Der Titel
des Albums lässt auf den ersten Blick eine (Black-)Metalveröffentlichung
erwarten, aber VIRTUAL SPACE INDUSTRIAL liefern
mit Gehenna lupenreinen Electro ab,
der stilistisch irgendwo zwischen Suicide Commando, Hocico und
Co. eingeordnet werden kann. Für die beiden Polen Kanariss
und Stefan ist Gehenna nach einer
selbstproduzierten EP die erste Albumveröffentlichung auf
einem Label und somit ist Polen in Verbindung mit der EU-Osterweiterung
nun auch in Sachen Electro kein unbeschriebenes Blatt mehr.
Passend zur derzeitigen medialen Omnipräsenz des verblichenen
Pontifex besitzen die Texte von Gehenna
einen biblischen Hintergrund verbunden mit Gesellschaftskritik.
Gerade im Electrobereich schon eine etwas ungewöhnliche
Kombination, aber vielleicht hat das ja auch was mit dem unter
religiösen Gesichtspunkten etwas konservativen Herkunftsland
der beiden Musiker zu tun.
Musikalisch legen VIRTUAL SPACE INDUSTRIAL
mit dem ersten Song Holy Children, der schnell ins
Ohr sowie Tanzbein geht, und dem etwas später folgenden,
beschwörenden Traitor sehr ordentlich los, aber
mit zunehmender Spieldauer wird die Musik der beiden zu beliebig
und plätschert vor sich hin, was unter anderem auch daran
liegt, dass viele Songs im eher schleppenden Midtempobereich
angesiedelt sind und/oder kaum Wiedererkennungswert besitzen.
Vor allem Love For A Moment oder das mit teilweise
polnischen Texten versehene Hope sind mir da in unangenehmer
Erinnerung geblieben. Manchmal werden auch gesangstechnische
Ausflüge in Richtung der schwer angesagten [:SITD:] unternommen
(Right Hand Of God).
Gehenna ist trotz der oben angesprochenen
Kritik dennoch ein relativ solides Album und man kann den beiden
Polen Entwicklungspotentiale attestieren, problematisch ist
allerdings, dass die Gefahr des Untergehens in der derzeitigen
Flut von (guten) Veröffentlichungen aus dem Electrobereich
besteht. Schauen wir einfach was das nächste Release von
VIRTUAL SPACE INDUSTRIAL bringen wird.