Keine
Angst vor Mellotronen, keine Angst vor keifendem, grollendem
und cleanen Gesang, voller Lust auf schneidende Gitarren und
Breaks an den richtigen Stellen? Interesse an Bands die aus
Norwegen – genauer gesagt aus Bergen - stammen und trotzdem
keinen lupenreinen Black-Metal zelebrieren? Dann herzlich willkommen
bei VULTURE INDUSTRIES und ihren Dystopia Journals.
Es gibt viel zu ergründen in den teilweise epischen Tracks.
Vertrackte Rythmen, die sich in die Gehörgänge bohren,
wechselhafter Gesang, der in all seinen Ausformungen –
sauber, kreischend, growlend – überzeugen kann. Aggressiv
attackierend – ohne sich in Highspeed-Regionen auszutoben
– sind die Dystopia Journals doch unterlegt
von einer schleichenden, melancholischen Stimmung, die sich
längs eines Eisbergs windet. Düstere Mellotron-Klänge,
hämmernde Piano-Figuren gehören wie selbstverständlich
zu VULTURE INDUSTRIES Soundkosmos, der in seiner melodischen
Vielfalt den Hörer schnell gefangen nimmt. Ausfälle
gibt es keine, und jedes Stück besitzt mindestens eine
kleine Ohrenweide mit der es brillieren kann. Und wenn zum Schluss
die Grim Apparitions ausklingen, nach einem wilden Ritt
voller metallischer Attacken, Spoken Words Ergüssen und
feiner Doors-Orgel im Hintergrund, kann man sich entspannt zurücklehnen
und sagen: „Außer beim Sex selten so viel Spaß
gehabt ohne zu lachen.“
Dass die Band freudig damit wirbt, dass sich der „bekannte
Norwegische Schauspieler“ Helge Jordal für’s
Cover zur Verfügung gestellt hat, weist auf ein Defizit
in visueller Wahrnehmung hin. Denn das Albumcover ist von erlesener
Scheußlichkeit. Und wer da „Bob“ und „Twin
Peaks“ sagt, riskiert Schläge. Zumindest einen leichten
Klapps auf den Hinterkopf…
Davon lassen wir uns natürlich nicht abschrecken und drücken
die Repeat-Taste für eine wiederholte Entdeckungsreise.