VLAD IN TEARS – Seed Of An Ancient Pain

 
Label: SPV
Release: 26.10.2007
Von: Joking
Punkte: 6.5/10
Time: 46:47
Stil: Symphonic Gothic Metal
URL: Vlad In Tears
 
Beim ersten Hören könnte man VLAD IN TEARS für eine keyboardlastige HIM Kopie halten. Gut, der Sänger Kris kann nicht ganz mit Ville Valos exaltiertem Gesangsstil mithalten, aber die Songs haben scheinbar all das, was HIM auch auszeichnet, bzw. zum Ärgernis werden lässt: Pathos, hymnischer Düsterkitsch, eingängige Melodien, die zum Tanz einladen und mit weinerlicher Seligkeit liebäugeln. Hier werden sämtliche Klischees bedient, die Gothic Metal nur auffahren kann, man ist versucht das Ding schnell abzuhaken - weg damit in den Orkus des Vergessens. Dann beim zweiten, dritten Durchgang die Erkenntnis: so schlecht ist das Teil gar nicht. Denn da gibt es immer mal eine Passage, die aufhorchen lässt, eine gelungene Gesangslinie, fette Keyboards, ein Pianolauf, der zwar aus dem Etüdenbuch für fortgeschrittene Klavierschüler stammt, aber trotzdem perlt.
Das bewegt sich auf ausgetretenen Pfaden, ist aber dermaßen enthusiastisch und von einer inbrünstigen Rumpeligkeit, dass man der „Saat eines altehrwürdigen Schmerzes“ gar nicht böse sein kann. Der Druck auf die Tränendrüse hält sich zudem in Grenzen. Highlights sind das eindringliche Briar mit seinem voluminösen Orgelsound, das rhythmisch abwechslungsreich rockende Dark Theoreme, das symphonische As Snow We’d Fall, das keine Leidensgrenze kennt; und die melodramatische Ballade After The End, die ein gruseliges Gitarren- UND ein noch gruseligeres Pianosolo aufbietet.
Streng dem Kodex „Von Pathos bis Porno – wie strukturiere ich ein Gothic-Album“ gehorchend, endet Seed Of An Ancient Pain mit einer instrumentalen Verbeugung vor Liberaces kerzenumflorter Gruft; My Last Dawn ist so wonnevoll elegisch, dass ich mir’s Näschen putzen muss vor Rührung.
Nein, im Ernst, man kann VLAD IN TEARS guten Gewissens ein oder zwei Ohren leihen. Vielleicht hilft die Investition ins Album auch, dass sich Drummer Xander ein neues Brillengestell leisten kann. Oder ist der „zornige Bankangestellte mit Glasbausteinblick“ vielleicht das kommende Rollenmodell im Düsterrock?