Es scheint
immer mehr Verehrer der Wikingerkultur auf diesem Planeten zu
geben, die Viking Metal Bands schießen jedenfalls wie
die Eisberge aus dem Nordmeer. Doch solange die Qualität
stimmt wie im Falle von WOLFCHANT, finde ich
diese Tatsache äußerst erfreulich.
Fröhlich beschwingte Melodien treffen auf schwermütigen,
heldenhaften Pathos, der sich im kratzig-heroischen Gesang und
den elegisch-massiven Rifftürmen widerspiegelt. Grundlage
bildet ein stets leichtfüßig gelegter Klangteppich
des Schlagwerkers, Samples von Schwertergeklirr oder Sturmgetöse
tragen zum authentischen Transport der kämpferischen Klangintention
des bayrischen Quintetts bei. Die Fotos der Bandmitglieder im
Booklet sind standardgemäß beim Posing im Wald entstanden,
mit Thorhammer um den Hals. Die Thematik der Texte ist somit
auch klar, Songtitel wie Of Honour And Pride sprechen
eine deutliche Sprache, doch obwohl WOLFCHANT
schon aus der dritten Welle der Viking Metal Künstler stammen,
wohnt ihren Klangkonstrukten eine gewisse Frische inne, die
einfach fesselt. Es ist zwar nicht jede Melodie ein Volltreffer,
doch Teilzeiterfolge erzielen WOLFCHANT allemal,
wie das genial dahin galoppierende und an Mithotyn oder Black
Messiah erinnernde Mourning Red oder die tanzbare Weise
am Beginn von Of Honour And Pride. Akustische Gitarren
setzen an den richtigen Stellen Ruhepole, die alsbald von harschem
Gesang und eindringlichen Rhythmen abgelöst werden, man
höre nur Ride To Ruhn oder das epische Blood
For Blood. Hin und wieder darf auch mal der Keyboarder
seinen Beitrag zum Klanggerüst leisten, er tut dies allerdings
nicht allzu oft, meist als Intro zu einem Song dienend.
So gibt es viel zu entdecken, wenn man den 13 Kompositionen
etwas ausdauernder Gehör schenkt. Zwar sind die Bloody
Tales From Disgraced Lands nicht durchgehend hochklassig,
doch WOLFCHANT haben noch eine Menge Zeit,
um an der Ausformung und Herausarbeitung ihres Stils zu feilen,
dass wir uns mit dem nächsten Album sicher hervorragendes
Liedgut erwarten dürfen.