<< archive
 

Diorama

Soman

 
2005-04-22 DE – Krefeld - Kulturfabrik

Laptops im Nebel zwischen Pathos und Party

Rechtzeitig zum Wochenende hieß es mal wieder: „Ab nach Krefeld!“ Dort hatte sich ein hochkarätiges und abwechslungsreiches Electropackage in Form von VNV NATION, DIORAMA, beide mit jeweils neuem Album im Gepäck, und zu guter letzt den etwas härteren SOMAN angekündigt. Mit einer gehörigen Portion Skepsis, ob sich die ruhigeren Klänge von DIORAMA mit den partytauglichen Elementen von VNV NATION und SOMAN („Industrial For Clubs“) vertragen, durften wir inklusive einer beträchtlichen Anzahl von Besuchern des lange ausverkauften Konzertes erst einmal fast eine Stunde nach offiziellem Einlass vor verschlossenen Toren verbringen, bis die KuFa endlich ein Einsehen hatte, die mittlerweile schon leicht fröstelnden Fans reinzulassen.

SomanDafür ging es aber bereits nach einer kurzen Pause mit dem ersten Act :: SOMAN :: los. Der arme Protagonist hatte aufgrund der kleinen Bühne und bereits aufgebautem Equipment von DIORAMA und VNV NATION nur noch ca. einen Quadratmeter Platz für sein Laptop inklusive Mischpult übrig, den er aber sichtlich zu nutzen vermochte. Wie ein Derwisch zappelte der sonnenbebrillte „Mr. Soman“ (Zitat Ronan Harris) im stellenweise dichten Nebel während seines etwa 30-minütigen Gigs hinter seinem Laptop und versuchte dabei die sich rasch füllende Halle mit seinen instrumentalen, technoiden Industrialbeats und auffordernden Gesten einzuheizen. Vom Publikum bekam er aber leider nur spärliches Wippen im Takt zurück. Vielleicht war den Besuchern die etwas monotone Mischung in Kombination mit spärlichen und trockenen Ansagen zum Einstieg etwas zu hart. Da konnte auch der kurz vor Schluss eingebrachte SOMAN-Mix von VNV NATION's Chrome die Meute nicht mehr versöhnlich stimmen. Mir hat's wie auch einigen anderen jedenfalls schon gefallen.

Soman    Soman

Blitzschnell wurde Soman's Equipment weggeschleppt, ich konnte gerade mal eine Zigarette im Café rauchen, schon betraten :: DIORAMA :: die Bühne. Die Band, diesmal nur zu Dritt, zeigte sich sehr spielfreudig und konnte ihre Begeisterung auch auf das Publikum, dankbar, dass nun musikalisch einen Gang zurück geschaltete wurde, übertragen. Neben bekannten Hits der ersten beiden Alben wie Advance, Last Minute oder hla, kamen auch drei Songs des gerade erschienenen Albums Amaroid zum Zuge, die von den zum Teil wahrscheinlich extra für DIORAMA angereisten Fans sehr positiv aufgenommen wurden. Die Aufmerksamkeit galt in erster Linie Sänger Torben Wendt, der den guten Sound durch seinen klaren ausdrucksstarken Gesang perfektionierte, wobei Keyboarder Felix Marc und Gitarrist Sash Fiddler etwas im Hintergrund blieben. Nach kurzen 40 Minuten verließ die Band leider ohne die Möglichkeit einer Zugabe die Bühne, um den Weg für VNV NATION freizumachen. Nach dem Konzert mischten sich die Jungs von DIORAMA am Merchandisingstand noch unters Publikum und gab bereitwillig Autogramme.
Setlist: Logic Friends, Last Minute, Advance, The Girls, Someone Dies, Howland Road, hla

Diorama

Diorama

Diorama

Abermals gestaltete sich die Umbaupause erfreulich kurz und es wurde Zeit für den Headliner :: VNV NATION :: Die Dichte von VNV NATION-Shirts im Publikum war beeindruckend und wieder mal ein Beweis für die langjährige, treue Fanbase der Electrogröße. Der Bühnenaufbau war angeordnet wie auf der Futureperfect Tour, sprich der E-Drum-Hühne Mark Jackson wurde mittig auf einem Podest zwischen zwei Videoleinwänden und Keyboards (hier gab es ein Wiedersehen mit „Mr. Soman“, diesmal ohne Sonnenbrille aber dafür mit VNV-Hemd ausstaffiert) nebst Laptops eines bekannten US-amerikanischen Herstellers platziert, während Sänger und Animateur Ronan Harris ein schmaler Bereich am Vorderrand der Bühne blieb, den dieser –ständig in Bewegung- beackerte.
Von der Songauswahl boten VNV NATION einen repräsentativen Querschnitt aus ihren vier letzten Alben (das Debüt Advance And Follow wurde nicht berücksichtigt), der Einstieg erfolgte mit dem Intro des aktuellen Longplayers Matter And Form nebst der (Download-)Single Chrome. Das Publikum war sofort Feuer und Flamme und Frontmann Ronan Harris hatte allerspätestens nach den beiden Klassikern Joy und Darkangel das Publikum voll im Griff. Diese euphorische Stimmung sollte bis zum Ende des zweistündigen Konzertes durchhalten. Bis zur letzten Reihe des Saals wurde getanzt, mitgesungen und einfach nur Party gemacht. Die Band war von den Reaktionen der Fans sichtlich erfreut und der bekanntlich redselige Ronan zeigte sich zu teilweise längeren Ansprachen, Scherzen und Dankesworten an die Fans animiert. Typisch für die Performance von VNV NATION waren der enge Kontakt zwischen Fans und Bühne und die immer wieder eingebauten pathetischen Posen mit ausgestreckten Armen und geballten Fäusten zu beispielsweise dem neu aufgelegten Hit Honour oder Legion. Im Laufe des Konzertes jagte ein Höhepunkt den nächsten, aber nicht zu toppende Elemente waren für mich die A-capella-Version von Beloved (im Duett mit den Fans) und die selbstironische, oberposermäßige sowie obendrein synchrone(!) Tanzeinlage des Duos bei der allerletzten Zugabe Electronaut. Einfach nur genial.
Nachdem ich in der letzten Zeit einige Auftritte von VNV NATION auf Festivals verschmäht hatte, ist mir dieses Mal wieder klar geworden, dass VNV NATION einer der besten Liveacts des Genres sind, den man auf keinen Fall verpassen sollte und sich immer wieder ansehen kann.
Setlist: Into, Chrome, Joy, Darkangel, Arena, Standing, Epicentre, Entropy, Endless Skies, Legion Live, Kingdom, Honour 2003 // Homeward, Distant/Rubicon, Perpetual // Further, Beloved // Electronaut

 

story & pics © Daniel