Ja, ich
bekenne mich schuldig: Larger Than Life
liegt schon viel zu lange auf meinem Schreibtisch rum und wartet
darauf, endlich rezensiert zu werden. Verdient hat das erste
Lebenszeichen der Münsteraner Formation ANONYMUS
IV diese Wartezeit nun allerdings wirklich nicht.
Melancholischer (Gothic) Rock ist der Stil, dem man sich klar
hörbar verschrieben hat, irgendwo in der Schnittmenge zwischen
Dreadful Shadows, The Mission und Anathema. Laut Info hatten
nur die wenigsten der beteiligten Musiker vorher Kontakt zur
schwarzen Szene. Dafür klingen die drei auf der CD enthaltenen
Eigenkompositionen erstaunlich homogen, geradezu so, als würde
es in dieser Band nicht den sonst üblichen Prozess der
Stilfindung bzw. – reifung geben, als wäre das angestrebte
musikalische Ziel bereits klar umrissen und für jeden einzelnen
problemlos umsetzbar.
Folglich lässt das erste Stück Legacy Zweifel
daran aufkommen, ob es sich wirklich noch um eine Demo-Band
handelt. Zumeist eher ruhiger, aber im Refrain mit verzerrten
Gitarren kraftvoll zupackender Gothic Rock, der nicht nur aufgrund
der transparenten Produktion einen sehr professionellen Eindruck
vermittelt. Vielmehr sind es gerade die kleinen Details, die
vielleicht sogar beim „normalen“ Musikkonsumieren
etwas untergehen, die bei ANONYMUS IV den Unterschied
machen: einige interessante Sachen mit dem Schlagzeug oder hier
und da untypische Bass- oder Gitarrenläufe etc. Dabei wird
immer songdienlich vorgegangen, so dass den Hörer kein
Gefrickel erwartet, sondern eben nur mehr Substanz, wenn er
hinter die Kulisse schauen will. Aufhorchen lässt zudem
auch der mit tiefer Stimme vorgetragene und doch samtweiche
klare Gesang von Ole Arntz sowie das sehr gleichberechtigte
Zusammenspiel von Gitarren und Keyboards (bzw. Piano).
Die beiden anderen Stücke Another Racking Call
und Bleach gehen in etwa in die gleiche Richtung, wenngleich
ihnen ein wenig die vereinnahmende Atmosphäre des ersten
Tracks fehlt. Dieser beschließt dann Larger
Than Life auch in einer ca. 1,5 Minuten kürzeren
Fassung.
Insgesamt also ein sehr positiver Eindruck, den das erste Demo
bei hinterlässt. Wenn die Band auf dem Niveau weitermacht,
ist da noch einiges zu erwarten.