WILL 'O' WISP - Unseen
Label: Beyond Productions
Release: 2002
Von: Calani
Punkte: 6

Das Zweitwerk der Italiener von WILL 'O' WISP ist sicherlich kein einfach zu genießendes Album und es bedarf einiger Durchläufe, bis man Unseen in seiner ganzen Breite erfassen kann. Hier wird der Hörer gefordert, da er sich mit dem Gesamtkonzept auseinandersetzen muss. Unseen ist definitiv nichts für's easy listening.

WILL 'O' WISP wurden 1992 gegründet und haben nach 2 Demos 2001 ihr Debüt Enchiridion abgeliefert. Auf ihrem neuesten Werk Unseen gibt es nun auch erstmals eine Sängerin, welche den männlichen Gesang ergänzt, aber generell nicht im Vordergrund steht.
Musikalisch ist es relativ schwer, diese Band einzuordnen. Von der Basis her würde ich es als Gothic Metal / Rock mit einer Vielzahl von Einflüssen bezeichnen. Laut dem Bandinfo werden wir von Death Metal bis Techno alles finden können ... Nun, so schlimm ist es nicht. Tatsächlich gibt es jede Menge progressiven Death Metal, kombiniert mit ruhigen Passagen und typisch gothiclastigen Parts, sowie einigen avantgardistischen Elementen. Glücklicherweise sind jene schrägen Elemente relativ dezent eingesetzt worden und wirken deshalb nicht so schizophren, wie man es beispielsweise von Atrox her kennt. Ein weiterer Vorteil ist, das die schrägen Passagen nicht einfach nur durch schrille Sounds per Keyboard eingefügt werden, sondern das ganze musikalische Konzept darauf abgestimmt ist. Die Gitarrenläufe passen sich ebenso an, wie der Gesang. Übrigens klingen die progressiven Gitarrenläufe nach mehreren Durchläufen dann doch deutlich nach Opeth.
Klingt Unseen beim ersten Durchlauf noch recht schräg und - oberflächlich betrachtet - unausgegoren und unzusammenhängend, findet es nach jedem weiteren Run seinen Weg in die Gehörgänge und setzt sich dort fest.
Eingeleitet von einem atmosphärischem Intro geht's los mit Night Walking, welches nach kurzer Zeit in progressiven Death Metal mit männlichen Sprechgesang und weiblichen Vocals übergeht. Hier wird bereits klar, das die Stimme von Micaela zwar nett, aber viel zu blass und belanglos rüberkommt. Gleiches gilt für Sänger Ermanno. Auch hier fehlt die Ausdruckskraft im Gesang, auch wenn die Art und Weise sehr ansprechend wirkt. In die gleiche Kerbe schlägt danach auch Celestial Bride. Bei Nusku geht es dann schon mal recht schräg zu, was aber wiederum durch ein wirklich nettes Gitarrensolo abgemildert wird. Die Tracks Paath und Eyes sind reine und recht kurze Instrumentale, in denen nicht wirklich Spannendes passiert. Hervorzuheben wäre hier Lost In The Sands, welches zwar ebenfalls recht progressiv aber dafür mit mächtigen Gitarren daherkommt. Auch der männliche Gesang kommt hier wesentlich besser zur Geltung.
Lyrisch geht es größtenteils um die Götter der akkadisch - babylonischen, oder auch sumerischen Mythologie, sowie Aspekten des Schlafes.

Fazit: Unseen braucht Zeit sich zu entfalten und zu entwickeln. Dieses Album ist nichts für oberflächliche Hörer, die nach nur einem Run meinen, sie könnten objektiv über ein Album urteilen. Das auf den ersten Trip sperrig, schräg und holprig wirkende Album geht nach einigen Durchläufen in ein recht nachvollziehbares und schlüssiges Konzept über. Unseen ist nicht perfekt (so gehen die Keyboards bei Highest Wind mächtig auf die Nerven), der Gesang ist größtenteils blass und ausdruckslos. Die Strukturen und das Konzept lassen sich noch ausfeilen und die Musik vielleicht noch ein wenig nachvollziehbarer gestalten ( nicht, das etwas an einem komplizierteren Album auszusetzen wäre, aber dann muss auch alles stimmen).
Dennoch haben hier WILL 'O' WISP ein beachtliches Werk abgeliefert und es bleibt abzuwarten, wie sie sich in Zukunft entwickeln werden. Die Jungs haben es schlau angefangen, das Album ist mit knapp 40 Minuten nicht zu lang und die schräg/ progressiven Elemente wurden eher dezent eingesetzt, so dass das Album nie überladen wirkt.

Kontakt: über Bassist Fabrizio Colussi
oder Beyond Productions