| 
Ja,
ich weiß, kommt ein bisschen spät, etwas über das
musikalische Erbe von GODFLESH und Justin Broaderick
(Kopf der Band) zu schreiben. Seit Mai 2002 sind GODFLESH
Geschichte, und beinahe wäre das an mir vorbeigegangen, wenn
mir nicht die Erst-/(Wieder-)veröffentlichung der Messiah
EP aufgefallen wäre. Irgendwie wurde diese Band nie genug gewürdigt,
fangen wir also sehr viel früher an...

•
1989 kroch Death Metal aus der nassen feuchten Erde diverser Friedhöfe
und mit ihm tolle Bands wie Bolt Thrower, Carcass oder Morbid Angel.
An Einheitsproduktionen, wie die aus dem Morrisound oder dem Sunlight
Studio war noch nicht zu denken, als uns ein Sampler in die Hände
fiel, der mit dem Namen Grindcrusher so einiges versprach. Neben
genannten Bands waren auch Entombed und das Urgestein Napalm Death
vertreten, die uns natürlich sehr erfreuten.
Bei
einer Band sprangen meine Bekannten allerdings auf die Barrikaden,
das Stück Streetcleaner von GODFLESH,
sorgte für derbste Verstimmung. Diese abstruse Mischung aus
Noise, Industrial und Wave, das war neu, definitiv noch nie da gewesen
und fraß sich trotz oder gerade wegen der gnadenlosen Monotonie
durch mein Gehirn und blieb. Andere fanden das schlicht und einfach
nervig, anstrengend und zu stumpf.
Das tolle an der Band, der immer wieder von Rock Hard und Vision
mangelnde Weiterentwicklung vorgeworfen wurde, war, das sie sich
immer genau anders entwickelte als man es erwartete.
• 1991 terrorisierte die Doppel EP Slavestate
mit Dancefloor und Dub beeinflussten Songs, die für einige
Fans wohl zuviel war. 1991 war allerdings auch das Jahr der Slateman
Single, ein megagrooviger SloMo Rocker, der einige Stonerock Bands
heute noch erblassen lassen würde, und die Single Cold
World die durch Keyboard Einsatz verfeinert eine grandioses
Stück Melancholie verbreitete.
•
1992 kam Pure und die Rückkehr zum
Wave, allerdings reduzierte sich der Noise Anteil immer mehr, dafür
konnte diese Platte das Wort „GROOVE“ neu definieren.
• 1994 rockte das extrem metallische Merciless
das Haus, um Selfless, die definitiv die
rockigste und straighteste Scheibe von GODFLESH
war, die Tür zu öffnen. 
• 1996 markierte die Rückkehr zu Experimenten, bei der
extrem düsteren LP Songs Of Love And Hate
mischte sich dunkler Ambient Dub im Scorn Stil unter die Stücke.
Auf dieser Platte spielte erstmals ein Mensch Schlagzeug: Brain
Mantia von Primus !?!
1997 erschien dann die extrem krachige, äußerst heftige
und unfreundliche Remix LP Love And Hate In Dub.
Wenn bei einer Band Remixe Sinn machten, dann sicherlich hier. Wer
die Platte in einem Guss durchhören konnte, der hatte sicherlich
einen klasse Tag danach.
• 1999 erschien Us And Them, Drums&Bass
beeinflusst, was allerdings nur in wenigen Stücken zu Tage
trat, wahrscheinlich die gewöhnungsbedürftigste LP.
•
2001, wer damit rechnete, das GODFLESH noch extremer
werden würden, hatte recht! Allerdings nicht in Sachen Experimente.
Hymns war Metal pur, rauh, heavy bis
sonst wohin und unglaublich brachial aber selbst hier gab es mit
Akustikgitarren Einsätzen ein Novum, mit dem ich nicht gerechnet
hatte. Hammerplatte.
Aber auch das letzte Lebenszeichen von GODFLESH,
denn nach dieser Platte beschloss Ben Green (Bassist und ewiger
musikalischer Partner von Justin Broaderick) wieder zur Schule zu
gehen und verließ GODFLESH, was für
Justin der Grund war, die Band aufzulösen.
• 2003 wurde die Messiah EP, bis
dato nur von der Homepage zu beziehen, wiederveröffentlicht,
original aus dem Jahre 95, waren die Stücke hier sehr sphärisch,
vermutlich war die Band nie zeitgemäßer. Passenderweise
mit einer 8 Jahre alten Platte. Abgerundet wurde die EP durch 4
Remixe im Ambient Dub Stil, düster bis zum abwinken.
Wer GODFLESH verpasst hat, kann sich zumindest
mit dem Best-Of / Raritäten Album In All Languages
ein Bild machen, kennen sollte man diese Band, man muss sie nicht
lieben, aber wer wissen will wer neben Neurosis für den düsteren
Sound von Bands wie Isis, Pelican, Cult Of Luna oder Breach verantwortlich
ist, der kommt an GODFLESH nicht vorbei.

Einzigartig
in Sound (Justin Broadricks Gitarrenspiel, unter hunderten wiederzuerkennen,
Ben Greens megaverzerrter Bass, einzigartig, pumpend, brachial)
und Produktion (schräg, atmosphärisch, anders) hinterlassen
GODFLESH auf jeden Fall eine Lücke, für
die es vermutlich keinen Nachfolger geben wird, es sei denn vielleicht
Justin Broadericks neue Band JESU, auf die ich
sehr gespannt bin.
Jedem, der sich für GODFLESH’s Geschichte
interessiert, wissen will, wie viele unglaubliche experimentelle,
atmosphärische und abgefahrenen Nebenprojekte (GOD,
TECHNO ANIMAL, FINAL, CURSE OF THE GOLDEN VAMPIRE, usw.)
es gab/gibt, welche musikalischen Partner Justin Broadrick hatte,
usw. dem empfehle ich http://www.godflesh.com/
.
Reingucken, lesen, paar MP3s runterladen und staunen.

Schnüff.
|