vom Cello selbst,
sondern von verzerrten Gitarren und Percussions, die den Kreis
der musikalischen Magie wieder schließen.
So, wie jedes Album von AGALLOCH irgendwie stimmungsabhängig
ist, entwickelt sich auch Marrow Of The Spirit
je nach Befindlichkeit ganz unterschiedlich. So kam mir eben
der zweite Track Into The Painted Grey gar nicht mehr
so kalt und blackmetallisch vor, wie oben beschrieben, sondern
warm und erdig ;) Ich schätze, das ist, als wenn man tief
in den Karpaten bei klirrenden Minustemperaturen und meterhohen
Schneewällen den Frühling trotzdem schon fühlen
kann…