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Das Zweitwerk
der Italiener von WILL 'O' WISP ist sicherlich kein einfach
zu genießendes Album und es bedarf einiger Durchläufe, bis man
Unseen in seiner ganzen Breite erfassen kann. Hier
wird der Hörer gefordert, da er sich mit dem Gesamtkonzept auseinandersetzen
muss. Unseen ist definitiv nichts für's easy listening.
WILL 'O'
WISP wurden 1992 gegründet und haben nach 2 Demos 2001 ihr
Debüt Enchiridion abgeliefert. Auf ihrem neuesten
Werk Unseen gibt es nun auch erstmals eine Sängerin,
welche den männlichen Gesang ergänzt, aber generell nicht im Vordergrund
steht.
Musikalisch ist es relativ schwer, diese Band einzuordnen. Von
der Basis her würde ich es als Gothic Metal / Rock mit einer Vielzahl
von Einflüssen bezeichnen. Laut dem Bandinfo werden wir von Death
Metal bis Techno alles finden können ... Nun, so schlimm ist es
nicht. Tatsächlich gibt es jede Menge progressiven Death Metal,
kombiniert mit ruhigen Passagen und typisch gothiclastigen Parts,
sowie einigen avantgardistischen Elementen. Glücklicherweise sind
jene schrägen Elemente relativ dezent eingesetzt worden und wirken
deshalb nicht so schizophren, wie man es beispielsweise von Atrox
her kennt. Ein weiterer Vorteil ist, das die schrägen Passagen
nicht einfach nur durch schrille Sounds per Keyboard eingefügt
werden, sondern das ganze musikalische Konzept darauf abgestimmt
ist. Die Gitarrenläufe passen sich ebenso an, wie der Gesang.
Übrigens klingen die progressiven Gitarrenläufe nach mehreren
Durchläufen dann doch deutlich nach Opeth.
Klingt Unseen beim ersten Durchlauf noch recht schräg
und - oberflächlich betrachtet - unausgegoren und unzusammenhängend,
findet es nach jedem weiteren Run seinen Weg in die Gehörgänge
und setzt sich dort fest.
Eingeleitet von einem atmosphärischem Intro geht's los mit Night
Walking, welches nach kurzer Zeit in progressiven Death Metal
mit männlichen Sprechgesang und weiblichen Vocals übergeht. Hier
wird bereits klar, das die Stimme von Micaela zwar nett, aber
viel zu blass und belanglos rüberkommt. Gleiches gilt für Sänger
Ermanno. Auch hier fehlt die Ausdruckskraft im Gesang, auch wenn
die Art und Weise sehr ansprechend wirkt. In die gleiche Kerbe
schlägt danach auch Celestial Bride. Bei Nusku geht
es dann schon mal recht schräg zu, was aber wiederum durch ein
wirklich nettes Gitarrensolo abgemildert wird. Die Tracks Paath
und Eyes sind reine und recht kurze Instrumentale, in denen
nicht wirklich Spannendes passiert. Hervorzuheben wäre hier Lost
In The Sands, welches zwar ebenfalls recht progressiv aber
dafür mit mächtigen Gitarren daherkommt. Auch der männliche Gesang
kommt hier wesentlich besser zur Geltung.
Lyrisch geht es größtenteils um die Götter der akkadisch - babylonischen,
oder auch sumerischen Mythologie, sowie Aspekten des Schlafes.
Fazit: Unseen
braucht Zeit sich zu entfalten und zu entwickeln. Dieses Album
ist nichts für oberflächliche Hörer, die nach nur einem Run meinen,
sie könnten objektiv über ein Album urteilen. Das auf den ersten
Trip sperrig, schräg und holprig wirkende Album geht nach einigen
Durchläufen in ein recht nachvollziehbares und schlüssiges Konzept
über. Unseen ist nicht perfekt (so gehen die Keyboards
bei Highest Wind mächtig auf die Nerven), der Gesang ist
größtenteils blass und ausdruckslos. Die Strukturen und das Konzept
lassen sich noch ausfeilen und die Musik vielleicht noch ein wenig
nachvollziehbarer gestalten ( nicht, das etwas an einem komplizierteren
Album auszusetzen wäre, aber dann muss auch alles stimmen).
Dennoch haben hier WILL 'O' WISP ein beachtliches Werk
abgeliefert und es bleibt abzuwarten, wie sie sich in Zukunft
entwickeln werden. Die Jungs haben es schlau angefangen, das Album
ist mit knapp 40 Minuten nicht zu lang und die schräg/ progressiven
Elemente wurden eher dezent eingesetzt, so dass das Album nie
überladen wirkt.
Kontakt: über
Bassist Fabrizio
Colussi
oder Beyond
Productions
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