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Mit
nicht viel fand ein recht außergewöhnliches Scheibchen
den Weg auf meinen Schreibtisch. Dabei handelt es sich um die
in Eigenproduktion erstellte Debüt Langrille der Ruhrpöttler ACHTLOS.
Auf die Band aufmerksam geworden war ich bereits durch einige
Messagebord-Diskussionen, die ACHTLOS als die Nachfolger
der Böhsen Onkelz ausbuhten. Kurz darauf kam die Band von sich
aus auf uns zu und ich konnte mir nun selbst ein Urteil über den
vermeintlichen Makel bilden. Schon mal vorne weg ... alles Blödsinn!!!
ACHTLOS haben mit den Onkelz soviel zu tun, wie ein chinesischer
Sack Reis was mit meinen Balkonblumen. Sicherlich könnte man in
musikalischer Hinsicht ein paar Querverweise ziehen, das aber
auch nur im weiteren Sinne.
Gegründet
wurde die Band 1993 unter dem Namen Drunk as a Fish, um zunächst
neben ein paar eigenen Songs, Coverversionen unters Volk zu bringen.
In dieser Zeit entstanden zwei Demos. Nach der üblichen Staff
Rotation und der "keiner weiß so richtig warum" - Wende zu eigenen,
deutschsprachigen Songs, wurde 2000 die Band in ACHTLOS
umbenannt. Und endlich hat man es dann geschafft, die lange fertigen
Songs offiziell auf einen Silberling zu bannen und zu veröffentlichen.
Musikalisch gibt es soliden und gut gemachten, teils aggressiven,
teils recht melancholischen Deutsch Rock. Nicht mehr und nicht
weniger. Die Produktion ist gut und muss sich nicht hinter Labelproduktionen
verstecken. Sie könnte aber durchaus noch ein bisschen mehr Punch
vertragen. Ich schätze mal, dass die Jungs live wesentlich härter
rocken. Die Basics sind einfach gestrickt und die Riffs griffig.
Man lässt gekonnt stilistische Mittel einfließen, um Akzente zu
setzen und der Musik immer wieder neue Wendungen zu geben. So
gibt es beinahe jazzige Anleihen bei Überdenker, besonders
bei den Basslinien.
Lautstarkes Leben und der Titelsong nicht viel erinnern
in ihrer balladesken Form ein wenig an die Toten Hosen. Ebenso,
wie man diverse Rhythmen mit den Onkelz in Verbindung bringen
könnte. Aber auch nur deshalb, weil es eine bekannte Band ist
und viele deshalb als erstes eben die Onkelz im Kopf haben.
Aber
das ganz große Plus dieser Platte sind zweifelsohne die Texte!
Es ist eine wahre Freude, den Texten zu folgen und man ist jedes
Mal über das Ende überrascht. Ich hab mir nicht viel
mehrere Male angehört, ohne mir die Texte durchzulesen, einfach
nur, um das Feeling einzufangen und über die übereifrig falsch
gezogenen Schlussfolgerungen zu grinsen.
Die Texte behandeln alltägliche Geschichten des Lebens, wo allerdings
auch politische, soziale und zwischenmenschliche Relationen einfließen.
Aber es wird nie der Finger erhoben und Meinungen aufgezwungen.
Einzelne Komponenten werden zwar kritisch aber urteilsfrei beleuchtet
und lassen dem Hörer somit jede Menge Freiraum, eigene Schlussfolgerungen
und Interpretationen zu ziehen. Der erste, offensichtliche Eindruck
ist meist nur oberflächlich.
So beschreibt Zeit zum sterben vorrangig die letzten Züge
eines zum Tode verurteilten Kandidaten. Je nach Stimmung und persönlicher
Intellektualität lässt sich dieser Text aber auch auf viele andere
Gegebenheiten des Lebens anwenden.
Angst zeigt das seelische Innenleben einer Person, die
offensichtlich eine "negative Tat" begangen hat, ohne diese näher
zu beschreiben. Auch hier gibt es reichlich Platz für Interpretationen.
So kann es sich um ein "wirkliches" Verbrechen handeln, aber auch
was völlig Banales ist möglich, das nur im Hirn unseres Protagonisten
Angst auslöst.
In Überdenker geht es um die Bequemlichkeit, mit der Masse
im Strom zu schwimmen, ohne Dinge zu hinterfragen oder gar über
irgendetwas nachzudenken.
Bierchen ist ein Liebeslied ... an das kühle Blonde, das
Schwarze ... usw., nicht jedoch ohne kritische Akzente zwischen
den Zeilen, ebenso wie Sternhagelvoll.
Das beinahe komplett akustische Verlorene Welt setzt vor
dem Instrumental einhundert13 und dem kurzen und einzig
englischsprachigen scramp einen gefühlvollen und melancholischen
Abschluss.
Eigentlich
ist jedes Lied es wert, ausführlich darüber zu schreiben und zu
diskutieren. Das würde nur den Rahmen der Review sprengen. Zumal
eben jeder seine eigene Interpretationen haben kann. Also bleibt
mir zum Ende nur zu sagen: Wer Interesse an gutem Deutsch Rock
hat, sollte sich dieses Album auf jeden Fall zulegen! Nicht zuletzt
wegen der hervorragenden Texte. Nicht viel lässt
sich für 8,50 € auf der offiziellen Homepage von ACHTLOS
ordern.
Achtlos
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