PeeWee Vignold
 

Lebe lieber ungewöhnlich

PeeWee Vignold

"Moin Shirin - mein derzeit einziger Kontakt zur Außenwelt..." So oder so ähnlich, lauten die Worte eines vollkommen gestressten Allround-Talentes, welches zwischen dem Schneiden der neuen Blutengel DVD, etlichen anderen Schreibarbeiten und dem stetigen Klingeln des Telefons, zu ertrinken droht...

Verbarrikadiert in einer kleinen Wohnung der Essener Innenstadt, findet sich Mr. Pee Wee Vignold gefangen in einem wahrhaftigen Arbeitsmarathon, als ich ihm meine erste Mail schicke. Als waschechter Fan seiner kolumnistischen Fähigkeiten und kleine (um es in Mr.P's Worten zu schreiben) "Pressemaus", kam ich natürlich nicht umhin, den 33-jähirgen Essener um ein Interview zu bitten, in welchem wir ein wenig Licht in den Dschungel seiner vielschichtigen Tätigkeiten bringen konnten - für ihn wie für mich, stellte besagtes Interview in gewisser Weise eine "Premiere" dar, da es meine erste, journalistische Face To Face - Begegnung war und Pee Wee's erstes Interview, welches sich speziell auf ihn als Person fokussieren sollte, anstatt lediglich auf themenbezogene Dinge seiner beachtlichen Reihe an Projekten einzugehen. Ein interessanter Ansatzpunkt also, welcher schon ein wenig Vorbereitung verlangte, jedoch ebenfalls einen facettenreichen Plausch der etwas anderen Art versprach...

Nachdem der erste Termin - aufgrund der desolaten Verfassung meiner Stimmbänder - um eine Woche verschoben werden musste, trafen wir uns an einem Donnerstag Nachmittag (sprich: zu einer halbwegs humanen Zeit für Nachtschwärmer wie Pee Wee) direkt im "vignold'schen" Headquarter in Essen. Noch bevor der Herr mir die Tür öffnete, wurde ich von einer amüsanten South Park-Fußmatte im Eingangsbereich seiner Bleibe empfangen und ehe ich mich versah fand' ich mich in dem künstlerisch gestalteten, produktiven Chaos der peewischen Räumlichkeiten wieder. Nach einem kurzen Small-Talk, sollte es auch direkt losgehen und wir platzierten uns, bewaffnet mit Aschenbecher, Zigaretten und natürlich dem heiligen Diktiergerät, auf einem großzügigen, schwarzen Bett, mitten in einem Wohn/Schlafzimmer, in welchem der riesige Fernseher, am Fuße des Raumes, seiner altbekannten "Lagerfeuer-Funktion" sicherlich gerecht werden konnte...

Ich starte meinen scheinbar endlosen Fragebogen mit einer kurzen Erläuterung des Aufbaus, in welcher ich Pee Wee kurz erkläre, dass meine Fragen an ihn recht chronologischer Natur sind, damit der Leser diesem imaginären Trip in Pee Wee's außergewöhnliche Welt zwischen Gonzo-Journalismus, ambitionierter Filmemacherei und dem Leben eines Rockstars - auch dementsprechend folgen kann; schließlich kann ja nun wahrlich nicht jedermann von sich behaupten, dass er mit knapp 34 Jahren auf ein derartiges Potpourri an erfolgreichen Underground-Projekten zurückblicken kann! Pee Wee grinst mich daraufhin verschmitzt an und ich brauche einen kurzen Moment, um meinem ersten Eindruck von seiner Person gedanklich einzuordnen: Da ist dieser interessante Kontrast zwischen einer fragilen Schüchternheit und einem Hauch von Zielstrebigkeit, innerlicher Ruhe und einer Art von Individualismus, wie sie nur ein Mann ausstrahlen kann, der eine ganze Menge gesehen und erlebt hat und somit weiß, wovon er spricht.

Als allererstes befrage ich Mr. Vignold zu seiner Schulzeit, seinen Kindheitserinnerungen und seinen ersten Erfahrungen im journalistischen, musikalischen und filmtechnischen Bereich. Er überlegt kurz, zündet sich eine Zigarette an und beginnt zu erzählen: "Also, ich war eigentlich schon damals eher der absolute Außenseiter: Erst mit Brille, Zahnspange und unmöglicher Frisur und dann kam irgendwann die Zeit, in der ich den Metal für mich entdeckt habe. Ich kaufte mir mein erstes IRON MAIDEN-Shirt, die Haare wurden langsam länger und als irgendwann das schwarze Album von METALLICA rauskam und ich Enter Sandman zum ersten Mal im Radio hörte, da war ich komplett hin und weg." Er hält kurz inne, zieht an seiner Zigarette und beendet sein Statement mit: "...und dann kamen die Grufties" und wir beide müssen grinsen. "Das müsste so Ende der Achtziger Jahre gewesen sein...Und ich bin daraufhin quasi durch Zufall auch zu einem etwas extremeren Kleidungsstil übergegangen. Eine Freundin von mir hatte damals ne' Lederhose für einen Kumpel im Auto rumfliegen. Besagter Kumpel ist aber nicht gekommen und somit hab' ich mir die Hose dann unter den Nagel gerissen - zumal sie wie angegossen passte. Da gibt es auch so'n schönes Abi-Foto von mir, in Lederhose, mit ’ner Lederjacke und so einer Rozz-Williams-Frisur, was schon n' bisschen overdressed war." Kurzes Schweigen. Ein nachdenklicher Blick. "Joa...das war eigentlich so meine Schulzeit, wenn man sich mal rein auf die musikalische und stilistische Orientierung fokussiert." Ich nicke und frage Pee Wee daraufhin, wie seine Eltern denn damals mit seinen doch recht außergewöhnlichen Interessen und seinem untypischen Lebensweg umgegangen sind: " Na ja, meine Eltern haben natürlich immer gesagt: "Mach dein ABI zu Ende, such' dir ’nen vernünftigen Job oder mach ’ne Ausbildung und letzten Endes haben sie mich dann auch durchs Abitur getreten, obwohl mir das ABI an sich total egal war. Ich brauchte es halt nur, um mich proforma an der Uni einzuschreiben. Ich schwöre dir: Ich hab' noch nie einen Hörsaal von innen gesehen..." Ich muss erst kurz stutzen, dann grinsen und ich beschließe, thematisch erst einmal noch bei seinen fachspezifischen Interessen zu bleiben, um das "Saatgut" seiner Karriere als Journalist etwas zu beleuchten. Auf die - zugegebenermaßen - äußerst interessante Hörsaal-Geschichte, sollten wir kurze Zeit später noch einmal zu sprechen kommen.
Auf die Frage nach seinen LK’s lächelt er mich etwas belustigt an:
"Ich hatte Deutsch und Bio. In Deutsch war ich auch relativ gut - zumindest hat mich mein Deutschlehrer immer dazu motiviert weiterzumachen. Bio war allerdings die absolute Hölle! Da war ich schon im Grundkurs ein totaler Versager, aber ich musste Bio später als Leistungskurs nehmen, damit ich Deutsch anwählen konnte. Im Endeffekt hab ich dann auch so ein richtig bombastisches ABI mit 'nem 3,6-er Schnitt hingelegt - ganz wie sich das gehört..." Anscheinend war der Herr also schon immer gut darin, gegen den Strom zu schwimmen. Umso beachtlicher erscheint es mir anhand dessen, was er über die Jahre alles auf die Beine gestellt hat und dass er neben seiner - mittlerweile wohl unter Kultstatus zu verbuchenden - Kolumne, sowohl als Redakteur bei der Szene-Zeitschrift SONIC SEDUCER, wie auch als Keyboarder bei den allseits bekannten ETERNAL AFFLICT in sämtlichen Bereichen der Branche seinen Stempel hinterlassen hat, um sich "so ganz nebenbei" auch noch vor und hinter der Kamera, sowie als Musik-Supervisor bei diversen Filmprojekten zu beteiligen und schlussendlich eine eigene Firma mit dem Namen One Man Gang Pictures zu gründen... Aber ich will noch vorgreifen und gehe somit erst einmal wieder auf Pee Wee's Studienzeit und sein skurriles Statement bezüglich der, ihm gänzlich fremden, Hörsäle ein: "Ich habe Kommunikationswissenschaften, Philosophie und Anglistik studiert, aber hab' das im Endeffekt nur gemacht, weil ich das Studium als soziale Absicherung für meine eigentlichen Pläne brauchte: Ich wollte Musik machen... Allerdings hatte ich dermaßen hohe Ansprüche an mich selbst, dass mein "tolles" Album nie erschienen ist und als es dann '99 bei uns in der WG gebrannt hat, da sah unser Studio auch ziemlich scheiße aus und ich hab die Sache erstmal ad acta gelegt und bin auf die Filmemacherei gestoßen..." Bevor wir auf das Thema Film zusteuern, stelle ich Pee Wee noch ein paar Fragen rund um seine Erfahrungen als Musiker und den berühmt-berüchtigten "Rock n' Roll" Lifestyle": " Irgendwann im Jahre '93 bin ich durch einen Zufall auf meine "Essener-Kollegen" von THE ETERNAL AFFLICT gestoßen und war seit der Trauma Over Europe-Tour Keyboarder dort. Das war schon 'ne geile Zeit, weil wir damals wirklich diesen klassischen "Rock n' Roll" gelebt haben und unsere komplette Gage für Whiskey Cola-Dosen ausgegeben haben..." Ich muss lachen und es folgt eine kurze Abhandlung über den himmlischen Geschmack von Jack Daniels-Cola, bevor Pee Wee fortfährt: "Ich meine, die Zeit auf Tour haben wir damals schon so richtig "klischee-mäßig" verbracht und haben so ziemlich alles gemacht, was man nicht machen sollte. Aber auf dem Höhepunkt unserer Karriere haben wir im Schnitt wirklich vor einem riesigen Publikum gespielt und das war eine Wahnsinns Erfahrung... Irgendwann hatten wir dann auch ’ne Phase, in der wir sehr bemüht darum waren, uns wie Profis zu verhalten. Wir haben echt exzessiv geprobt und ich habe versucht, soviel live zu spielen, wie es eben ging. Ich bin dann nach der Katharsis, so im Februar 2004 ausgestiegen und hab' im Sommer letzten Jahres meinen ersten Gig als Keyboarder bei PZYCHOBITCH gespielt..." Besagtes Duo dürfte - spätestens seit dem Erfolgsalbum The Day After - in aller Munde sein und wenn man den markanten Klängen des Clubkrachers Wake Up gedenkt, bedarf es an dieser Stelle wohl keiner näheren Erläuterung mehr. Das Video zu Sweet Kiss, in welchem Frontfrau Sina in einem schicken, gelben Flitzer durch die Gegend jagt, entstammt übrigens auch dem geschickten Händchen, des Herrn Vignold, der es tatsächlich geschafft hat, mit lediglich rund 100 Euro Budget in der Tasche, einen akzentuierten Musikclip zu drehen, welchem man den finanziellen Background absolut nicht anmerkt!
Bei meiner Frage nach irgendwelchen, vorhandenen Vorbildern, welche Pee Wee in seiner Jugendzeit maßgeblich geprägt haben, nickt er heftig und sagt:
"Ja, diese ganzen langhaarigen Typen in den Metal-Magazinen, haben mich damals schon sehr inspiriert. Dave Mustain (Megadeth) zum Beispiel - den schätze ich auch heute noch sehr, obwohl ich sagen muss, dass er die beste Musik gemacht hat, als er noch auf Heroin war..." Kurzes Schweigen. Die Zigarette wandert in den Aschenbecher. "Metal war mich damals der Weg, dass machen zu können, was ich wollte und damit trotzdem Geld zu verdienen..." Wir schlagen den Bogen zu Pee Wee's redaktionellen Tätigkeiten und ich frage ihn, wie es zu seinen ersten Kolumnen und seiner Mitarbeit bei dem 90-er Jahre Mag NEURO STYLE kam: "Also, ich war ja praktisch vom ersten Heft an dabei, weil ich mit Thorsten Stroth - der jetzt als Promoter bei "Dependent-Records" arbeitet und auch schon ne' Menge Bands groß rausgebracht hat - zu der Zeit viele Wochenenden verbracht habe und wie das dann halt so ist, saßen wir irgendwann da und jemand kam mit irgendeinem Reizthema an, dass mir schon lange auf der Zunge lag. Ich hab' dann so richtig losgelegt und Thorsten meinte dann zu mir, ich solle doch mal ’ne Kolumne darüber schreiben. Ich wusste anfangs gar nicht, was er von mir wollte und wie ich das anstellen sollte und er sagte: "Mach einfach! Schreib' über das was dir so im Kopf rumschwirrt... was dich aufregt..." Ich war am Anfang natürlich noch recht unsicher, aber die Zweite wurde dann schon wesentlich besser... Und das war halt der Anfang von der ganzen Schreiberei. Ich hab' das damals, wie bei so vielen anderen Sachen, an sich nur gemacht, um ein bisschen Kohle zu verdienen, weil ich bis dato hauptsächlich vom Plattenauflegen gelebt habe. Also, ich hab' mir nicht gesagt, dass ich Schriftsteller werden will, oder so... Das hat sich eher so ergeben... und die Kohle, die ich dadurch verdient habe, die habe ich dann gleich wieder in die Musik gesteckt, insofern war das ’n ganz guter Deal."
Da Pee Wee in Bezug auf die Entwicklung und den Produktionszyklus sämtlicher Musikmagazine, sicherlich über ein ziemlich fundiertes Wissen verfügt und aufgrund seiner jahrelangen Tätigkeiten in diesem Bereich durchaus gute Vergleichsmöglichkeiten hat, frage ich ihn, wie er die Entwicklung der deutschen Szenemagazine allgemein so sieht und ob es in den letzten Jahren irgendwelche bahnbrechenden Veränderungen auf diesem Sektor gegeben hat: "Na ja, also im großen und ganzen hat sich da schon einiges getan, einfach weil die Szene vor zehn Jahren oder so, noch "in den Startlöchern" steckte und mittlerweile von wirklichem "Independent" nicht mehr ganz soviel übrig ist, weil die vieles mehr und mehr zum Trend wird und auch in den Discos immer mehr Zeug aus den Deutschen Alternative Charts gespielt wird..." Um gleich bei "Anfängen und Entwicklung" zu bleiben, interessiert mich, wie Pee Wee seine ersten journalistischen Begegnungen mit der Welt der "Stars und Sternchen" in Erinnerung behalten hat und was er dabei zunächst empfunden bzw. gedacht haben mag: "Also, die erste Erfahrung, die man macht, ist sicherlich die, dass man feststellt, dass auch solche Leute nur mit Wasser kochen und "ganz normale Menschen" sind und nach dem 20-ten oder 30-ten Interview wird die ganze Sache dann auch zur Routine und man erlebt nicht sonderlich viele Überraschungen mehr. Ich habe damals ja so als klassischer Fan angefangen und im Nachhinein wirklich festgestellt, dass man einige Sachen sehr mystifiziert und manchmal wie vor den Kopf gestoßen ist, wenn man dann merkt, dass diese Welt, die man sich über irgendeinen bestimmten Musiker aufgebaut hat, auch nur Schall und Rausch ist und dass manche Dinge, über die man vielleicht endlos nachgedacht hat und einen vermeintlichen tiefergehenden Sinn dahinter gefunden hat, dann doch nur Zufall waren. Das kann am Anfang schon sehr ernüchternd sein..." Mittlerweile ist der gute Pee Wee aber sicherlich ein "alter Hase" in dem Business, zumal er durch seine Arbeit beim SONIC SEDUCER für eines der bekanntesten deutschen Alternative-Magazine schreibt, obwohl seine Mitarbeit sich anfangs lediglich in einer Funktion als Gastrezensent äußerte... "Redaktionsleiter Thomas Clausen hat mich drei Tage, bevor meine Wohnung abgebrannt ist angerufen und gefragt, ob ich nicht beim Soundcheck mitmachen will. Ursprünglich sollte das eine einmalige Sache sein: Sprich einen fetten Packen CD’s rezensieren und gut iss', aber da ich ohnehin schon überlegt hatte, dort zu schreiben, da die NEURO STYLE ja eingestellt wurde, hab' ich mich irgendwie mit ihm festgequatscht und ihm erzählt, dass ich gerne wieder schreiben würde. So hab ich dann zunächst als Gastrezensent beim SONIC SEDUCER angefangen und hab mir unter anderem ne' halbseitige Kolumne an Land gezogen. Ungefähr ein Jahr später hab' ich dann fest in der Redaktion angefangen, obwohl ich zu dieser Zeit eigentlich eine Ausbildung zum Mediengestalter machen wollte. Das Programm ist dann allerdings gecancelled worden und eine Freundin von mir, die in einem Plattenladen arbeitete, hat mir dann gesteckt, dass der SONIC SEDUCER wohl einen Job zu vergeben hätte und dass redaktionsintern wohl schon diskutiert wurde, ob man mir den Job nicht anbieten sollte. Daraufhin habe ich Clausen angerufen und einen Tag später war ich zum Vorstellungsgespräch dort..." Während ich unwillkürlich an junge Gothic-Chicks, welche sich am Bahnhofskiosk um die aktuelle Ausgabe der SONIC SEDUCER's kloppen, denken muss, drängt sich mir die Frage auf, wie es denn hinter den Kulissen eines solchen Magazins nun tatsächlich zugeht, gefolgt von der dumpfen Ahnung, dass man sich als Käufer und Leser wohl kaum auszumalen vermag, was für eine heiden Arbeit dahinter steckt. "Also manche denken fälschlicherweise, dass man den ganzen Tag damit zubringt Plattenkritiken zu verfassen und ähnliches zu machen, aber in der Redaktion fällt auch ohne Ende Bürokram an und lauter triviales Zeug wie zum Beispiel hinter Fotos her zu telefonieren oder den Schreibern auf die Füsse zu treten, damit sie ihre Artikel rechtzeitig schreiben und schicken. Es gibt dann natürlich auch so "Fun-Parts" das monatliche Ausdenken der Quizfrage, was allerdings auch meistens nicht weiter schwierig war, da die Gespräche, welche außerhalb der anfallenden Tätigkeiten in der Redaktion geführt wurden, meistens ein ziemlich absurdes Niveau hatten. Da regiert produktiver Wahnsinn!" Ich nicke und werfe kurz ein, dass es doch bestimmt auch irrsinnig stressig werden kann... "Oh ja, dass kann schon ziemlich stressig werden! Es ist ja auch so, dass wir so im großen und ganzen schon eine Art "Aufgabenteilung" hatten, also, dass jeder irgendwie das machte, was er gut kann, aber wenn dann mal einer ausgefallen ist, dann mussten die Anderen auch durchaus in der Lage sein, den Job desjenigen zu übernehmen..." Cut. Das surrende Telefon aus dem Nebenzimmer unterbricht Pee Wee's Redefluss. Er rollt die Augen, murmelt etwas von "Constance Rudert" und dass es wohl um die Blutengel DVD geht, die einfach nicht fertig werden will und entschuldigt sich, bevor er aufspringt und zum Telefon hechtet. Ich nutze die kurze Auszeit, um mich kurz zu sammeln und glücklicherweise fällt mir ein, dass ich vollkommen vergessen habe, den Mann nach seinem damaligen "Ültje-Werbespot" zu fragen. Zeitgleich mit besagter Erleuchtung drängt sich das ulkige Bild meines Vaters - seines Zeichens bekennender Erdnuss-Fetischist - in meine Gedanken und ich sehe ihn vor mir, wie er mit einer riesigen Packung "Ültje-Erdnüsse" bewaffnet vor dem Fernseher im Lehnsessel sitzt und sich zum zwanzigsten Mal Jurassic Park 1 reinzieht. Doch Pee Wee's erneute Anwesenheit reißt mich aus meinen Gedanken und prompt bitte ich ihn, mir doch mal näheres über diesen denkwürdigen Werbespot zu berichten... "Also, die Sache hat sich über einen Freund von mir ergeben, der mit ’nem Mädel zusammen war, dessen Vater in ’ner Werbeagentur gearbeitet hat. Und die hatten dann halt den Job für den Spot ausgeschrieben. Alleine dafür, dass man die Demos einschickte, bekam man schonmal ’nen Tausender cash auf die Kralle - so als Entschädigung - und da haben wir uns natürlich gesagt: "Ey, klar! Das machen wir." Daraufhin haben wir uns dann ‘n Wochenende hingesetzt, irgendwas rausgehauen und wir sind dann auch tatsächlich genommen worden! Ich fürchte aber, dass man den Spot nicht mehr ansehen kann, weil der aus dem Programm genommen wurde... Wir hatten damals ’n bisschen Stress wegen ’nem nicht freigegebenen Sample, den wir benutzt hatten und sind dafür jetzt in der Werbe-Branche "ge-black-listet", was heißt, dass wir da aller Voraussicht nach nie wieder ’nen Job kriegen werden..." Als ich Pee Wee wenig später nach seiner Zeit als DJ im legendären Lurie-Club (oftmals auch als das "Studio 54 der Gothic-Szene" bezeichnet) frage, verdunkeln sich seine Gesichtszüge für eine kurzen Moment und da ich mir den Grund dafür bereits denken kann, schiebe ich noch mit ein, dass mich interessieren würde, wie er denn die Entwicklung der alternativen Disco-Szene in den letzten Jahren sieht und ob diese ganze Revival-Geschichte, der alten Lurie-Parties überhaupt noch als authentisch zu bezeichnen ist... "Das ist es leider nicht mehr! Seitdem es die DAC-Charts gibt, läuft nämlich landesweit in allen Clubs dasselbe und das war früher anders. Manchmal sind wir Freitags auf irgend ’ner Party gewesen, daraufhin Samstags woanders und manchmal sind wir dann am Sonntag in noch einen anderen Club gedüst und überall waren andere DJ’s, die auch dementsprechend andere Musik gespielt haben. Ich meine, sicherlich gab' es Schnittmengen, aber nicht so wie heute... Heute kann man ja schon voraussagen, was der DJ als nächstes auflegt. Als ich die letzten beiden Male in der "Matrix" war, zum Beispiel, da war die Titelabfolge in den letzten zwei Stunden haargenau dieselbe und sowas ist einfach nur traurig! Irgendwann hat die ganze Sache so abgefärbt, dass das "Lurie" nicht mehr ging, nur weil wir keinen Futurepop gespielt haben und ab dem Zeitpunkt war es bei mir vorbei... Die Grundidee, der Lurie-Parties bestand an sich ja darin, dass wir einfach nur versucht haben, coole Musik zu machen und nicht die ausgetretenen Pfade weiterzulatschen, die es schon gab. Ich bin zum Beispiel immer unheimlich auf Industrial-Metal abgefahren und sowas hört man in den Clubs ja wirklich kaum. Gut, es gibt vielleicht mal 1-2 Stücke von MINISTRY, aber das war's dann auch... Daran wollte ich einfach was ändern und das haben wir gemacht...."
Zum Thema "Der Richtige Zeitpunkt zum Aufhören", fällt mir ein vignold'sches Originalzitat ein, in welchem es heißt, dass der Herr nichts erbärmlicher findet, als wenn man den richtigen Zeitpunkt verpasst, um mit einer bestimmten Sache aufzuhören, wenn sie einfach nicht mehr funktioniert. Dazu will ich natürlich mehr wissen und gehe nochmal kurz auf besagtes Zitat ein: "Ja, dass sehe ich so - da hast du Recht. Ich weiß nicht woran es liegt, aber es gibt für mich nichts schlimmeres, als irgendwie zu stagnieren. Ich bin manchmal sehr rastlos... Vielleicht ist es, weil ich meinen Platz irgendwie noch nicht so richtig gefunden habe... Ich weiß es nicht, aber ich finde es einfach schlimm, wenn ich Leute sehe, die immer nur dasselbe machen, weil sie einfach nichts anderes können oder nicht bereit sind, sich weiter zu entwickeln." Ich kann diese Denkensweise selbst auch recht gut nachvollziehen und wo wir dann schonmal bei "tiefsinnigeren Thematiken" angelangt zu sein scheinen, springe ich auch gleich auf den Zug auf, und schlage den Bogen zu Kolumnen - welche mittlerweile wirklich einen Kultstatus verdienen. Ob nun We came to hate (welche im NEURO-STYLE erschien) oder seine aktuelle, namentlich bekannt unter Der schmale Grat (im SONIC SEDUCER): Pee Wee's sarkastische, aber dennoch sensible Abhandlungen über die unterschiedlichsten Thematiken, sind nicht nur eine Pflichtlektüre für Szene-Gänger! Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, da mich sowohl meine Mutter, wie auch einige Freunde und Bekannte von mir (allesamt eingefleischte Reggae-Fans) jüngst darum baten, ihnen ein paar seiner schriftlichen Goldstücke per E-Mail zukommen zu lassen... Zur zeitlichen und inhaltlichen Entwicklung seiner Werke hat Pee Wee folgendes zu berichten: "Hmm... also, wenn man "Der schmale Grat" mit "We came to hate" vergleicht, dann ist ersteres wohl Desperado während letzteres El Mariachi darstellt....wenn du weißt was ich meine...(jaja...da spricht der Filmfreak ;-), Anm.d.Verf.) Während der We came to hate-Zeit, da habe ich eher noch ein bisschen "rumgestochert" und geguckt, was ich da eigentlich mache, während ich, als die Sache mit dem schmalen Grat anfing, schon ziemlich genau wusste, wie das alles zu laufen hat und wie ich das Ding aufziehe. Außerdem steht Der schmale Grat mehr so im Zeichen des Gonzo-Journalismus, von Hunter S. Thompson, der ja die Auffassung vertat, dass man mit halb-fiktionalem Journalismus ein höheres Maß an Authentizität erreicht, als wenn man einfach nur Fakten runter betet, was dann zum Beispiel dazu führt, dass ich mich fiktiv selbst verstümmele oder mich drei Tage in der Redaktion einschließen lasse - was ich natürlich nie gemacht habe... Gott und die Welt hat uns ja daraufhin auch angeschrieben und gefragt, ob das wirklich passiert ist." Die Wirkung dieser Art von Journalismus auf den Leser liegt auf der Hand und wenn man sich Pee Wee's Kolumnen zu Gemüte führt, hat man oftmals das Gefühl einen kleinen Einblick in seine verrückte Welt zu erhalten, ohne zu merken, dass einiges - wie eben schon gesagt - lediglich Fiktion ist, die zur Unterhaltung dienen soll. Hinzu kommt, dass Geschichten, welche in der Ich-Perspektive verfasst werden, im Allgemeinen wesentlich persönlicher wirken und im Geiste des Lesers unweigerliche Assoziationen mit ihrem Autor hervorrufen. Ich frage Pee Wee also, inwieweit besagtes "Erzähler-Ich" wirklich ihn selbst als Person darstellt und inwieweit der Part der Fiktion eine Rolle spielt. Außerdem interessiert mich, wie er damit umgeht, dass ein kleiner Teil seiner Person - zumindestens unter dem Blickwinkel vieler Leser - der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird und ob er mit dieser Tatsache schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht hat. Er überlegt eine Weile und meint dazu schließlich: "Also, es ist mir bisher noch nicht passiert, dass jemand der Ansicht war, mich nur aufgrund meiner Kolumnen auch als Person im realen Leben einschätzen zu können oder zu kennen. Aber es kam schon vor, dass manche Leute meine Kolumnen wesentlich genauer gelesen hatten, als ich selbst und mich dann auf Dinge ansprachen, die ich schon wieder vollkommen vergessen hatte. Was den Bezug des Erzählers zu meiner Person angeht: Also, dieser Typ der die Kolumnen schreibt ist über die Jahre sicherlich mehr und mehr zu einer Kunstfigur geworden, welche meine ganzen schlechten Seiten reflektiert und Dinge, wo ich mir ausmahlen kann, dass sie mir zustoßen könnten, wenn ich es drauf anlegen würde. Ich will nicht behaupten, dass ich im wirklichen Leben ausgeglichener bin. Die ganzen Storys kommen ja schon irgendwoher - ich meine, hätte ich gewisse Gedankengänge nie gehabt, könnte ich sie auch nicht aufschreiben. Manche Gedankengänge finde ich aber auch einfach nur so absurd, dass ich sie propagieren möchte, um zu sehen, wie die Leser damit umgehen. Das Konzept hinter der ganzen Sache sieht so aus: Stell' dir einfach vor, du kommst nach ’ner durchzechten Nacht nach Hause, sitzt mit ’n paar Freunden irgendwo in deiner Wohnung und neben dir sitzt ’n Typ, der schwallt dich die ganze Zeit mit irgend ’nem Zeug zu, was eigentlich vollkommen haltlos ist, aber irgendwie macht es auch Sinn. Das ist halt so der Grundgedanke dahinter. Tja und dann kam der 11.9. (für alle Unwissenden: der Herr spricht von dem bedeutungsschwangeren Anschlag auf das amerikanische World-Trade Center im September 2001) und da hab' ich den Journalismus mal auf einer ganz anderen Ebene für mich entdeckt. Ich bin dann im Internet auf viele "verwandte Geister" gestoßen, die den Job schon wesentlich länger machten als ich - zum Beispiel Mathias Broeckers (allen Neugierigen unter Euch sei ein Besuch auf www.broeckers.com empfohlen. Dort findet Ihr alle notwendigen Infos zu seiner Arbeit und könnt Euch sein kleines Meisterwerk Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9. direkt bestellen!!!), der wirklich hervorragende Arbeit geleistet hat, indem er die "offizielle Version" der Geschichte um den 11.9. herum in einigen Punkten widerlegen konnte und einige sehr interessante Fragen gestellt hat. Ich habe es irgendwie als meine Pflicht angesehen, dieses Thema an eine Zielgruppe weiterzugeben, die auf natürlichem Wege wahrscheinlich nicht an diese Informationen gekommen wäre, was auch ein Grund dafür ist, warum ich mich ein bisschen in dieser Thematik festgebissen habe. Da kommen auch immer wieder neue Sachen raus, die die Ansicht untermauern, dass die Version die zu diesen Tag in die Geschichtsbücher kommt in... lass es fünf oder zehn Jahren sein... nicht mehr tragbar ist."
Bevor ich dem Herren noch einige etwas persönlichere Fragen stelle, komme ich noch auf den, überall sehnlichst erwarteten, zweiten Teil des Vampirsteifens KINDER DER NACHT zu sprechen, welcher sich zur Zeit - unter den Fittichen von Produzent Heiko Bender meinem wehrten Gegenüber - in der Post Production befindet. Mit Porno-Star Kelly Trump (als Justine) sowie einigen Szenegrößen wie Chris Pohl (als blutsaugender Nachclubbesitzer), seiner musikalische Gefährtin Constance Rudert (Blutengel) und Bela B. Felsenheimer (Die Ärzte), hat man es geschafft ein spannendes Ensemble zusammen zu trommeln und verspricht einen Vampirstreifen mit Road-Movie-Ambitionen, der sich - nicht nur in punkto Specialeffects - deutlich von anderen deutschen "Low-Budget-Kollegen" abheben soll! Auf meine Frage, ob denn mittlerweile abzusehen ist, wann der Film endlich in den Kinos zu bewundern ist, muss Pee Wee kurz zögern. "Also, wir haben dieses Jahr so eine Art "Blutschwur" gemacht, dass wir ihn in diesem Jahr wirklich fertig kriegen müssen, weil wir die ganze Sache sonst echt langsam einstampfen können. Irgendwann glaubt ja keiner mehr, dass der Streifen überhaupt nochmal fertig wird. Deswegen MUSS das Ding dieses Jahr fertig werden - wie auch immer..." In Bezug auf Low-Budget-Produktionen stellt sich ja erst einmal die Frage, wie so ein Film finanziell zu realisieren ist und Pee Wee meint dazu: "Na ja...es ist halt schon so, dass keiner Geld kriegt und wenn man dann Geld braucht, dann muss es halt irgendwo her kommen. Wir hatten eine Zeitlang mal einen Produzenten, der echt ’ne Menge Kohle in das Projekt gesteckt hat, der jetzt aber leider auch ausgestiegen ist, weil er halt auch keine Lust mehr hatte zu warten und zur Zeit stehen wir ohne Produzenten da, was aber auch kein so großer Beinbruch mehr ist, weil alles was Geld kostet im Großen und Ganzen schon gemacht ist. Das heißt, der einzige finanzielle Aufwand besteht jetzt noch darin, uns am Leben zu erhalten, damit wir halt die Arbeit machen können... (Na, dann wollen wir aber mal schwer hoffen, dass das auch hinhaut - und das nicht nur des Filmes wegen....Anm.d.Verf.)"
Als Kameramann, Musiksupervisor, sowie als Besetzung zweier Nebenrollen, konnte sich Pee Wee in KINDER DER NACHT 2 auf sämtlichen Gebieten des Filmemachens austoben und mich interessiert natürlich, welcher Part ihm nun am meisten gelegen hat: "Ich fand' die Arbeit vor der Kamera auf jeden Fall cool, aber die Arbeit hinter der Kamera ist absolut mehr mein Ding. Weil die Arbeit vor der Kamera einfach andere besser können und außerdem spreche ich dafür auch zu leise..."
In Anbetracht einiger aufnahmetechnischer Probleme während des Interviews, welche von Pee Wee's leiser Stimme herrührten, müssen wir beide kurz lachen, bevor er fortfährt: "Außerdem will ich mich da auch nicht so in den Vordergrund drängen, weil wenn jemand anders das besser draufhat als ich, dann ist das schon völlig okay. Als ich Musik gemacht habe, da war ich schon sehr egomanisch und besessen von dem Gedanken das Ganze wirklich von A-Z alleine zu machen, aber über die Jahre habe ich gelernt, dass es einfach Sinn macht, wenn man vom Schicksal mit jemandem zusammengeführt wird, der es besser kann, manche Aufgaben abzugeben. Mittlerweile sind wir halt ein ziemlich großes Netzwerk von Spezialisten die ihre Nummer alle ziemlich gut draufhaben und insofern passt das schon alles. Auf dem Set ging es auch ziemlich professionell aber auch sehr familiär zu, sodass nach ein paar Stunden teilweise schon Geschichten ausgetauscht wurden, die man sich normalerweise erst erzählt, wenn man sich schon länger kennt. Ich habe da wirklich einige großartige Erfahrungen sammeln dürfen." Wirft man mal einen Blick auf den Undeground-Filmmarkt im Allgemeinen, so stellt man fest, dass dieser derzeit mächtig floriert und ich frage Pee Wee nach seiner Auffassung zu besagtem Thema: "Die Sache explodiert derzeit ganz gewaltig, weil der Mainstream durch Filme wie "Herr der Ringe" oder "Spiderman" jetzt auch so langsam begreift, dass Leute mit 10.000 Dollar-Filmen, in denen Blut und Gedärme rumgespritzt sind, auch in der Lage sind, großartige Filme zu machen und riesige Mengen an Geld einzuspielen, einfach weil sie das nicht auf irgend ’ner Filmschule gelernt haben, sondern sich selber beigebracht haben, weil sie einfach mal Bock drauf hatten. Ich meine, gerade die deutsche Independent-Szene hat ja mit irgendwelchen Splatter-Filmen angefangen, die man (mal von Buttgereit abgesehen) nicht wirklich braucht - wobei man selbst da geteilter Meinung sein kann. Aber es gibt auch ganz großartige Filme wie z.B. "Operation Dance Sensation", der wirklich der absolute Hammer iss'. Ich hab' selten so gelacht wie in der Premiere von dem Streifen und bin auch ein großer Supporter von dem Film. Wir haben uns den Regisseur auch gleich in unser Team für KINDER DER NACHT 2 mit reingeholt und bei der Blutengel DVD hat er auch mitgefilmt. Diesbezüglich ist man schon so etwas wie eine große Familie - sobald man sich einmal kennengelernt hat, guckt man, wo es Berührungspunkte gibt, was man eventuell zusammen machen kann und dann arbeiten die Leute zusammen. Das ist schon toll, obwohl es mich auch mal reizen würde, einen "größeren Film" wie zum Beispiel "Breakfastclub" zu drehen, der Teenagern echt gute Ansätze bietet, die helfen können einige Dinge im Leben besser zu verstehen. So Leute wie John Hughes sind echte Helden für mich, weil die einfach gecheckt haben, worauf es ankommt." Wo man dann schon mal bei persönlichen Helden und Idealen angekommen ist, frage ich Pee Wee, wie er seinen doch recht ausgefallenen, intensiven Lebensweg, rückblickend betrachtet und ob so ein Leben als Künstler in allen Bereichen nicht auch seine Schattenseiten hat. Ein langes Schweigen tritt ein, es folgt ein tiefes, bedächtiges Ausatmen und ich höre Pee Wee sagen: "Hmmmm... wo soll ich anfangen?! Ich meine, um so einen Job wirklich mit aller Ernsthaftigkeit durchzuziehen, muss man schon einige gravierende Macken haben. Ich meine, ich habe meine Beziehungen leiden lassen, um noch ’nen Song fertig zu mixen, war oft unterwegs, wenn ich nicht hätte unterwegs sein sollen und das sind alles so Sachen, die mein Weg einfach mit sich bringt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals Kinder haben werde, aber dafür hab ich dann halt "andere Kinder"." Pee Wee's Antwort auf die Frage nach einem Punkt im Leben, ab dem es keinen Grund mehr gibt Kind zu sein, fällt recht kurz, aber dennoch präzise aus und nach einem kurzen Überraschungsmoment, muss ich doch arg grinsen: "Wenn der neue Star-Wars-Film kommt! Danach ist es vorbei mit dem "Kind-Sein"... Star Wars ist alles, was du als junger Mensch zum Überleben brauchst!" Obwohl diese prägnante Aussage sicherlich ein bombastisches Schlusswort darstellen könnte, seid Ihr sicherlich neugierig, wie Pee Wee's Zukunft in nächster Zeit ausschaut und auch da scheint es weiterhin brisant zu bleiben: "Ich habe im Dezember letzten Jahres meine erste eigene Firma "One Man Gang-Pictures" gegründet und als erstes großes Projekt die aktuelle Blutengel DVD Live Lines gemacht. Wir sind jetzt dabei, die nächsten großen Aufträge an Land zu ziehen und das sieht im Moment alles sehr gut aus, unter anderem auch, weil die Festival-Saison vor der Tür steht..."

Draußen ist es mittlerweile dunkel geworden und während ich den Rückweg antrete, um meinen Zug nicht zu verpassen, registriere ich die South-Park-Fußmatte, welche mich beim Eintreffen mit einem "Dude Visitors!" gebührend in Empfang nahm nur noch aus dem Augenwinkel und ich bin so beschäftigt damit, mich nachhaltig über einige von Pee Wee's galanten "Off-the-record-Sprüchen" zu amüsieren, dass ich sogar fast vergesse, sein Auto zu verlassen, als wir den Essener Hauptbahnhof erreichen.

 

4/2005 © Shirin Vorsmann • PeeWee Vignold