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Jahre nach der ersten Best Of Kompilation Decade
erscheint mit The 2nd Decade – In The Cradle
die zweite Zusammenstellung der finnischen WALTARI, die
einen Überblick der Jahre 1999 bis heute gibt. In Finnland
immer noch sehr populär, sind die Meister des kreativen
Crossovers in den letzten Jahren etwas aus dem Licht der Öffentlichkeit
gerückt. Laut Presseinfo angeblich aufgrund „neuer
Trends und falscher Business Partner“. Naja. Zeit also
wieder auf sich aufmerksam zu machen. Ob das mit einer Kompilation
gelingt ist allerdings fraglich. Qualitativ ist die „zweite
Dekade“ ganz ordentlich geraten; klar steht der poppige
Aspekt im Vordergrund, was bereits daran zu sehen ist, dass
Get Stamped und One Day es (nur) im Radio Edit
auf die Scheibe gebracht haben. Life Without Love gibt
es im hörenswerten triphoppigen, Reggae-infizierten Billy
Gould-Remix und Atom Angel wird in der Live-Version von
der Rare Species Alive-DVD präsentiert. Harter Stoff ist
die bislang nur in Finnland erschienene Nummer System Oðða
Áiggi des „Channel Nordica CNN"-Projekts,
auf der gerappt wird, als hätte man eine freigeistige Disco
aus Ibiza in den hohen Norden verpflanzt.
Zum Einstieg gibt es das einzig neue Lied (fast neu, der für’s
kommende Album eingeplante Song brachte es schon zu Soundtrack-Ehren),
den relativ straighten Kracher In The Cradle, der nicht
nur der „Cradle“ im Titel wegen, besonders zu Beginn,
verblüffend an Billy Idols Glanzzeiten erinnert. Gelungen
und witzig auch die drei Bonus-Stücke aus einer Unplugged
Session in Rosholm im Mai diesen Jahres.
Für wen aber ist The 2nd Decade – In The Cradle
nun relevant? Beinharte Fans bekommen lediglich einen bislang
unveröffentlichten Song, einen netten Remix und drei kurze
ausgestöpselte Tracks geboten. Ob man die Radio Edits braucht,
sei mal dahin gestellt. Für Neulinge und Interessierte
bietet das Album einen ganz guten Blick auf die eher massentaugliche
Seite WALTARIs. Zwar herrschen musikalische Zustände
wie in der Villa Kunterbunt, zwischen Billy Idol, den Red Hot
Chli Peppers und Faith No More ist noch massig Platz für
andere Einflüsse und musikalische Eskapaden. Aber wirklich
wild wird es nie, alles bleibt freundlich hell und letztlich
auch von erstaunlicher Homogenität (da sind wir mittlerweile
anderes gewohnt); wie’s halt so ist in Pippis farbenfroher
Welt, die sich WALTARI mit Schwung nach Finnland geholt
haben. Wer einen Schnupperkurs nehmen möchte, macht mit
dem Erwerb der CD nichts verkehrt. Der Rest kann gelassen auf
die nächste Veröffentlichung mit wirklich neuen Stücken
warten.