Besser kann ein Einstieg in ein Album gar nicht sein, denn der erste Song Unstoppable fährt eine Vielzahl von liebenswerten Eigenschaften auf: beginnend mit der effektiven symphonischen Untermalung über die hochmelodischen, singenden Riffs bis hin zum aggressiven Gesang passt hier einfach alles. Ein treibender Opener par excellence!
Unheimlich frisch und mitreißend verbinden AEPHANEMER ihre Inspirationen im Spannungsfeld von Nightwish-ähnlicher Dramatik, der Melodieführung von Children Of Bodom und Ensiferum-artiger Beschwingtheit und fügen ein paar interessante Eigenständigkeitsdetails hinzu. Sängerin Marion growlt meist munter drauflos, doch zur Abwechslung verwendet sie auch von Zeit zu Zeit ihre klare Stimme.
Die epische Schlagseite bei manchen Stücken steht der Band hervorragend und die Ideen haben Zeit zum Atmen; jede Menge erstklassiger Gitarrenmelodien, ein Tupfer Bombast, heftig animierende Grooves und auch ganz dezente Ruhepausen finden ihren Platz im musikalischen Puzzle.
The Oathsworn etwa geht in diese ausladende Richtung und hier finden wir eine breitspurige Einleitung, gekonnte Tempovariationen mit Double-Bass-Einschüben und deftige Growls. Völlig unerwartet binden AEPHANEMER aber einen Folk-igen Teil mit melancholischem, heldenhaftem Flair ein und überraschen mittels dieser kompositorischen Besonderheit auf ganzer Linie. Das Pianomotiv am Ende sorgt für einen harmonischen Abschluss und lässt beide Daumen und Fäuste nach oben schnellen. Danach provozieren großartige, an Suidakra erinnernde Akustikgitarren im Verbund mit Streichern beim wohligen Zwischenspiel Ghosts zentimeterdicke Gänsehaut.
Unbedingt muss ich noch die Feinfühligkeit erwähnen, wie die MusikerInnen die Elemente gewichten: die symphonischen Klänge sind nicht omnipräsent, die Atempausen kommen im richtigen Moment sowie der richtigen Länge zum Einsatz, sodass sich kernige Härte und herzlicher Pathos in einem perfekten Verhältnis zueinander stehen.
Das Titelstück Memento Mori fasst alle herausragenden Eigenschaften noch einmal zusammen, denn hier treffen wir alte Bekannte wie schwelgerische Gitarrenmotive, Growl- und Klargesang, wunderbare Keyboardsequenzen, einen packenden Headbang-Part in der zweiten Songhälfte und ein fulminant vielschichtiges Finale.
Als ungewöhnlicher Abschluss fungiert das variable, dynamische Instrumentalstück Gilgamesh, das gutgelaunt im Running Wild-Stil dahin galoppiert, bombastische Streicher integriert und wie das gesamte Album einen abwechslungsreichen und tiefgehenden Eindruck hinterlässt.
AEPHANEMER begeistern auf Memento Mori durch ihre wandlungsfähige, jederzeit spannungsreiche Komponierweise und ihr intuitives Gespür für teils peitschende, dann wieder zurückhaltende Melodik, sodass man entweder enthusiastisch Headbangen oder einfach still bewundernd zuhören kann!