ACID DEATH – Eidolon

 
Label: Noisehead Records
Release: 01.06.2012
Von: Stormlord
Punkte: 7/10
Time: 49:17
Stil: Thrash/Death Metal
URL: Acid Death
 
Eine Dekade lang herrschte Funkstille, doch nun gibt es ein neues Lebenszeichen von den Griechen ACID DEATH. Groovender, aber beileibe nicht sofort ins Ohr gehender Thrash Metal steht auf dem Programm, wobei auch schleppende Sequenzen ihren Platz bekommen und so das Album gut auflockern.

Towards Hate nennt sich an dritter Stelle ein unterschwellig bedrohlicher Song, der nicht nur auf Hochgeschwindigkeit setzt. Die rollenden Rhythmen zwischendurch lassen den Nacken rotieren, aber eigentlich ist das Stück zu komplex, um als direkter Headbanger durchzugehen.
Der intensive Schrei-Gesang auf diesem Album vermittelt ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, und die teils progressive Herangehensweise inklusive einiger moderner Einsprengsel ruft nicht nur angenehme Emotionen hervor. Sperrige Strukturen und dissonante Melodien schreien förmlich danach, näher untersucht zu werden und stellen sich einer einfachen, direkt ins Ohr gehenden Eingängigkeit entgegen. Inside My Walls bietet so ein Hin und Her der Gefühle: schöne Gitarrenmotive klingen angenehm im Ohr und die schleppenden, ein bisschen zähflüssigen und tonnenschweren Grooves bewegen wie von selbst das Tanzbein; dementgegen stehen der apokalyptische Schreigesang und die abgehackten Rhythmen. Im Allgemeinen stellt sich kein allumfassend seligmachendes Gefühl ein, vielmehr spielen Beklemmung, Schwere und anspruchsvolle Songaufbauten eine größere Rolle.
Das Titelstück Eidolon ist ein Paradebeispiel für die etwas distanzierte und kühle Wirkungsweise der Musik: dezent modern, experimentierfreudig seitens der Gitarrenfront, verzweifelt im Gesang, aber irgendwie unrund und flirrend chaotisch berühren die Kompositionen nicht zutiefst, sondern rufen eher Nervosität hervor. Ein jazziges Interludium hinterlässt Konfusion im Nervenzentrum, weil einfach sehr viel (zu viel?) passiert. Da passt eine Verschnaufpause zu Beginn von Dying Alone bestens ins Bild, bevor knochentrockene Rhythmen Pantera-Flair versprühen. Durch die Keyboarduntermalung kommt futuristisches Ambiente hinzu, aber da bleibt bei mir wenig hängen, wo sind nur die sich festkrallenden Refrains oder Melodien? ACID DEATH punkten eher wieder durch bedrohliche, zermalmende Heaviness, auch die dezent orientalischen Einflüsse lassen aufhorchen und bereichern etwa das leicht bekömmliche Abschlussinstrumentalstück Sole Truth durch interessante Percussions.

Als Hörer muss man also ein Faible für technische Verspieltheit mitbringen und darf keineswegs melodieabhängig sein, sonst wird man mit Eidolon sicher nicht warm werden. Die einfacheren, groovigen Parts hinterlassen jedoch einen versöhnlichen Eindruck und so nach und nach entwirren sich auch die kompliziert arrangierten Titel. Einfach konsumierbar klingt allerdings definitiv anders!