« archive
Long Distance Calling
 
2026-04-08 DE – Essen - Lichtburg
| Einlass: 19 Uhr | Beginn: 20 Uhr | Tickets: 48 Euro + Gebühren |

20 Jahre LONG DISTANCE CALLING
Das Jubiläumskonzert in der Lichtburg zu Essen

20 Jahre LONG DISTANCE CALLING… Man könnte jetzt erstaunt sagen: Wer hätte das gedacht... Ist aber Quatsch.
Zum einen gibt es genug sehr erfolgreiche instrumentale Postrock Bands (zum Glück ist in diesem Genre aber noch genug Platz), und zum anderen begleite ich LONG DISTANCE CALLING seit ihren Anfangstagen - ist schließlich eine Band aus meiner Heimatstadt, deren Mitglieder vorher schon in anderen namhaften Bands unterwegs waren - und das Potential dieser Jungs war schon früh zu erkennen.
Das schmälert natürlich keineswegs den fantastischen Erfolg und auch nicht die großartige Geschichte, auf die die Band nun seit 20 Jahren zurückblicken kann.

hon das erste Demo Dmnstrtn sorgte seinerzeit für Furore und wurde in vielen Publikation hochgelobt und bewertet. Nur mit der Veröffentlichung des Debütalbums Satellite Bay in der Hinterhand spielten LONG DISTANCE CALLING bereits 2008 auf dem Roadburn, was einem Ritterschlag gleichkam ;)
Es folgten sieben weitere Alben, manchmal auch mit Gesang, durchweg von Fans und der Presse hochgelobt und mit diversen Chartplatzierungen und Award-Nominierungen veredelt.
Auch live waren LONG DISTANCE CALLING immer eine Garantie für einen großartigen Konzertabend. Ich habe bisher keine Show erlebt (und es waren schon viele), bei dem die Münsteraner nicht alles auf der Bühne gegeben hätten und dafür frenetisch abgefeiert wurden. Die Hallen wurden größer, aus Support-Touren wurden schon frühzeitig Headliner-Touren. Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an die erste Headliner-Tour von LONG DISTANCE CALLING mit Sólstafir, Audrey Horn und Sahg im Vorprogramm. Der Knaller!

Die Beständigkeit und Konsequenz im musikalischen Schaffen und die ständige Weiterentwicklung von LONG DISTANCE CALLING sind wirklich bemerkenswert. Und es geht ja weiter…
Da wäre zum Beispiel das für den 10. April (morgen) angekündigte neunte Album The Phantom Void. Der heutige Abend ist nicht nur Jubiläums-Show, sondern auch Release-Show. Und mir fallen auch noch ein paar außergewöhnliche Orte ein für die nächsten besonderen Konzerte oder Jubiläen ;)

Apropos Live-Location… LONG DISTANCE CALLING haben bereits 2024 eine außergewöhnliche und ausverkaufte Show in der :: Lichtburg :: zu Essen gespielt, welche ein Jahr später auf Vinyl und Blu-ray veröffentlicht wurde (Live At Lichtburg als 2LP + Blu-ray oder CD + Blu-ray, seit 5. Dezember 2025 erhältlich).
Als eines der renommiertesten und größten Kinos Deutschlands ist das wirklich ein wunderbarer und altehrwürdiger Ort für das Besondere. Ich habe hier schon so manch legendäres Konzert erlebt. LONG DISTANCE CALLING in 2024 leider nicht - das hole ich nun nach ;)

:: Fotos :: LONG DISTANCE CALLING ::

Für diesen besonderen Abend hatten :: LONG DISTANCE CALLING :: gleich zwei Sets angekündigt. Der eine sollte per Fan-Voting zusammengestellt werden, der andere sollte eine Überraschung sein. Nun, mit dem neuen Album auf der Ladentheke (morgen) muss man kein Hellseher sein, um zu ahnen, wie das Set ausfallen würde. Da ist dann wohl eher die Zusammensetzung des Fan-Votings die Überraschung ;)

An diesem wunderbar sonnigen Frühlingsabend zog es an die tausendzweihundert Fans in die Essener Innenstadt. Das Publikum war schon beinahe klassisch klischeehaft: in der Mehrheit der weiße, männliche und angegraute 40+ Prog-Fan mit entsprechendem Shirt, ein paar Frauen und nur wenige junge Leute. Ich hätte gern mehr "Nachwuchs" gesehen ;)
Natürlich wechselten erstmal unzählige The Phantom Void CDs und LPs (und Shirts) den Besitzer. Danach versanken die Fans mit Bier und Popcorn in den roten Plüschsesseln der Lichtburg, während die Nebelmaschine auf der Bühne bereits auf Hochtoren lief und das Kino in eine Räucherhöhle verwandelte. Die Blicke der Fotografen sprachen bereits Bände… ;)

LONG DISTANCE CALLING begannen pünktlich und ohne Firlefanz bei glasklarem Sound und einer maskierten Person auf der großen Leinwand. Wer die aktuellen Videos gesehen hatte, wusste, was nun kam: das brandneue Album The Phantom Void, und zwar in voller Länge.
Musikalisch begann der Abend eher ruhig und verträumt. Die Lichtshow war spartanisch und ohne Frontlicht, so dass die Band weitgehend im Nebel und im Dunklen verblieb. Perfekt für Stimmung und Atmosphäre, um tief eingesunken in dieseln Sesseln die Augen zu schließen und die Musik wirken zu lassen.
Ein Hauch von Western wehte durch The Spiral, während bei A Secret Place die Rhythmen schon ruppiger wurden. Spoken words zwischendrin setzte Akzente und insgesamt hat das neue Album einen leicht spacigen Touch. Ich finde, LONG DISTANCE CALLING haben dieses Mal sehr viel mehr Augenmerk auf das Drumming gelegt - immer wieder gab es prägnante und treibende Rhythmen, trotzdem entwickelte sich die Dynamik eher langsam. Hach, ich mag das neue Album!

Nach 45 Minuten Album-Releaseshow gab es fünfzehn Minuten Pause

Danach wurde es beim Fan-gewünschten Set deutlich lebhafter auf der Bühne. Erwartungsgemäß lag der Schwerpunkt auf den älteren Stücken. Besonders zum Ende hin, beginnend mit Black Paper Planes, hielt es den einen oder anderen nicht mehr auf den Sitzen.
Hier musste ich an ein Interview denken, dass ich mal mit Flo und David in den Anfangstagen von LDC gemacht habe, und bei dem sie sagten, dass LONG DISTANCE CALLING aus Jam-Sessions heraus entstanden ist, in denen quasi alles erlaubt war, außer Metal. Aber gerade die letzten Songs in diesem zweiten Set sind ja dann doch sehr metal-lastig ;)
Auch im zweiten Set gab es nur eine kurze Ansprache von Gitarrist Flo, der sich nun insbesondere bei den (langjährigen) Fans bedankte, ohne die diese Erfolgsgeschichte nicht möglich gewesen wäre. Nach standing ovations, einem Zugabesong und einem emotionalen Danke der Band, ging ein wunderbarer Liveabend zu ende.

Viele Fans waren durch und durch begeistert und strömten lebhaft diskutierend aus der Lichtburg. Für mich gab es dann doch ein paar Wermutstropfen.
Ich finde, dass sich die Dynamik der Musiker auf großer Bühne verliert. Jeder spielt für sich, immer in der Nähe des eigenen Effektboards. Wer LONG DISTANCE CALLING schonmal in kleineren Clubs/Hallen erlebt hat, weiß was ich meine. Auch eine bestuhlte Location schluckt einiges von den Vibes und dem Drive, den man sonst von einem LDC-Konzert her kennt.
Und ich muss gestehen, dass ich von einer Jubiläumsshow mehr erwartet hatte. Ich weiß, die Band ist dafür bekannt und liebt es, auf Firlefanz zu verzichten und die Musik für sich sprechen zu lassen. Für ein "reguläres" Konzert war diese Show ja auch fantastisch. Aber für ein 20-jähriges hätte ich mir schon ein bisschen mehr Schnickschnack gewünscht. Eine ausgefallene Lichtshow, Gastmusiker oder Gastsänger, eine besondere Songinterpretation vielleicht. Ich habe (zu meiner Schande) Live At Lichtburg noch nicht gesehen und weiß daher nicht, inwieweit man die heutige Show mit solchen Elementen "wiederholt" hätte. Und letztendlich ist das natürlich Nörgeln auf einem sehr hohen Niveau und schmälert nicht wirklich das Konzerterlebnis an sich. Aber ich wollte es erwähnt haben.

Band: David Jordan (git), Florian Füntmann (git), Jan Hoffmann (bass), Janosch Rathmer (drums)

Set 1: Mare, The Spiral, A Secret Place, Nocturnal, The Phantom Void, Shattered, Sinister Companion, The Very Last Day

Set 2: Into The Black Wide Open, Immunity, Old Love, Ductus, Black Paper Planes, Skydivers, Out There, Eraser // Metulsky Curse Revisited

Vielen Dank an :: ConcertTeamNRW :: für die Presse-Akkreditierung :)

story & pics © Dajana & Dajana Winkel • Photography