Nun
hat das allgegenwärtige Reunion-Fieber die finnische (Alles-)Könner-Truppe
um Sänger/Bassist Kärtsy Hatakka erwischt. Im Prinzip
keine schlechte Idee, waren WALTARI doch früher
dafür bekannt, respektlos und unkonventionell sämtliche
Genregrenzen zu überschreiten, nur um dann um so furioser
alle möglichen Stile zusammenzuwürfeln und daraus ein
wirklich heißes Crossover-Gebräu zu fabrizieren. Da
die Band auf diesem Sektor zudem auch noch quasi die skandinavische
Erst-Entdecker-Rolle für sich beanspruchen konnte, sprangen
dabei in den early 90ern sogar einige Charts-Platzierungen heraus.
Zum Ende des Jahrtausend schien dem Quartett dann aber sowohl
die Spielfreude als auch die Lust am Innovativen verlassen zu
haben, so dass man sich schließlich, nicht zuletzt wohl
auch aufgrund mangelnden Erfolges, mehr oder weniger unbeachtet
trennte.
Mit Rare
Species versuchen WALTARI jetzt
in der Fast-Urbesetzung, wieder an alte Erfolge anzuknüpfen.
Und genauso klingt diese CD auch. Leider! Denn anstatt sich
auf die Stärken, die seiner Zeit zum Erfolg führten,
zu besinnen, erscheint mir diese Veröffentlichung einfach
zu sehr unter dem Sicherheitsaspekt entstanden zu sein. Der
größte Teil der Stücke bewegt sich nämlich
im allzu gleichen Fahrwasser, sprich locker flockige Rocksongs
mit einigen Crossover-Einflüssen ohne große Überraschungen.
Die Wandelhaftigkeit, die früher jede WALTARI-Platte
zu einem Erlebnis (und manchmal auch zu einer Achterbahnfahrt)
machte, fehlt hier fast völlig; statt dessen verliert man
sich zu häufig in gleicher Stilistik und Stimmung ohne
die notwendige Abwechslung.
Ausnahmen
gibt es nur wenige, z.B. das mit etwas knackigeren Gitarren
versehene Megacity Rain, das mit interessanten Piano-Einsätzen
angereicherte und tatsächlich aus dem Rahmen fallende My
Pain oder die beiden letzten Eigenkompositionen Live
This! und Wasting My Mind, während z.B. Life
Without Love (die erste Single), Dreamworld oder
Alone einfach nur stinklangweilig sind. Sicherlich
polarisierend auch der eigentliche Rausschmeißer des Albums,
da verwurstelt man nämlich No Limit von 2 Unlimited
(Mitbegründer der technoiden Dancefloor-Szene...) und Megadeths
Symphony Of Destruction. Und zwar in einem Stück,
angereichert mit Your Funky Rhythm (keine Ahnung von
wem, klingt aber genauso), was eine ziemliche krude Mischung
ergibt! Harter Tobak...
Wenn überhaupt
lohnt sich in diesem Fall vor allem die Anschaffung der limitierte
Auflage von Rare Species, wird dem
Fan hier doch zusätzlich die ultrarare, bisher nur auf
Vinyl erhältliche Back To Persepolis
EP aus dem Jahre 2001 kredenzt. Dabei klingt Guardian Angel
wie eine die schlechteren Eigenkompositionen auf dieser CD,
Living Then Living Now mit angenehm punkigem Charme
wie eine der besseren. New Church müsste eigentlich
eine Cover-Version sein und erinnert mit seinen klasse Gitarren-Riffs
schwer an vergangene Gothic Rock-Zeiten der 80er, während
ich zumindest den Beginn von There’s No Tomorrow
erkannt habe: Elvis Presley! Allerdings nur kurz, denn dann
folgt wüster, derber Punk Rock (also so, wie das sein soll).
Alles in allem betrachtet ist mir das jedoch, trotz der guten
Produktion und den ansprechenden technischen Leistungen viel
zu wenig für das, was früher den Namen WALTARI
ausmachte. Daher gibt’s von mir auch nur mit Ach und Krach
6 Punkte.