Towards Hate
nennt sich an dritter Stelle ein unterschwellig bedrohlicher
Song, der nicht nur auf Hochgeschwindigkeit setzt. Die rollenden
Rhythmen zwischendurch lassen den Nacken rotieren, aber eigentlich
ist das Stück zu komplex, um als direkter Headbanger
durchzugehen.
Der intensive Schrei-Gesang auf diesem Album vermittelt ein
Gefühl der Hoffnungslosigkeit, und die teils progressive
Herangehensweise inklusive einiger moderner Einsprengsel ruft
nicht nur angenehme Emotionen hervor. Sperrige Strukturen
und dissonante Melodien schreien förmlich danach, näher
untersucht zu werden und stellen sich einer einfachen, direkt
ins Ohr gehenden Eingängigkeit entgegen. Inside My
Walls bietet so ein Hin und Her der Gefühle: schöne
Gitarrenmotive klingen angenehm im Ohr und die schleppenden,
ein bisschen zähflüssigen und tonnenschweren Grooves
bewegen wie von selbst das Tanzbein; dementgegen stehen der
apokalyptische Schreigesang und die abgehackten Rhythmen.
Im Allgemeinen stellt sich kein allumfassend seligmachendes
Gefühl ein, vielmehr spielen Beklemmung, Schwere und
anspruchsvolle Songaufbauten eine größere Rolle.
Das Titelstück Eidolon ist ein Paradebeispiel
für die etwas distanzierte und kühle Wirkungsweise
der Musik: dezent modern, experimentierfreudig seitens der
Gitarrenfront, verzweifelt im Gesang, aber irgendwie unrund
und flirrend chaotisch berühren die Kompositionen nicht
zutiefst, sondern rufen eher Nervosität hervor. Ein jazziges
Interludium hinterlässt Konfusion im Nervenzentrum, weil
einfach sehr viel (zu viel?) passiert. Da passt eine Verschnaufpause
zu Beginn von Dying Alone bestens ins Bild, bevor knochentrockene
Rhythmen Pantera-Flair versprühen. Durch die Keyboarduntermalung
kommt futuristisches Ambiente hinzu, aber da bleibt bei mir
wenig hängen, wo sind nur die sich festkrallenden Refrains
oder Melodien? ACID DEATH punkten eher wieder durch
bedrohliche, zermalmende Heaviness, auch die dezent orientalischen
Einflüsse lassen aufhorchen und bereichern etwa das leicht
bekömmliche Abschlussinstrumentalstück Sole Truth
durch interessante Percussions.
Als Hörer
muss man also ein Faible für technische Verspieltheit
mitbringen und darf keineswegs melodieabhängig sein,
sonst wird man mit Eidolon sicher nicht warm
werden. Die einfacheren, groovigen Parts hinterlassen jedoch
einen versöhnlichen Eindruck und so nach und nach entwirren
sich auch die kompliziert arrangierten Titel. Einfach konsumierbar
klingt allerdings definitiv anders!