WALTARI – Rare Species (Ltd. Edition)
 
Label: Vielklang
Release: 01.03.2004
Von: Psycho
Punkte: 6/10
Time: 71:33
Stil: Crossover
URL: Waltari
 
Nun hat das allgegenwärtige Reunion-Fieber die finnische (Alles-)Könner-Truppe um Sänger/Bassist Kärtsy Hatakka erwischt. Im Prinzip keine schlechte Idee, waren WALTARI doch früher dafür bekannt, respektlos und unkonventionell sämtliche Genregrenzen zu überschreiten, nur um dann um so furioser alle möglichen Stile zusammenzuwürfeln und daraus ein wirklich heißes Crossover-Gebräu zu fabrizieren. Da die Band auf diesem Sektor zudem auch noch quasi die skandinavische Erst-Entdecker-Rolle für sich beanspruchen konnte, sprangen dabei in den early 90ern sogar einige Charts-Platzierungen heraus. Zum Ende des Jahrtausend schien dem Quartett dann aber sowohl die Spielfreude als auch die Lust am Innovativen verlassen zu haben, so dass man sich schließlich, nicht zuletzt wohl auch aufgrund mangelnden Erfolges, mehr oder weniger unbeachtet trennte.

Mit Rare Species versuchen WALTARI jetzt in der Fast-Urbesetzung, wieder an alte Erfolge anzuknüpfen. Und genauso klingt diese CD auch. Leider! Denn anstatt sich auf die Stärken, die seiner Zeit zum Erfolg führten, zu besinnen, erscheint mir diese Veröffentlichung einfach zu sehr unter dem Sicherheitsaspekt entstanden zu sein. Der größte Teil der Stücke bewegt sich nämlich im allzu gleichen Fahrwasser, sprich locker flockige Rocksongs mit einigen Crossover-Einflüssen ohne große Überraschungen. Die Wandelhaftigkeit, die früher jede WALTARI-Platte zu einem Erlebnis (und manchmal auch zu einer Achterbahnfahrt) machte, fehlt hier fast völlig; statt dessen verliert man sich zu häufig in gleicher Stilistik und Stimmung ohne die notwendige Abwechslung.

Ausnahmen gibt es nur wenige, z.B. das mit etwas knackigeren Gitarren versehene Megacity Rain, das mit interessanten Piano-Einsätzen angereicherte und tatsächlich aus dem Rahmen fallende My Pain oder die beiden letzten Eigenkompositionen Live This! und Wasting My Mind, während z.B. Life Without Love (die erste Single), Dreamworld oder Alone einfach nur stinklangweilig sind. Sicherlich polarisierend auch der eigentliche Rausschmeißer des Albums, da verwurstelt man nämlich No Limit von 2 Unlimited (Mitbegründer der technoiden Dancefloor-Szene...) und Megadeths Symphony Of Destruction. Und zwar in einem Stück, angereichert mit Your Funky Rhythm (keine Ahnung von wem, klingt aber genauso), was eine ziemliche krude Mischung ergibt! Harter Tobak...

Wenn überhaupt lohnt sich in diesem Fall vor allem die Anschaffung der limitierte Auflage von Rare Species, wird dem Fan hier doch zusätzlich die ultrarare, bisher nur auf Vinyl erhältliche Back To Persepolis EP aus dem Jahre 2001 kredenzt. Dabei klingt Guardian Angel wie eine die schlechteren Eigenkompositionen auf dieser CD, Living Then Living Now mit angenehm punkigem Charme wie eine der besseren. New Church müsste eigentlich eine Cover-Version sein und erinnert mit seinen klasse Gitarren-Riffs schwer an vergangene Gothic Rock-Zeiten der 80er, während ich zumindest den Beginn von There’s No Tomorrow erkannt habe: Elvis Presley! Allerdings nur kurz, denn dann folgt wüster, derber Punk Rock (also so, wie das sein soll). Alles in allem betrachtet ist mir das jedoch, trotz der guten Produktion und den ansprechenden technischen Leistungen viel zu wenig für das, was früher den Namen WALTARI ausmachte. Daher gibt’s von mir auch nur mit Ach und Krach 6 Punkte.