Der Wandel vollzieht
sich auf vielerlei Ebenen. Dem einstigen rasenden Black Metal
geben die Israelis nun einem epischen Konzept den Vorzug,
das von der wuchtigen und pathetischen Herangehensweise jetzt
eher an Blind Guardian denn einst Catamenia erinnert.
Auch bezüglich der Vokalarrangements hat sich einiges
verändert, da dem aggressiven Timbre nur mehr ein kleinerer
Teil des Vortrags gewidmet wird. Der Abwechslung zuträglich,
setzt die Band ebenso auf Klargesang und mehrstimmige, teils
opernhafte Passagen.
WINTERHORDE komponieren mit Anspruch und scheuen sich
nicht davor, auch das eine oder andere abgedrehte Element
in ihren Songs zu verwenden. Es blitzt mal ein schräges
Gitarrensolo auf, dann bringt uns die Horde eine verdrehte
Keyboardspielerei zu Gehör.
Als äußerst positiv erwähnenswert empfinde
ich die wunderbar gelungenen Akustikgitarreneinlagen, auch
ausladenden Instrumentalteile versprühen charmant ein
locker-flockiges Flair, um ihrerseits von der nächsten
komplexen Passage abgelöst zu werden.
Eine Menge Zeit ist also nötig, um die ausladenden Arrangements
zu durchblicken, denn Eingängigkeit steht sicher nicht
als oberste Priorität auf WINTERHORDEs Liste.
Es bleiben demnach auch nicht sofort augenscheinliche Hits
hängen, sondern das Album fährt vielmehr eine atmosphärisch
dichte Stimmung auf und integriert zudem progressive Elemente.
Die Gefühle schwanken beträchtlich zwischen beklemmend,
feierlich und dann wieder trauriger Melancholie.
Die Musik ist Ausdrucksmittel für die verschiedensten
Wirkungsweisen des besungenen „Wasser-Konzepts“
und spiegelt die Ambivalenz des Meeres wider: Erhabenheit,
Faszination und Schönheit auf der einen wie Zerstörung
und Tod auf der anderen Seite. Ein gewisses Maß an Komplexität
macht diese Veröffentlichung interessant und hörenswert
– und mit der Zeit weisen einige Refrains Ohrwurmpotential
auf. Einige orientalische Einflechtungen geben den Stücken
zusätzlich Würze.
Die Geschwindigkeit ist einem ständigen Wandel unterworfen,
da stets Taktwechsel auf dem Programm stehen.
WINTERHORDE
machen es dem Hörer keinesfalls einfach, in die musikalischen
und lyrischen Tiefen ihrer Kunst einzutauchen. Es offenbart
sich allerdings nach einer gewissen Anlaufzeit ein Meer an
liebevollen Details, die es zu entdecken gilt.