Viking
ist mindestens ein genauso seltsames Album, wie die Historie
rund um Mastermind Nazgul. Das Ein-Mann-Projekt wurde 1998 in
Südafrika gegründet, schien seinen Weg über England
genommen zu haben und endet nach 2 EP’s mit dem Debütalbum
in Deutschland, offenbar dem Heimatland des Erfinders. Die Rückkehr
diente scheinbar dem einzigen Zweck, der Geschichte und Inspirationsquellen
heidnischer Legenden und den Mythen der Wikinger so nahe wie
möglich zu sein.
Viking beginnt nach einem mystisch
angehauchten Wikinger-typischen Trommel-Intro als pures Black
Metal Album, das seine Wurzeln – natürlich –
im old school BM der Skandinavier hat. Die Songs sind rau, ursprünglich
und authentisch, geprägt von sägenden Riffs und klirrende
Kälte versprühenden Soundsamples. Der Sound ist –
wie üblich – etwas hintergründig aber keineswegs
schlecht. Neben typischen BM-Gekreische gibt es auch mal cleane
Sprechgesänge, die das Ganze ein wenig auflockern. Während
Spirits Of Darkness ausschließlich von düsteren
Atem- und Stöhngeräuschen lebt, begleitet von einem
Gewitter und plätscherndem Regen im Hintergrund, ist Grey
Skies komplett akustisch und lässt mich an Agalloch
denken. Mit dem Zwischenstück Visions Of Time
jedoch taucht man tief in die Vergangenheit von WRATH
ein, die seinerzeit aus puren, atmosphärischen Keyboard
Kompositionen bestand. Es folgen wunderschöne verträumte
Melodien, akustische Passagen und Natur Klänge, die ich
eher als Ambient bezeichnen würde und mich an Polarlichter
in tief verschneiten Winternächten denken lassen (Moonlight
Forest Path), an die eisigen Gestade norwegischer Fjorde
mit dem sehnsuchtsvollen Blick über’s Meer (Dreams
Of A Return) oder an den Frühling auf Island (Germanic
Tribes). Musikalisch gesehen ist dies natürlich eine
Wendung, wie sie dramatischer kaum sein könnte. Bei diesen
synthetischen Kompositionen handelt es sich aber keineswegs
um altes EP Material (als Bonus z.B.), wie ich zunächst
vermutet hatte.
Texte zum aktuellen Album gibt es weder auf der Webseite noch
in lesbarer oder detaillierter Form im Booklet. Aber was ich
an älteren Sachen gelesen habe, geht es weitestgehend gegen
Christen und eben um heidnische Legenden.
Viking ist zwar auf der einen Seite
durchaus interessant mit seinen verschiedenen Ansätzen
und Ideen, wirkt aber auch gerade deswegen zerfahren und orientierungslos,
da selbige nur schlecht miteinander harmonieren. Schwer zu sagen,
ob die reinen Black Metal Songs überhaupt mit den Keyboard
Kompositionen vereinbar sind, wäre aber zumindest eine
enorme Herausforderung, an der man wachsen könnte ;)
Meine Empfehlung: Unbedingt vorher reinhören!