AENAON – Hypnosophy

 
Label: Aural Music/Code666
Release: 25.11.2016
Von: Stormlord
Punkte: 9/10
Time: 55:04
Stil: Progressive Black Metal
URL: Aenaon
 

Hypnosophy startet ja noch recht konventionell, doch nach kurzer Zeit geht es dann so richtig rund und die Progressivität schlägt Purzelbäume. Extravaganter Gesang, dissonantes Riffing, tribal-artige Drums und harscher Black Metal treffen während Oneirodynia auf jazzige Anklänge in Form eines entfesselt aufspielenden Saxophonisten. Ein herrlich entspannter, federleicht schwebender Instrumentalteil steigert sich mit flirrenden Gitarren und an Borknagar erinnernden Vokaleskapaden zu einem faszinierend reichhaltigen, doch keineswegs anstrengenden Kopfkinobreitwandepos.
Eine dreckig nach vorne rockende Komponente verpasst  Earth Tomb eine schmissige, beschwingte Note, durch die mehrstimmig vorgetragenen Textpassagen kommt dann so etwas wie Musical-Flair auf, sodass sich AENAON als packend aufspielende, stilistisch extrem  offene Spielmannstruppe zeigt, die trotz der Variabilität kohärente Kompositionen feilbietet.
Beim elegischen Stück Void fahren AENAON eine opulente Anzahl verschiedenster Stimmen auf, inklusive Frauengesang und teils übereinandergelegter, schamanisch anmutender Gesänge.
Irgendwie schaffen es die Musiker trotz der anspruchsvollen, sperrigen Arrangements, ein hohes Maß an Hörspaß zu kreieren, auch wenn ein Song wie der epische Abschluss Phronesis – Psychomagi sogar die 15-Minuten-Marke knackt. Da gehen nämlich jazzige Jam-Sessions mit beschwörenden, aus der Unterwelt hervorkriechenden Vocals Hand in Hand, dann duellieren sich rhythmischer Metal und heroische Gesangsparts. Hinzu gesellt sich ein immer wiederkehrendes, melancholisches Saxophonmotiv, doch auch eine Menge an perkussiven Sounds bereichert das Klangspektrum enorm.  Zum großen Finale kulminieren eine beinahe undurchdringliche Anzahl an Schichten und diese fassen die Faszination des AENAON-Soundspektrums noch einmal beeindruckend zusammen.
Lasst euch bitte nicht von der anfänglich erschlagenden akustischen Lawine abschrecken, denn schon nach kurzer Zeit habe ich dieses Album sehr wertgeschätzt, weil es Grenzen einreißt und trotzdem nicht in sinnlose Prog-Selbstverliebtheit abdriftet. Hut ab vor dieser bravourösen Gratwanderung!