Wunderpfeifer - Damenheiler - die Rückkehr des guten Tons

Nebenbei sind COPPELIUS der lebende Beweis für die Existenz der Zeitmaschine. Aus dem 19. Jahrhundert gekommen, ließ die klassischen Musiker ein dauerhafter Stromschlag ungebührlich laut werden. Wo immer in den letzten zweihundert Jahren Schlachten geschlagen wurden, COPPELIUS war schon da. Wollte eine Kapelle Schloß Neuschwanstein glänzend zum Einsturz klingen, dann COPPELIUS. Ein musikalischer Kinski in fünffacher Ausfertigung verpfeift das Erbe der deutschen Romantik, unverschämt wild, und unverschämt gut. Normalerweise ist Romantik eine Angelegenheit für Selbstmörder. Hätte Kleist COPPELIUS gehört, wäre er tanzen gegangen, anstatt im Wannsee zu tauchen. So entstand in Berlin ein grundsätzliches Axiom nach den Konzerten: COPPELIUS HILFT.

Coppelius
Nobusama (Schlagwerk) - Graf Lindorf (Cello, Gesang) - Comte Caspar (Klarinette, Gesang) - Max Copella (Klarinette, Gesang) - Sissy Voss (Kontrabaß)

Nun haben es die fünf edelbefrackten Herren, die wie kaum andere die holde Weiblichkeit zu betören vermögen geschafft: Am vergangenen Wochenende (28.06.2003) hat man mehr als nur der Berliner Damenwelt den Kopf verdreht und geht nun als Zweiter - aber irgendwie doch als Sieger aus dem Emergenza Bandwettbewerb zu Berlin hervor. Mit ihrer Kammermusik, mit der man auch ganz unbedarft Stücke von Iron Maiden interpretiert, vermag man nach beinahe 200jähriger Geschichte trotzdem zeitlos schön ein immer größer werdendes Publikum zu begeistern und den Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Trotz neuermodischer Technik ist zunächst nur eine Promo CD mit 3 Tracks und ein weiterer Song - Nothing Personal - aus dem Reportoire auf der Homepage zugänglich, mit denen man dem interessierten Hörer aufzuwarten  weiß. Nun, all diejenigen, für die Kammermusik und Metal in einem Atemzug genannt zu skurril erscheinen, mögen hier oder dort ein paar Töne riskieren.
Die Historie hinter COPPELIUS ist weitreichend, ob nun als Sandmann aus Kindertagen oder als böses Prinzip, sie ist verwirrend, mystisch, schizophren und bedarf ein wenig der Mühe sie zu ergründen.

Bleibt zu hoffen, das nach dem Auflauf rund um den Bandwettbewerb COPPELIUS die Beachtung widerfährt, die uns vielleicht in nah erreichbarer Zukunft und ohne Zeitmaschine ein amtliches Zertifikat ihres musikalischen Könnes beschert. Man darf in jedem Falle gespannt sein ...

>>> Review <<<

1. Two Blind Eyes

2. Phantom Of The Opera

3. Coppelius

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Calani