WINDS – Reflections Of The I
 
Label: Avantgarde Music
Release: Mai 2002
Von: Dajana
Punkte: 9
Time: 48:11
Stil: Neoclassical Dark Metal
URL: Winds
 

Nach nur knapp einem Jahr gibt es von WINDS das erste Full Length Album zur vielversprechenden Debüt EP Of Entity And Mind. Wer sich Reflections Of The I in den Staaten bei The End Records ordert, bekommt jene EP als Bonus mit dazu (und das für nur 11$!!!).

Auf ihrem neuem Album setzen WINDS konsequent den auf der EP eingeschlagenen Weg fort. Was bedeutet, das man die grundsätzliche Struktur ausgefeilt und verfeinert und die Unzulänglichkeiten der EP ausgebügelt hat. Statt der dominierenden Piano Parts auf der EP setzt man nun auf ein String Ensemble des Osloer philharmonischen Orchesters, welches die Musik um unendlich viele Facetten und Stimmungen bereichert. Dieses Ensemble ist der eigentliche Hauptakteur des Album und verleiht Reflections Of The I diese einzigartige Faszination.
Damit fallen die konträren Pianoklänge weg, die dem Ganzen einen leicht avantgardistischen Touch verliehen hatten.

So klingt Reflections Of The I wesentlich harmonischer und in sich geschlossener. Auch wenn man es zumindest beim Opener Clarity nicht lassen kann, mit den Strings ein paar disharmonische Töne als musikalischen Kontrast zu setzen. Hier kommt auch noch das Piano zum Zuge, welches dann aber eher in den Hintergrund rückt. Clarity dient hier als Brücke zur EP und bewahrt damit den musikalischen Kontext.
Als Ergebnis dieser Bemühungen haben wir wieder ein eindrucksvolles Meisterwerk an romantisch melancholischen Melodien mit jeder Menge klassischer Elemente und wuchtigen Gitarren. Einmal mehr stellen die Musiker ihr Ausnahmekönnen unter Beweis. Welche Gefühle und Assoziationen Reflections Of The I wach zurufen vermag, muss jeder für sich selbst rausfinden. Denn dieses Album klingt jedes Mal irgendwie anders.
Die Stimme von Sänger und norwegischem Grammy Gewinner Lars Eric Si (Khold) klingt diesmal viel weicher, manchmal richtiggehend schwächlich und nimmt deshalb der gesamten Produktion etwas an Power. Auch die Gitarren und Drums kamen mir auf der EP druckvoller vor, als auf dem vorliegendem Album. Da man hier Neoklassik gekonnt mit Metal variiert, darf man ruhig noch ein bisschen was an Power bei der Metal Front drauflegen ;-)
Am Line-up hat sich nichts geändert, Drajevolitch ist noch immer für die spoken words zuständig, nur Multitalent Lars Eric Si hat zusätzlich den Bass übernommen. Produziert hat wieder WINDS' Mastermind Andy Winter.
Abschließend bleibt anzumerken, das ein Arcturus Fan wohl noch immer die musikalische Verwandtschaft zwischen WINDS und den ruhigen, mehr oder weniger akustischen Parts auf den Arcturus Alben (z.B. der Aspera) heraushören wird (der Einfluss von Hellhammer und Tideman lässt sich eben nicht leugnen ...)

Ein faszinierend schönes Album.